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Der Gemeinderat von Kerken hat über die Krefelder Straße diskutiert.

Neue Planung für Nieukerk : Kerkener Rat streitet über Krefelder Straße

Über Ideen, grundsätzliche Fragen, aber auch Details wurde in der Sitzung heiß diskutiert. Auch Anlieger meldeten sich zu Wort und äußerten Kritik. Der Nieukerker Werbering begrüßt das Vorhaben.

„Viele Köche verderben den Brei“, lautet ein Sprichwort. Doch nicht nur in der Küche können unterschiedliche Ansichten schon mal Schwierigkeiten bereiten. Die Meinungsvielfalt unter den Kerkener Ratsmitgliedern macht es Städteplaner Helmut Hardt nicht sonderlich leicht. Drei verschiedene Gestaltungskonzepte stellte der Geschäftsführer der Firma „StadtUmBau“ vor. Zwei der Modelle „Bogen und Baum“ sowie „Shared Space“ könnten – so auch der Wunsch im Antrag der CDU-Fraktion – miteinander kombiniert werden, informierte Hardt.

Konsens herrschte im Rat über die Verfahrensweise und den Willen zum baldigen Baubeginn. Das Bauvorhaben soll in Teilabschnitten mit mehrwöchigen oder -monatigen Baupausen realisiert werden. Je nachdem, wann es losgeht, soll das Weihnachtsgeschäft 2020 im Einzelhandelsbereich nicht durch eine Baustelle negativ beeinträchtigt werden. Dies war auch die Bitte des Nieukerker Werbering-Vorsitzenden Harald Giese, der die Bauvorhaben begrüßte. Die Fraktionen werden sich nun über die Kosten genauer beraten und für sich entscheiden, welche Teilbereiche man möglicherweise außen vorlassen sollte. Auch wurde die Verwaltung vom Rat beauftragt, sich über die Rechtslage eines historischen Straßenverlaufs kundig zu machen.

Sorgen bereitet nämlich so manchem Ratsmitglied wie dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Rainer Hufschmidt die Kostenexplosion im Hoch- und Tiefbau. Hufschmidt möchte aus Kostengründen zunächst die Umgestaltung der noch im „hervorragenden Zustand“ befindlichen Friedensstraße ausklammern und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt angehen.

Dieser Vorschlag stößt bei der BVK, in persona Bernhard Rembarz, auf Widerstand. Für den BVK-Fraktionsvorsitzenden ist die Herstellung eines Platzcharakters in der Nieukerker Ortsmitte nur mit einer Umgestaltung der Friedensstraße realisierbar. Bei der SPD gibt es Stimmen, die alle drei Gestaltungsvarianten ablehnen. Dass SPD-Frau Ellen Westerhoff kein Fan der drei vorgestellten Modelle ist, hat sie bereits in vergangenen Sitzungen kundgetan. Für sie ginge im Falle der Projektrealisierung der historische und individuelle Charakter des Nieukerker Ortskerns verloren. „Ich verstehe nicht, warum man meint, hier würde ständig gerast werden“, entgegnet sie zudem der Argumentation der Notwendigkeit einer verkehrsberuhigten Ortsmitte.

Die Planungen sehen nämlich Schrittgeschwindigkeit für die relativ viel befahrenen Krefelder Straße vor. Städteplaner Hardt findet es im Gegensatz zu Westerhoff durchaus legitim, auch neue Facetten einem Ortskern hinzuzufügen. Es gäbe sogar einige Städte, die gänzlich neue Platzstrukturen in ihrer Städteplanung integrieren.

Die Bürgerbeteiligung war mit 20 Zuschauern bei der Ratssitzung im Adlersaal hoch. Eine Anliegerin kritisierte die Idee, dass auf der Ostseite der Friedensstraße in den Vorhaben Bäume gepflanzt werden sollen. Die Schaufenster der Ladenlokale seien in dem Fall schlechter sichtbar und dies sei wiederum tendenziell geschäftsschädigend. Städteplaner Hardt erklärte: „Man kann auch nur alle zwei Stellplätze einen Baum setzen.“ Zudem würden auch Bäume gewählt, bei denen erst jenseits der Zwei-Meter-Marke die Baumkronen beginnt.