Das Tiefkühlunternehmen Bofrost aus Straelen legt Jahresbilanz vor.

Tiefkühlunternehmen in Straelen : „Herausforderndes Jahr“ für Bofrost

Der Umsatz des Straelener Tiefkühlunternehmens ist im vergangenen Wirtschaftsjahr leicht gesunken. Ein Grund: Es wird immer schwieriger, qualifizierte Verkaufsfahrer zu finden. Die Bedeutung von E-Commerce nimmt zu.

Mitten im Hochsommer bereitet man bei Bofrost das Sortiment für den Herbst und den Winter vor. „Wir wissen schon, was es Weihnachten gibt“, sagt Andrea Becker, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Straelener Tiefkühlspezialisten. Gänsekeule, aber zum Beispiel auch Lachs mit Ahornsirup und Rauchsalz sollen bei den Kunden das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Wenn sie es denn pünktlich bekommen. Denn Bofrost fehlen Verkaufsfahrer. „Es sind keine Leute zu kriegen, es gibt nach wie vor keine Entspannung“, berichtet Matthias van der Donk, Bereichsleiter Corporate Marketing/Communication/Strategy. In einigen Regionen mit Vollbeschäftigung, beispielsweise in Süddeutschland, sei es äußerst schwierig, neue Kollegen für Bofrost zu gewinnen. Vor allem das Wachstum des deutschen Marktes wird durch die mangelnde Verfügbarkeit qualifizierter Verkaufsfahrer ausgebremst.

Das und der verschärfte Wettbewerb im Einzelhandel sind Gründe dafür, dass Bofrost auf ein „herausforderndes Wirtschaftsjahr 2018/19“ mit einem leicht rückläufigen Gesamtumsatz von 1,24 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,26 Milliarden Euro) zurückblickt.

Die IT-Infrastruktur und die Vertriebsprozesse sollen optimiert werden als Grundlage für eine stabile Weiterentwicklung. Laut van der Donk wird das Modell des personengestützten Direktvertriebs weiter gestärkt. Daneben aber werden auch ergänzende Kommunikations- und Vertriebskanäle genutzt. E-Commerce kommt dabei immer mehr Bedeutung zu. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der Bestellungen dort verdoppelt. Die Marke von 600.000 ist erreicht. Nach Umsatz rangiert Bofrost unter den Lebensmittel-Onlineshops in Deutschland auf Platz neun. Grenzen des Wachstums sieht van der Donk bei der Kombination Online-Bestellung und Lieferung durch die Fahrer nicht.

Das sieht bei der flächenmäßigen Expansion in vielen europäischen Ländern anders aus. In Italien und Österreich etwa, zwei seit Jahren stetig wachsenden Märkten, ist Bofrost flächendeckend vertreten. Wachstumschancen ergeben sich allerdings noch in Frankreich und Spanien.

Ein neues Vertriebsmodell hat Bofrost mit „Tasty Table“ eingeführt. Die ersten Partner, so genannte „Genuss-Coaches“, nehmen laut van der Donk ihre Arbeit in den Testmärkten Deutschland und Österreich, hier vor allem Wien, auf. Vor allem jüngere Zielgruppen sollen mit dieser Startup-Initiative im Bereich „Social Selling“ angesprochen werden. Die selbstständigen Genuss-Coaches, bis Ende des Jahres sollen es 1500 sein, können dabei selbst bestimmen, wie intensiv sie ihr Business betreiben wollen. Sie verkaufen die Bofrost-Produkte über personalisierte Online-Shops an ihre „Follower“.

An die Haustür wird die bestellte Ware dann durch die Verkaufsfahrer gebracht. Fahrer, die Bofrost auch über soziale Medien anwirbt.

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