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Der Wohnungsbau war Hauptthema beim WfG-Unternehmerabend in Straelen.

Unternehmerabend mit der Kreis-WfG : Straelen braucht bebaubare Flächen

120 Interessierte waren beim Unternehmerabend mit der Kreis-WfG zum Thema „Wohnungsbau“. Harald Purath von der Stadtverwaltung kritisiert, dass Projekte durch Einzelinteressen blockiert oder verzögert werden.

Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern ist sehr groß, aber es gibt weder vermarktbare Objekte noch genug Flächen für Neubauten. In der Runde der Praktiker zum Thema „Bauen in Straelen – Ein Blick in die Zukunft“ brachten es Oliver Heghmann von Megens Bau, Heinz Teeuwen vom gleichnamigen Immobilien-Center und Johannes Poels von Hout und ­Poels unisono auf den Punkt. Bürgermeister Hans-Josef Linßen und Harald Purath als Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Infrastruktur sehen das genauso und zeigten auf, wie viel Zeit an manchen Stellen heutzutage für die Schaffung von Baurecht gebraucht wird. Besonders Purath beklagte die deutsche Rechtsprechung, die aus seiner Sicht oft Einzelinteressen höher als das Gemeinwohl bewertet und dadurch Projekte verhindert oder verzögert.

Wenn die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve zum Unternehmerabend einlädt, ist das Interesse in diesem Jahr überall groß. Das Thema „Bauen“ scheint auf den Nägeln zu brennen. Auch zur Runden im „Straelener Hof“ kamen gut 120 Interessierte. Sie erfuhren von Hans-Josef Linßen, dass nach der vom Kreis in Auftrag gegebenen Wohnungsmarktstudie in ­Straelen bis 2030 noch 1938 Wohnungen benötigt werden. Im Detail hat Linßen zwar ein paar Zweifel am Zahlenmaterial, nichtsdestotrotz bestätigt er, dass es einen deutlichen Bedarf gebe. Zwar habe die Regionalplanung Straelen nicht alles zugestanden, was man sich besonders auch für die Ortschaften gewünschte hätte, aber es gebe durchaus Flächen. Die Ortschaften Broekhuysen und Auwel-Holt werden sich nach den Vorstellungen des Landes auf die reine Innenentwicklung beschränken müssen. In Herongen seien noch ausreichend Flächen verfügbar – vielleicht mehr als nachgefragt werde. In Straelen gibt es mehrere Flächen, das Kernstück sei natürlich der große Bereich der früheren Gemüseversteigerung. 100 Wohnungen und 50 bis 60 Ein- oder Zweifamilienhäuser können dort entstehen. Doch genau diesen Bereich treffen auch die von Purath so kritisierten Einzelinteressen, dort muss noch einiges geleistet werden, bis die Bagger anrollen. „Wir brauchen auch Wohnungen für Menschen mit mittleren Einkommen, für diejenigen, die uns die Haare schneiden, die Sonntagsbrötchen verkaufen oder das leckere Bier an den Tisch bringen“, mahnte der Fachbereichsleiter.

Dass für alle Bauprojekte auch entsprechende Finanzmittel bereitstehen, dafür dürften Stephan Kunz von der NRW.BANK, Thorsten Welmans von der Sparkasse Rhein-Maas und Lutz Baumans von der Volksbank an der Niers sorgen können. In der Gesprächsrunde mit Nathalie Tekath-Kochs ließen sie keinen Zweifel daran, dass die niedrigen Zinsen und die steigenden Baupreise für einen baldigen Baubeginn stehen – aber nach reifen Prüfungen und Überlegungen.

Den größten Applaus gab es für Oliver Heghmann, als er charmant von der Gabe der Niederrheiner sprach, den eigenen Ort immer schlecht zu reden. Kunden aus Düsseldorf dagegen seien begeistert, wenn sie nach Straelen kommen. „Lasst uns alle bitte ans Herz fassen, und selbstbewusst sagen, Straelen ist eine tolle Stadt. Hier ist doch bis auf Kleinigkeiten alles im grünen Bereich.“ Das nahmen die anderen Podiumsteilnehmer in der Schlussrunde auf und beendeten den von Nathalie Tekath-Kochs vorgegebenen Satz „Straelen wächst, weil …“ mit positiven Attributen für die Blumenstadt wie liebenswert und abwechslungsreich, sauber bis bürgerfreundlich oder verlässlich bis zukunftsorientiert. Bürgermeister Hans-Josef Linßen nutzte zum Ausklang die Gelegenheit zum Appell: „Weil Straelen eine besonders attraktive Stadt ist, wollen wir sie auch schnell wachsen lassen. Helfen Sie bitte alle dabei.“