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Der Deutsche Teckelklub veranstaltet eine Dackelwallfahrt nach Kevelaer

Wallfahrt nach Kevelaer : Gesegnet sei der Dackel

Am Niederrhein gibt es eine eigene Wallfahrt für Dackel. Die Tierfreunde vom Teckelclub Geldern erzählen, wie es zu der Idee kam und warum gerade diese Vierbeiner den Gottessegen verdient haben.

„Alles für den Dackel, alles für den Klub“, diesen Satz aus der Comedy-Serie Hausmeister Krause hat man schon so oft gehört, dass man eigentlich nur noch müde lächelnd auf ihn reagieren kann. Und trotzdem liegt in diesem Spruch gerade für die folgende Geschichte ein großer Funken Wahrheit. Denn am Niederrhein kommt dem Dackel ein besonderes Schmankerl zu: Er bekommt den Segen Gottes.

Wenn sich im Herbst wieder zahlreiche Hunde und ihre Herrchen auf den Weg nach Kevelaer machen, dann ist Dackelwallfahrt des Deutschen Teckelklubs (DTK) am Niederrhein. Während der Prozession hält die Gruppe mehrfach für Gebete an und endet schließlich am Arche-Noah-Brunnen. Hier segnet ein Pater Hund und Herrchen mit einem hölzernen Franziskuskreuz.

Die Idee zu einer Wallfahrt für Dackel stammt von Rosemarie Neuhoven. „Ich bin ein gläubiger Mensch, und eines Nachts kam mir die Idee: Wir machen eine Wallfahrt mit unseren Dackeln.“ Von denen hat Neuhoven direkt zwei: Rauhaardackel Donna von Tendering und Ole von Dinklage – beide mit einem eigenen Stammbaum, herrschaftlich anmutenden Namen und allesamt Mitglied im Teckelklub Geldern.

Zu Beginn veranstaltete die 73-Jährige die Wallfahrten selbst, schnitzte sogar ein eigenes Wallfahrtskreuz. Schließlich wurde die Wallfahrt so groß, dass die Organisation vor elf Jahren von der Gruppe Niederrhein übernommen wurde.

Fiene vom Nebelstein (links), Pina von Angersbachufer und Donna von Tendering sitzen herrschaftlich auf der Wiese. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Wer das Ganze für eine neumodische Idee hält, der irrt. Tatsächlich sind Tiersegnungen ein alter Brauch – es wurden früher vor allem Nutztiere wie Pferde, Vieh und Bienen unter den Segen Gottes gestellt. Sie werden heutzutage von den Haustieren abgelöst.

„Unsere Hunde stehen uns sehr nahe, und deshalb lassen wir sie auch segnen“, sagt Dorothee Rosendahl vom DTK-Niederrhein. Besonders für alte Menschen sei das Haustier oftmals ein Partnerersatz, und die Besitzer würden sich eben um das tierische Leben sorgen. Die Wallfahrt finde vor allem unter sozialen Gesichtspunkten statt und stärke die Bindung zwischen Mensch und Tier.

Wolfgang Kuhn (l.), Rosemarie Neuhoven und Manfred Duschek mit Fiene vom Nebelstein (l.), Donna von Tendering und Pina von Angersbachufer. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der Ortsverein in Geldern hat rund 35 Mitglieder, und Wolfgang Kuhn ist sein Vorsitzender. Der 74-Jährige blickt auf 40 Jahre Vereinsmitgliedschaft zurück, trägt einen Pulli mit aufgesticktem Dackel, eine Kappe mit Dackelansteckern. Und er hält eine schwarz-rote Langhaarhündin an der Leine: Fiene vom Nebelstein. „Sie ist die laufende Nummer elf in der Reihe unserer Dackel“, erzählt Kuhn. Sein erster Hund lag vor 50 Jahren unter dem Weihnachtsbaum, seither begleitet Kuhn ein Dackel. „Manche meinen, dass die Tiere oft falsch seien und hinterlistig schnappen“, sagt Kuhn. Er habe andere Erfahrungen gemacht: „super Familienhund“, „sozial verträglich“, durchaus „eigensinnig“, aber das zurecht. „Ein Dackel ist ein Jagdhund, und wenn er in einen Fuchsbau geht, dann muss er dort auch eigene Entscheidungen treffen.“

Im Verein werden die Tiere erzogen und können in den deutschlandweit 300 Gruppen auch Prüfungen zum Begleithund oder für die Jagd ablegen. „Donna hatte große Jagdambitionen“, sagt Rosemarie Neuhoven. Inzwischen ist die Hündin mit ihren 14 Jahren ein wenig gemütlicher geworden. Dackel werden bis zu 16 Jahre alt. Doch obwohl die Hundedame so betagt ist, schafft sie es noch über den Hindernisparcours. Nach dem Training gibt es Leckerchen und Freispiel. Wenn man den Vierbeinern so beim Tollen auf der Wiese zuschaut, kann man den liebevollen Blick der Besitzer verstehen. Der Dackel mit seinen kleinen Beinchen, Knopfaugen und allein die Tatsache, dass er aus dem Englischen übersetzt Wursthund heißt, machen ihn schon zu einem außergewöhnlich possierlichem Vierbeiner. In diesem Sinne: Alles für den Dackel – auch Gottes Segen.