Devise "Dumm sterben"?

Devise "Dumm sterben"?

Die Art und Weise, wie die in den Behörden für den Katastrophenschutz zuständigen Mitarbeiter mit diesem Thema umgehen, verdient nur ein Prädikat: katastrophal. Damit ist, wohlgemerkt, nicht die fachliche Kompetenz der Einsatzkräfte bei Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk, Sanitätsdiensten und Ärzten gemeint.

Es ist auch davon auszugehen, dass die interne Befehls- und Meldekette funktioniert, alle Funktionsträger die Ruhe behalten und mit Bedacht die, hoffentlich, wohl vorbereiteten Hilfsmaßnahmen anstoßen. Das ist zu Gunsten der Verantwortlichen anzunehmen.

Was aber nicht geht: Den Katastrophenschutz gegenüber den zu Schützenden zum Geheimprojekt zu erklären und keine Informationen preiszugeben. Wo zum Beispiel lagern die Jodtabletten für Minderjährige und Schwangere? Das Argument, man wolle keine Diebstähle provozieren, ist äußerst schwach. Und noch schwächer ist der Vorwurf, eine Berichterstattung und ausführliche Information sei Panikmache.

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer im Vorfeld auf allen Kanälen umfangreich und umfassend informiert wird, kann im Ernstfall, wenn es um Leben und Tod geht und jede Minute kostbar ist, zügig und angemessen reagieren. Warum nicht ein Merkblatt erstellen und an alle Haushalte verteilen? Wenn schon bei ganz normalen Silvestergrüßen Handy-Netze und Internet-Verbindungen überlastet sind, wie wird es da erst sein, wenn die Menschen von Panik erfasst sind, was bei Lebensgefahr eher zu erwarten ist als die coole Reaktion von Hollywood-Helden.

Die Devise "Lasst sie dumm sterben" kann es nicht sein. Die Behörden haben für die Bevölkerung da zu sein, nicht umgekehrt. Wer Informationen zurückhält und vitale Interessen der Bevölkerung hinter Herrschaftswissen zurückstellt, setzt sich einem Verdacht aus: Mit der Vorbereitung auf den Fall der Fälle sieht es wohl nicht ganz so gut aus, wie von den Behörden behauptet.

michael.klatt@rheinische-post.de

(RP)