Das Theaterstück Grenzvolk kommt in Walbeck zu neuen Ehren

Kultur im Spargeldorf Walbeck : „Grenzvolk“ erinnert an Walbecks Geschichte

Der Heimat-Roman erschien 1929 erstmalig. 1949 wurde er als Theaterstück aufgeführt. Samstag ist die Neuauflage zu sehen.

Am Wochenende wird in Walbeck das traditionelle Spargel- und Dorffest gefeiert, darin eingebunden ist in diesem Jahr auch wieder das „Schmugglerspektakel“. Der Ort präsentiert sich dabei im Ambiente eines Grenzdorfes der 1920er Jahre. Besucher treffen bei ihrem Rundgang durch die Straßen unter anderem auf diverse Gaunergestalten – allen voran Schmugglerkönig Att –, patrouillierende Grenzbeamte in ihren historischen Uniformen, allerhand arbeitendes und sich belustigendes Volk, den Dorfpfarrer, der, besorgt um seine „Schäfchen“, seine Runden dreht und den Nachtwärter, der lauthals Neuigkeiten aus dem Dorf verkündet. Ein absolutes Highlight findet auf dem Schulhof statt. Zur Aufführung gelangt „Grenzvolk“, ein Theaterstück nach dem gleichnamigen Roman von Jakob Schopmans (1892-1977), Walbecks Heimat und Mundartdichter.

Der Heimat-Roman „Grenzvolk“ erschien 1929 erstmalig als Tagesfeuilleton in der „Niederrheinischen Tageszeitung“ und hat bei den damaligen Lesern eine begeisterte Aufnahme gefunden, davon künden zahlreiche, zum Teil humorige Leserzuschriften. So zum Beispiel die folgende: Ein Ehemann gab seiner Freude Ausdruck, dass der Roman, so interessant er auch sei, nun doch endlich zum Schluss gekommen sei. Das Weibervolk in seinem Haus habe für nichts anderes mehr Auge und Ohr gehabt. Wiederholt habe er angebrannte dicke Bohnen zum Mittagessen bekommen. Noch im gleichem Jahr wurde der Roman vom Verlag Schaffrath in Geldern verlegt, eine zweite Auflage erschien 1939, und eine Neuausgabe kam 2012 auf den Markt.

Helmut Schopmans, seit 1949 2. Vorsitzender des Theatervereins „Gemütlichkeit“ Walbeck und Mitglied des Spielausschusses, hat noch im gleichen Jahr, 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung, „Grenzvolk“ zu einem Schmugglerdrama in fünf Akten umgearbeitet. Im Herbst des Jahres stellte er sein Erstlingswerk dem Spielausschuss vor und fand dessen Zustimmung. Die Proben begannen, die Uraufführung wurde für den 2. Weihnachtstag terminiert. Und schon bald drang einiges an die Öffentlichkeit, alle waren gespannt auf das neue Stück. Als dann in der „Rheinischen Post“ die Aufführung des Stückes angekündigt wurde, waren die Eintrittskarten zum Preis von einer DM im Nu vergriffen, die Kartennachfrage aber hielt an. Und so kam es, wie es kommen musste: Am Premierenabend reichten die 500 Sitzplätze bei weitem nicht aus, weitere 100 Besucher drängten sich in den Saal der „Friedenseiche“, einige hatten Stühle von zuhause mitgebracht, andere saßen auf den Fensterbänken. Über vier Stunden erstreckte sich das Drama. Gespannt und innerlich gerührt verfolgten die Besucher das Geschehen auf der Bühne, erlebten das anfängliche Liebesglück des Dores von Dorenkamp, nahmen Anteil am tragischen Schicksal seiner Frau Annemarie und verfolgten gespannt das wilde Treiben in der Schmugglerhütte des „krummen Grades“.

Das Programm galt als Eintrittskarte für die Premiere 1949. Foto: Schopmans

Von einem Spiel konnte eigentlich nicht die Rede sein, jede Rolle wurde förmlich gelebt, und mancher Zuschauer wird an die Zeit zurückgedacht haben, wo er selbst noch mit dem Pömmel auf dem Rücken von der Grenze kam und froh war, wenn ihn die Grünröcke nicht dabei erwischten.

Insgesamt sieben Vorstellungen gab es im Theatersaal Lamers, dann ging der Verein mit dem Stück auf Tournee. Die Bühnenbilder – das Forsthaus des Dores van Dorenkamp, die Schmugglerkneipe „Zum krummen Grades“ und die Tannenschonung, in der „Schmuggeldores“ sein Leben aushaucht – wurden auf einen Lkw verladen, und los ging es. Am Ende der Tournee hatten in drei Monaten 6700 Zuschauer in insgesamt 13 Aufführungen das Stück gesehen. Es war der größte Erfolg in der Geschichte des Walbecker Theatervereins.

 70 Jahre nach der Erstaufführung kommt nun das Theaterstück wieder zurück auf die Walbecker Bühne. Es könnte keinen besseren Rahmen finden, als beim Schmugglerspektakel eingebettet zu sein. Die Initiative ging vom Walbecker Bäderverein aus, der dieses Stück ursprünglich am Freibad zur Aufführung kommen lassen wollte, dies nun aber aufgrund des Johannes-Oerding-Konzerts ins Dorf verlegt hat.

Es ist keine Laienaufführung, fünf Schauspieler, die je zwei Rollen besetzen, werden auf der Bühne stehen. Eine Änderung gibt es beim Titel, statt „Grenzvolk“ heißt es am Samstag um 17 Uhr auf der großen Bühne am Schulhof „Grenze, Grips und viel Genever“.

Bereits am heutigen Freitag gibt es eine öffentliche Generalprobe, für beide Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

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