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Kerken: Der Mann für den Neuanfang in St. Dionysius Kerken ist gefunden

Kerken : Der Mann für den Neuanfang in St. Dionysius Kerken ist gefunden

Christian Stenz ist promovierter Jurist und folgt auf Theodor Prießen. Gemeindemitglieder hatten lange um den Erhalt des bisherigen Pfarrers gekämpft. Im Herbst findet endgültig der Wechsel statt.

Er klingt entschlossen. Christian Stenz wird Nachfolger von Kerkens Pfarrer Theodor Prießen. "In die Zukunft gucken, nicht in die Vergangenheit", lautet sein Wunsch. Eine Vorstellungsrunde mit dem Pfarreirat und dem Kirchenvorstand hat es schon gegeben. Am Ende wurden Hände geschüttelt, und so wurde der Grundstein für einen Neuanfang gelegt.

Aus der Zeitung hatte Stenz von der besonderen Situation seiner zukünftigen Wirkungsstätte erfahren. Denn die Kerkener waren alles andere als glücklich, als sie davon erfuhren, dass ihr Pastor Theodor Prießen ab Herbst in St. Willibrord Kleve seinen Dienst tun soll. Lange hatten sie für sein Bleiben gekämpft mit Donnerstagsgebeten, Unterschriftenaktionen und zahlreichen Briefen ans Bistum. Ende März kamen Personaldezernent Karl Render und Weihbischof Rolf Lohmann nach Nieukerk und verkündeten im Adlersaal, an der Entscheidung des Bistums sei nicht zu rütteln. Lohmann betonte, wie wichtig ein neuer Mann als Pfarrer für Kerken sei, um die Gräben zwischen den Gemeindeteilen Nieukerk und Aldekerk zu überwinden.

Der neue Mann ist mit Stenz offenbar gefunden. Er erhielt im April den Anruf aus Münster. Tags darauf machte er sich inkognito auf den Weg, um sich umzuschauen, erinnert sich der 55-Jährige. "Die Mentalität liegt mir", sagt der Mann, der in Ludwigshafen aufgewachsen ist. "Wer nicht mittendrin war, soll sich kein Urteil erlauben", sagt er über das, was er aus der Zeitung über die Gemeinde weiß. Schuldzuweisungen sind ihm ferne. "Da sind Menschen, die Gott suchen", lautet seine Herangehensweise.

Vielleicht kommt ihm auch zu Gute, dass er schon ein Berufsleben hinter sich hat. "Ich habe zwei ziemlich große Fusionen in der Wirtschaft begleitet", sagt der Mann, der zuletzt Konzernpersonalleiter bei Axel Springer und für 8000 Menschen zuständig war. "Er war Personalleiter in der Medien- und Pharmaindustrie, in Berlin, Dresden, Paris und Asien im Einsatz", fasst das Bistum zusammen.

Mit Anfang 40 kam Stenz ins Grübeln. Mit 18 hatte er die Überlegung, Priester zu werden, noch zugunsten der Vorstellung vom schönen Leben und Karriere beiseite geschoben. "Die Gottesbeziehung war aber immer ganz selbstverständlich", sagt Stenz. Als Jugendlicher habe ihn seine Tätigkeit als Kirchenmusiker bei der Stange gehalten. "Jugendliche müssen das Gefühl haben, gebraucht zu werden", lautet seine Überzeugung. So hat er es selbst erlebt. "Gut ist, dass wir nicht allein im Glauben sind." Das ist für ihn Sinn der Kirche. Das will er auch nach Kerken tragen. "Geduldig zuhören, sehen, was hinter den Verletzungen steckt", das sieht er in nächster Zeit als seine Aufgabe. "Ich sehe mich in der Rolle des Moderators."

Erst aber heißt es Abschied nehmen. Drei Jahre war er in der Pfarrei St. Johannes Oelde. "Man weiß die Geschichten zu den Gesichtern. Da ist es schwer loszulassen." Das steht auch Prießen bevor. Ab dem 26. August wird Arndt Thielen als Pfarrverwalter eingesetzt, am 25. November, am Christkönigssonntag, ist die offizielle Einführung von Stenz. Nachdem Prießen sich verabschiedet hat, wird Stenz nach Kerken ziehen. Das wird Ende August, Anfang September sein.

(RP)