Wachtendonk: Der Kampf um Integration

Wachtendonk: Der Kampf um Integration

Das Wankumer Ehepaar Posten hat seinen gehbehinderten Sohn auf eine Regelhauptschule geschickt. Ein Erfahrungsbericht über die Integration.

Die Grundidee ist nicht schlecht, doch es hapert an der Umsetzung. So bewerten Angela und Helmut Posten den Umstand, wonach laut einer UN-Konvention Schüler mit besonderem Förderbedarf die Chance haben müssen, auch Regelschulen zu besuchen (die RP berichtete). Das Ehepaar aus Wankum hat keine guten Erfahrungen damit gemacht, ihren Sohn Domenik auf eine Regelschule geschickt zu haben.

Schwierigkeiten prophezeit

Domenik ist gehbehindert. Am Ende der Grundschule standen die Postens vor der Wahl, welche weiterführende Schule der Junge besuchen sollte. "Schweren Herzens, aber bewusst", so Angela Posten, sei die Entscheidung für die normale Hauptschule gefallen. An der Uniklinik Münster, wo Domenik behandelt wurde, seien Schwierigkeiten prophezeit worden. In der westfälischen Stadt gibt es spezielle Schulen für den gemeinsamen Unterricht Behinderter und Nicht-Behinderter. Doch die kamen für die Wankumer ebenso wenig in Frage wie eine Schule in Krefeld (Angela Posten: "Da wäre es nur um Therapien gegangen") und eine Schule in St. Hubert, die mit 800 Schülern zu groß und zu der die Fahrt zu weit gewesen wäre.

Mit der Leitung der Hauptschule hat das Ehepaar vor dem Schulwechsel gesprochen und auf die Behinderung des Sohnes hingewiesen. "Mal sehen, wie's klappt", hieß es.

Doch es klappte immer schlechter. "In den letzten Jahren kann sich unser Sohn nicht mehr so gut einschätzen", berichtet Angela Posten. Außerdem wird der mittlerweile 15-Jährige, der die achte Klasse besucht, durch Beschwerden an der Hand eingeschränkt. Pubertätsprobleme kommen hinzu.

An der Qualität der Regelhauptschule haben die Postens nichts zu kritisieren. Sie sei sehr gut geführt. Nur: "Es fehlt an geschulten Lehrern", stellt Helmut Posten fest. Mindestens einer aus dem Kollegium müsse eine Zusatzqualifikation haben, um mit behinderten Schülern umgehen zu können. "Solche Kinder wie unser Sohn fallen eben auf", betont Angela Posten. Und Lehrer ohne entsprechende Zusatzausbildung brächten nicht die nötige Sensibilität auf, um solche Schüler richtig einzuschätzen.

Rückblickend bereuen Postens ihre Entscheidung. "Eine Förderschule wäre besser gewesen", vermuten sie. Voraussichtlich wird ihr Sohn die Schule nach der achten Klasse verlassen. Ein Test soll bald Klarheit über seine körperlichen Behinderungen und seine Fähigkeiten bringen. Die Postens werden für ihren Sohn, wie bisher schon, kämpfen müssen. Sie fordern mehr Geld für das Bildungswesen. Und in Sachen Integration könne Deutschland sich ein Beispiel an den Niederlanden nehmen.

(RP)