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Kerken: Die DDR-Diktatur gespürt

Kerken : Die DDR-Diktatur gespürt

Der 3. Oktober ist der wichtigste staatliche Feiertag Deutschlands. Am 22. Gedenktag der Einheit beider deutscher Staaten erinnert sich der Kerkener Friedensaktivist Hinrich Kley-Olsen an den Tag, als er in Ost-Berlin demonstrierte.

Demokratie, Freiheit, DDR, Revolution: Das sind Schlagworte, die auf den Rücken der unzähligen Bücher zu lesen sind, zwischen denen Hinrich Kley-Olsen in seiner Privatbibliothek sitzt. Wie an jedem Tag durchstöbert der 54-Jährige das Internet nach neuen Berichten rund um das Thema DDR. Gerade am 3. Oktober, am bedeutendsten staatlichen Feiertag, findet er besonders viele neue Einträge, die er auf seiner eigenen Internetseite verlinkt.

Hinrich Olsen recherchiert noch heute in seiner Privatbibliothek. Foto: KDI

Schon während des Bestehens der beiden Staaten war der frühere Moerser, der heute in Kerken wohnt, ein Verfechter der Freiheit und setzte sich gegen das im Osten herrschende Unrecht ein.

Doch im Jahr 1985 sollte er mit vier Bekannten einen waghalsigen Ausflug nach Ost-Berlin unternehmen. Ganze drei Minuten streckten sie auf dem belebten Alexanderplatz — dem Zentrum Ost-Berlins — das Transparent "Gegen die Verfolgung der Friedensbewegung in Ost und West" in die Höhe. "Es war eine angespannte Situation", erinnert sich Olsen. Bis ein Mann mit Schirmmütze auf die Friedenskämpfer zustürmte, der sich als ziviler Stasi-Mitarbeiter entpuppte. "Er schrie uns an: ,Packt das weg!', und entriss uns das Transparent", berichtet der Zeitzeuge. "Dann haben wir die Flugblätter in die Luft geworfen" — der Wind verteilte sie über den gesamten Platz.

Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte, hatten die Demonstranten damals nicht. "Die werden uns West-Bürgern schon nichts tun", dachte der damals 27-Jährige. Der Stasi-Spitzel krallte sich in Olsens Lederjacke, trieb die Fünf durch eine Unterführung, Richtung Polizeiwache. Im Anschluss folgte ein vierstündiges Verhör. "Das sind alles West-Pässe", bemerkte ein Volkspolizist. Dann verschärfte sich der Ton. "Ihr stört den Sozialismus im Aufbau und den Frieden. Wir sind keine Imperialisten", wurden sie angebrüllt. "Da bekamen wir zum ersten Mal den Eindruck, was eine Diktatur bedeutet." Stunden später wurden sie in den Westen abgeschoben.

(RP)