Geldern: Der "Fahrrad-Point" lockt die Kunden

Geldern: Der "Fahrrad-Point" lockt die Kunden

Die Lebenshilfe hat "Zweirad Aßmann" an der Venloer Straße in Pont übernommen. Alle Ansprüche, die Kunden an das alteingesessene Geschäft hatten, bleiben erhalten. Es sollen weitere gute Jobs für Menschen mit Behinderung entstehen.

Der erste Monat mit dem "neuen", alten Fahrradladen in Pont ist fast rum. "Die ersten Erfahrungen waren bisher durchweg positiv", erzählt der neue Chef Ralf Hahn von der Lebenshilfe. Viele Leute sagten, dass sie es toll finden, dass es die Anlaufstelle in Pont weiter gibt - und dass er Jobs für Menschen mit Behinderung bietet.

Die Lebenshilfe Gelderland hat das alteingesessene Fachgeschäft "Zweirad Aßmann" an der Venloer Straße Anfang Januar übernommen. "Fahrrad-Point" heißt es jetzt. Das neue Logo erlaubt sich ein Wortspiel mit den Begriffen "Point" (Punkt) und "Pont".

Was für die Kunden am wichtigsten sein dürfte: Alle Leistungen, die ihnen bei Aßmann noch zustanden - Garantien, Gutscheine, Inspektionen und sonstige Extra-Leistungen - sind vollständig übernommen worden. Alle Ansprüche bleiben unangetastet erhalten.

Was für die Lebenshilfe wichtig ist: "Hier haben wir das Potenzial, wieder Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen", sagt Ralf Hahn. So, wie es bei der "Fahrradstation" im Gelderner Bahnhof vorgemacht wurde.

Ralf Hahn ist Geschäftsführer der Lebenshilfe-Gesellschaft, die im April 2016 eigens zur Eröffnung der Fahrradstation gegründet wurde und die nun auch das Geschäft in Pont übernimmt. Mit der Radstation am Bahnhof hat man gute Erfahrungen gemacht, das Geschäft schien ausbaufähig, und der Platz wurde knapp. "Im Bereich des Bahnhofs haben wir nur wenig Verkaufsfläche", erklärt Hahn. Den Kunden können da nicht viele Modelle präsentiert werden. Fazit: "Ein weiteres Standbein im Bereich Fahrrad wäre auf jeden Fall gut." So traf es sich für die Lebenshilfe gut, als sie im Spätsommer 2017 erfuhr, dass die Firma Aßmann einen Nachfolger suchen wollte. Ein wichtiges Ziel der Lebenshilfe: "Schnelle Reparaturzeiten", so Hahn. "Unser Bestreben ist, den Kunden ein Fahrrad nach spätestens drei Tagen wieder übergeben zu können." Außerdem sollen die Filialen am Bahnhof und in Pont kooperieren. Die Inspektion eines in Pont gekauften Rades beispielsweise könnte in der Stadtmitte erledigt werden, und so weiter. Die Öffnungszeiten in Pont bleiben erst einmal die alten, könnten aber auf lange Sicht verändert werden, falls sich zeigen sollte, dass das aus irgendeinem Grund sinnvoll sei.

  • Geistlicher vor dem Ruhestand : Priester mit vielen Gesichtern

Ralf Hahn hofft auf gute Personalentwicklung in Pont, wenn das Geschäft erstmal angelaufen ist. "Ich könnte mir für 2018 noch ein bis zwei Arbeitsplätze hier vorstellen im Service und im Verkauf", stellt er fest. Die Stellen in den Fahrradläden der Lebenshilfe sind ganz normale Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie sind sozialversicherungspflichtig, die Verträge sind unbefristet. Gezahlt wird Mindestlohn oder Tariflohn. Und die Mindest-Quote für Integrationsunternehmen von Mitarbeitern mit Handicap wird übertroffen.

Derzeit arbeiten neben Hahn selbst noch drei weitere Kollegen in Pont. Zwei davon haben eine körperliche oder geistige Behinderung. Der dritte wurde zu den unveränderten Konditionen von Fahrrad Aßmann übernommen. Ein zweiter früherer Aßmann-Fahrradprofi ist in den benachbarten Metallbaubetrieb der Firma gewechselt. "Es ist kein Mitarbeiter der Firma Aßmann in die Arbeitslosigkeit geschickt worden", bekräftigt Hahn.

Peter Aßmann, Chef des Metallbauunternehmens, ist froh über die Lebenshilfe als Nachfolgerin für die Fahrrad-Sparte des Familienbetriebs. Zweirad Aßmann gab es immerhin 90 Jahre lang, "insofern ist das auch nicht so ganz emotionslos", sagte er. Aber der Fahrradladen war immer ein kleiner Zweig neben dem großen Hauptgeschäft: Metallbau und Blechbearbeitung, Land- und Gartenbautechnik. Es war für Aßmann ein unternehmerischer Entschluss, sich auf das Hauptgeschäft zu konzentrieren und sich vom Einzelhandel zu trennen.

Dennoch: Er hätte es doch nicht übers Herz gebracht, wenn die Rahmenbedingungen nicht gestimmt hätten, betont Peter Aßmann. "Es war mir sehr wichtig, dass unsere Kunden weiter gut bedient werden und keine Ansprüche verfallen, für die wir garantiert haben."

(RP)
Mehr von RP ONLINE