Reit-AG in Geldern: Das Pferd, mein Partner

Reit-AG in Geldern: Das Pferd, mein Partner

Die Kinder der Realschule an der Fleuth verlegen den Unterricht einmal die Woche in den Stall. Vor allem Schüler, die vorher keinen Bezug zu den Tieren hatten, lernen in der AG mehr als Reiten.

Für Miri ist Mittwoch der schönste Tag der Woche, denn den verbringt sie am Stall. Die Pferde putzen, satteln, reiten ist für die 13-Jährige eines ihrer liebsten Hobbys. Dazu gekommen ist sie über die Schule: Die Realschule an der Fleuth bietet nämlich eine einzigartige Reit-AG an.

Die Lehrerinnen Anke Beckers und Ulla Heimer-Stahl haben die Gruppe gegründet und leiten sie jede Woche. „Wir sind selbst Reiterinnen, und aus einer groben Idee ist dann die AG entstanden“, sagt Anke Beckers. Seit neun Jahren gibt es die AG nun schon, vier davon haben sie auf dem Reiterhof am Nierspark von Daniela Rothenburger verbracht. Jeden Mittwoch sind die Lehrerinnen mit den Schülern vor Ort, offiziell eineinhalb Stunden. „Aber wir sind immer früher hier und bleiben länger“, sagt Beckers.

Mitmachen können Kinder ab der sechsten Klasse. „Eigentlich ist die AG Kindern vorbehalten, die privat nicht reiten“, sagt die Lehrerin. Es sollen vor allem die Kinder einen Bezug zu den Tieren bekommen, die vorher noch nie im Sattel gesessen haben. Aber auch Schüler mit einer Lernbehinderung, Autismus oder sozialen Auffälligkeiten können mitmachen. „Es ist keine Gruppe für Kinder mit Behinderung, aber es ist geeignet für alle, egal welche Fähigkeiten die Schüler mitbringen“, sagt Beckers. „Das Pferd, mein Partner, das wollen wir ihnen beibringen.“ Dazu gehört natürlich nicht nur das Reiten selbst, sondern auch das Saubermachen der Tiere, Pferdeäpfel aufsammeln, Stall ausmisten.

Einmal im Jahr vor den Sommerferien verlegen die Lehrerinnen sogar die Projektwoche in den Stall. Den ganzen Tag äppeln sie die Wiesen ab, putzen das Sattelzeug, backen Pferdeleckerli und lernen auch Theoretisches. „Dann haben wir immer 30 bis 40 Kinder hier, die alle mitmachen wollen“, sagt Beckers.

Daniela Rothenburger, die Besitzerin des Stalls, ist selbst Lehrerin und hat sich auf Reitpädagogik spezialisiert. Ihr ist es wichtig, den Kindern der Realschule die Chance zum Reiten zu geben. Darum kostet jeder AG-Tag für die Schüler nur fünf Euro. Dafür verbringen sie den Nachmittag am Stall und reiten etwa 15 Minuten. Den Rest übernimmt der Förderverein der Schule.

Auch wenn die Schüler immer nur eine Viertelstunde auf dem Pferd sitzen, haben sie schon einiges gelernt. „Wir haben auch schon richtige Talente entdeckt.“ Zum Beispiel Nils, aktuell der einzige Junge in der AG. Seit einem Jahr ist der 13-Jährige dabei und fühlt sich auf dem Rücken der Pferde wohl. Beim Voltigieren zeigt er richtige Kunststücke auf dem Pferd, kann sogar darauf stehen. Und auch Miri, die über die AG zum Reiten gefunden hat, kommt nun mehrmals die Woche zum Stall.

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