Kerken: Das Mittelalter am Niederrhein

Kerken: Das Mittelalter am Niederrhein

Der Historische Verein veröffentlicht die Gewinnerbeiträge des Karl-Heinz-Tekath-Förderpreises als Buch.

Die bedeutende Rolle von Geldern in der mittelalterlichen Weltpolitik verdeutlicht die Vermittlerrolle, die Graf Reinald II. von Geldern um 1337 bei den Bündnisverhandlungen zwischen dem römisch-deutschen Kaiser und dem englischen König spielte. Intensiv damit beschäftigt hat sich Ronja Hochstrat aus Kevelaer. Ihre Bachelorarbeit wurde im vergangenen Jahr mit dem Karl-Heinz-Tekath-Förderpreis ausgezeichnet. Jetzt kann man auch nachlesen, was sie über Reinald II., der 1339 von Ludwig IV. zum Herzog und Reichsfürsten erhoben wurde, herausgefunden hat. In einem kleinen Buch, herausgegeben von Gerd Halmanns und Beate Sturm, veröffentlichte der Historische Verein die Arbeiten der Preisträger.

Der zweite Beitrag in dem Buch ist die von Hartwig Kersken stammende Studie "Zwischen Glaube und Welt. Studien zur Geschichte der religiösen Frauengemeinschaft Thorn von der Gründung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts". Seine Dissertation an der Universität Duisburg-Essen widmet sich der hoch- und spätmittelalterlichen Entwicklung des Thorner Frauenstifts, behandelt alle für Thorn konstitutiven verfassungsrechtlichen, politischen und ständischen Fragestellungen und setzt sich mit dem Forschungsstand auseinander. Das Thorner Stift vermochte in der frühen Neuzeit eine eigene reichunmittelbare Landesherrschaft in Konkurrenz mit den Absichten seiner Vögte, der Grafen von Geldern, durchzusetzen. Aber nicht nur darin ist ein Bezug zum Niederrhein gegeben, sondern auch in den Parallelitäten der Stifter Elten und Thorn. Kersken stammt aus Alpen, er besuchte das Lise-Meitner-Gymnasium in Geldern. Ronja Hochstrat war als Absolventin des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums 2012 als eine der besten Abiturientinnen der Region im Fach Geschichte ausgezeichnet worden.

Kersken war gestern bei der Vorstellung des Buches im Haus Lawaczek nicht dabei - mit bester Entschuldigung. Er ist gerade Vater geworden. Sonja Hochstrat, die mittlerweile von der Universität in Heidelberg nach Berlin gewechselt ist und dort ihre Masterarbeit schreiben wird, berichtet, dass sie hofft, später im Bereich der politischen Bildung oder der pädagogischen Museumsarbeit beruflich anzukommen.

Komplettiert wird das Werk durch den Aufsatz "Von der Wertigkeit des Mittelalters" von Prof. Guillaume van Gemert. Er hielt diesen Vortrag als Laudatio auf die beiden Thekath-Förderpreisträger.

Gerd Halmanns als Vorsitzender des Historischen Vereins betonte, dass mit der Schrift auch für den Förderpreis geworben wird. Die nächste Ausschreibung ist für das Frühjahr geplant. So erhalten das Buch nicht nur alle Mitglieder des Historischen Vereins, es geht auch an Universitäten und befreundete Vereine. Zudem ist es auch im Buchhandel zu bekommen - für vier Euro. Dieser günstige Preis ist möglich, weil die Stadtwerke Geldern und die Sparkasse Krefeld als Sponsoren den großen Teil der Herstellungskosten übernommen haben.

Ronja Hochstrat, "Zwischen zwei Herrschern"; Hartwig Kersken "Gründermemoria und Heiligenkult". Vorträge zum Karl-Heinz-Thekath-Förderpreis 2017. www.hv-geldern.de

(RP)