Straelen: Das schwere Los des Schreibers

Straelen: Das schwere Los des Schreibers

Drei Monate hat Akos Doma intensiv Zeit, sich dem Buch von László F. Földényi, "Lob der Melancholie", zu widmen. Der Übersetzer schreibt aber auch selbst und erntete dafür eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis.

So ein Buch, wie Akos Doma es in den Händen hält, hat ziemlich viele Seiten. Auf den Seiten ist jede Menge Platz für Wörter. Akos Doma weiß die Seiten zu füllen, denn das ist sein Beruf. Der gebürtige Ungar schreibt, auch seine eigene Geschichte, und das brachte ihm eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis ein.

Aktuell ist er aber mit einer ganz anderen Tätigkeit beschäftigt. So ganz anders ist sie vielleicht auch wieder nicht, es hat mit Schreiben zu tun. Aber statt seine eigenen Gedanken zu Papier zu bringen, "hakt" er sich in die eines anderen ein.

Akos Doma ist Autor und Übersetzer, auch wenn er auf seinem Lebensweg eher zufällig über diese Disziplin des Wortakrobatismus gestolpert ist. "Es wurde an mich herangetragen, Peter Nadasch zu übersetzen", beginnt seine Geschichte des Übersetzer-Werdens. "Peter Nadasch, so ein Nobelpreiskandidat", erklärt Akos Doma. Vielleicht sei er am meisten selbst davon überrascht gewesen, dass alle mit seiner Übersetzung ins Deutsche zufrieden waren.

Das war der Anfang. Drei Monate lang wird ihn das Übersetzer-Dasein wieder gefangen nehmen. Für seine Zeit als "Translator in Residence" im Europäischen Übersetzerkollegium (EÜK) in Straelen hat er sich das Buch des Philosophen und Essayisten László F. Földényi vorgenommen. Es heißt: "Lob der Melancholie".

"Földényi untersucht das Phänomen Melancholie anhand von Literatur, Film, Architektur, es ist sehr umfassend", erklärt Akos Doma. Kein sehr fröhliches Thema, oder? Der Übersetzer überlegt kurz. "Eigentlich schon, denn Melancholie ist eine Lebenshaltung, das hat für mich nichts Negatives." Und vor allem habe es nichts mit Depression zu tun.

Wie macht man das aber nun, die Gedanken eines anderen zu nehmen und in eine andere Sprache zu transferieren? Muss man den anderen, den Schreiber, dafür nicht kennen? Der Übersetzer schüttelt energisch den Kopf. "In einem guten Text ist alles drin", lautet seine Überzeugung.

Der Text spreche für sich selbst. "Die Herausforderung als Übersetzer besteht aus meiner Sicht darin, dieses Vorgegebene auf allen Ebenen genau zu übertragen. Das bedeutet, nicht nur das richtige Wort zu wählen, der Ton muss stimmen, es sind oft so kleine Nuancen, die im Text mitschwingen." Zum Beispiel subtile Ironie.

Das Europäische Übersetzerkollegium liefere ihm fürs Arbeiten die optimale Umgebung. "Es ist ein Fluidum, ein Biotop, wo ich mich wahnsinnig wohl fühle", sagt Akos Domas. "Die ganzen Bücher, die intensive Arbeitsatmosphäre, es inspiriert, wenn alle dasselbe machen", sagt er über das Arbeiten in Straelen. Wenn er nicht übersetzt, schreibt er selbst. Sein Roman, der für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, heißt "Weg der Wünsche". Es erzählt von einer Familie auf der Flucht aus Ungarn. Die Geschichte trägt autobiografische Züge. "Diese unbeabsichtigte Aktualität hat sicher schon mitgespielt", sagt er zu der Nominierung und dem Thema Flucht. Es liege ihm aber ferne, auf Aktualität hin zu schreiben. Die Geschichte, seine Geschichte, war ja schon immer da. Das Grenzgängerstipendium der Robert-Bosch-Stiftung gab den entscheidenden Anstoß, die Gedanken zu Papier zu bringen. Angereichert mit Fiktion wurde daraus sein Buch. "Es ist immer eine Mischung aus Fiktion und Erlebtem", sagt er über das, was sich in seinen Büchern niederschlägt. "Der Weg der Wünsche" ist nicht sein erstes Werk.

Sein Debüt war "Der Müßiggänger", ein Studentenroman, der in München spielt. Beim nächsten Roman, "Die allgemeine Tauglichkeit", spielen vier Außenseiter die Hauptrolle, die als Aussteiger die Gegend unsicher machen. "Eine Komödie", sagt Akos Doma, der sich immer bemüht, anders zu schreiben. "Obwohl, eigentlich sind bei mir permanent Leute auf der Flucht, aber immer aus anderen Gründen." Und: "Schreiben ist schon ein schweres Geschäft", sagt der Autor. Es müsse sich eine gewisse Sicherheit im Kopf ergeben. Die stelle sich im Laufe der Zeit ein, oder auch nicht, dann müsse man es lassen, die Sache mit dem Schreiben. Aber das wäre schade, dann blieben viele Worte ungeschrieben.

(RP)