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Der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins ist in Geldern gestorben.

Nachruf auf Heinz Bosch aus Geldern : Mensch gewordene Stadtgeschichte

Mit 91 Jahren ist Heinz Bosch, der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, gestorben. Mit ihm verliert nicht nur der Verein, sondern auch die Stadt eine bedeutende Persönlichkeit.

Wann immer der Verfasser dieser Zeilen Heinz Bosch, einen seiner ehemaligen Lehrer, durch Geldern radeln sah, dachte er: „In diesem hohen Alter so fit zu sein, das wäre schön.“ Tief betroffen wie viele Menschen – nicht nur in Geldern – vernahm der Autor nun die Nachricht: Heinz Bosch ist tot. Der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend starb am Samstag im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls, in den er einen Tag zuvor verwickelt war.

Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins, würdigte den Verstorbenen. Mit Bosch verlören der Verein, die Stiftung von Haus Ingenray, aber auch die Stadt Geldern eine bedeutende Persönlichkeit. „Wir alle haben ihm sehr viel zu verdanken.“

Intensiv hat Heinz Bosch sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt Geldern beschäftigt, vor allem war er selbst ein wichtiger Zeitzeuge, ein Stück Mensch gewordene Stadtgeschichte. Niemand konnte so eindrücklich wie er an den 14. Februar 1945 erinnern. Er war damals 15, und er musste erleben, wie Geldern an jenem Aschermittwoch in Schutt und Asche gelegt wurde. Die ersten Bomben detonierten an der Egmondstraße, am Issumer Tor und am Nordwall. Bosch, seit September 1944 als Melder eingesetzt, sieht die Bomber von der Plattform des Mühlenturms aus anfliegen und bringt sich mit der übrigen Turmbesatzung ganz unten im mittelalterlichen Bauwerk hinter zwei Meter dicken Mauern in Sicherheit. „Wir hörten den Lärm der Motoren und das Pfeifen der Bomben“, erinnerte er sich. Als er wieder oben auf dem Turm steht, sieht er, wie Geldern brennt. Das Feuerwehrhaus am Nordwall ist zerstört, die Feuerwehrleute, die in einem Bunker Schutz gesucht hatten, sind nach einem Volltreffer tot. Der 15-Jährige fährt mit dem Fahrrad nach Nieukerk, gerät unter Beschuss und erreicht am Ende, das die Krefelder Berufsfeuerwehr nach Geldern kommt und Löscharbeiten in der fast völlig zerstörten Stadt aufnimmt. Ein prägendes Ereignis für den jungen Heinz Bosch.

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Am 6. August 1929 wurde er in Geldern, Ostwall 53, geboren. „Damals ging man noch nicht ins Krankenhaus“, sagte Bosch im August 2019, kurz vor seinem 90. Geburtstag. Damals erklärte er auch gleich einmal den Unterschied zwischen einem Gelrianer und einem Gelderner. Gelrianer, das sind die, die in Geldern geboren sind, Gelderner, alle anderen. „Ich fühle mich als Gelrianer“, sagte Bosch stolz. Er war stolz auf seine Stadt, schon seit seiner Kindheit. „Nach seinem Studium (Geschichte, Erdkunde, Sport) widmete er sich neben seinem Lehrerberuf mit außergewöhnlicher Energie dem Erforschen und Beschreiben der Geschichte Gelderns. Neben den vielen Publikationen verfügte er über ein eindrucksvolles Fotoarchiv, denn alle Veränderungen im Nachkriegs-Geldern hat er festgehalten.

Vor seinem Status als  Ehrenvorsitzender des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend  war er von 1986 bis 2002 dessen Vorsitzender. 1450 Mitglieder zählen sich zu dem Verein. „In seiner Zeit als Vorsitzender ist der zu einem mitgliederstarken Verein geworden“, sagte Halmanns im August  über Bosch. Der gehörte  auch zum Redaktionsausschuss für den Geldrischen Heimatkalender. Sein Engagement wurde ihm unter anderem mit dem Rheinlandtaler und dem Bundesverdienstkreuz gedankt.

Politisch war Bosch nie aktiv. Doch als der Markt bebaut werden sollte, als geplant war, die freie Sicht auf die Pfarrkirche durch einen Riegel am Kleinen Markt zu nehmen, stand Bosch in erster Reihe der Bewegung „Anti-Nordwand“. Am Ende entschieden 1995 die Bürger – gegen die Pläne von Rat und Verwaltung und im Sinne der Protestbewegung. „Das war das erste Plebiszit im Land. Und wir hatten viel Zustimmung, obwohl uns wirklich viele Steine in den Weg gelegt wurden“, erinnerte er sich kurz vor seinem 90. Geburtstag. Bosch hatte Anteil daran, dass nun ein massives Relief am Markt an das alte Geldern erinnert.

Sport spielte nicht nur im Beruf von Heinz Bosch eine große Rolle. In seiner Jugend hat er in der ersten Mannschaft von TuS Gelria gespielt. In den 60er Jahre war er ihr Trainer und hat sie zum ersten Mal in die Landesliga geführt. Bis zuletzt fuhr er gerne Fahrrad, und als das Hallenbad geöffnet war, zog er frühmorgens seine Bahnen dort.