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Das Lebensmittelhandwerk ist für die Versorgung der Menschen in Zeiten des Coronavirus da ist.

Lob für die Disziplin der Kunden : Bäcker und Metzger halten die Stellung

Heinz Borghs, Obermeister der Fleischerinnung Kreis Kleve, mahnt, dass auch das Lebensmittelhandwerk für die Versorgung der Menschen in der Coronavirus-Krise da ist. Nicola Rosentreter, Bäckerei Tebart, lobt die Kunden.

Eines bereitet Heinz Borghs große Sorgen. Der Obermeister der Fleischerinnung Kreis Kleve sieht das Nahrungsmittelhandwerk in Zeiten des Coronavirus in Vergessenheit geraten. Überall gebe es den Hinweis, dass der Lebensmittelhandel geöffnet bleibt. „Das Nahrungsmittelhandwerk aber auch“, betont Borghs.

Auch die lokalen Metzger, Bäcker und Konditoren sind für die Menschen da. „Auch wir werden unsere Geschäfte weiterhin öffnen und können die Bürger mit frischen, regional hergestellten Lebensmitteln versorgen“, schreibt Borghs in einem Brief, der auch an den Fleischerinnungsverband NRW gegangen ist. „Den habe ich mit sehr viel Emotionen geschrieben“, sagt er. Denn die Lage sei ernst. „Wir sind ein starker Arbeitgeber in der Region“, sagt Borghs über sich und seine Kollegen. Durch den Einkauf in der Region und im Nahrungsmittelhandwerk unterstütze jeder Bürger auch die vielen kleinen Unternehmen in der Nachbarschaft. „Wir haben leider nicht die Finanzkraft eines Lebensmittelkonzerns. Uns belasten im Moment, wie viele andere Branchen auch, die Sorge um unsere Existenz.“ Gerade bei den lokalen Metzgerbetrieben sind die Belieferung von Schulmensen und Eventcatering durch die Coronakrise weggebrochen. Die Schulen sind geschlossen, Events mussten aufgrund des Kontaktverbots abgesagt werden, damit sich das Coronavirus nicht noch schneller verbreitet. Wie lange die Situation anhält, ist noch nicht abzusehen.

Renate Wünsch und Karin Dannenberg (vorne) sind für die Anliegen der Kunden bei der Fleischerei Borghs in Straelen da. Foto: Norbert Prümen (nop)

„Wir haben Umsatzverluste, da muss man nichts schönreden“, sagt auch Nicola Rosentreter von der Bäckerei und Konditorei Tebart. Die kompletten Café-Umsätze, der Kauf von morgendlichen Snacks und Kaffee zum Mitnehmen fallen momentan weg, weil die Menschen zu Hause bleiben. Trotz alledem hat sie es sich nicht nehmen lassen, auf Facebook ein Dankeschön für ihre Kunden zu posten. Angeregt wurde sie davon von ihren Mitarbeitern, die vor Ort sind und jeden Tag mit den Kunden an der Theke zu tun haben. „Die Kunden sind so diszipliniert, wie sie sich in die Reihe stellen und Abstand halten“, lobt Nicola Rosentreter. Für sie und ihre Mitarbeiter ist die Situation nicht einfach. Sofort kommt einem der emotionale Aufruf des Bäckermeisters Gerhard Bosselmann aus Hannover in den Sinn. Unter Tränen bat er: „Bitte gehen Sie zu ihrem Bäcker...weil Sie retten damit Arbeitsplätze.“ Wenn sie ein Video drehen müsste, wäre sie ähnlich emotional, sagt Nicola Rosentreter. Andererseits sei sie noch nie so froh gewesen, in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten und das Bäckerhandwerk zu übernehmen. Sie führt das Unternehmen in der fünften Generation. „Wir haben zwei Kriege geschafft, wir schaffen das auch noch“, sagt sie zu der aktuellen Coronakrise. Um so viel Normalität wie möglich bestehen zu lassen, wolle man die Öffnungszeiten so lassen, wie sie sind. „Wir sehen uns den Kunden verpflichtet, und wollen ihnen in den unruhigen Zeiten ein stabiles Gefühl geben“, sagt Nicola Rosentreter. Der Dank gilt auch ihren Mitarbeitern und deren Flexibilität. Denn in den vergangenen Tagen kamen immer wieder neue Regelungen auf die Läden zu. Sie ist dankbar für den Zuspruch der Kunden, die alles mittragen. „Es ist schön, wie wir alle zusammenrücken“, sagt die Geschäftsführerin der Bäckerei und Konditorei Tebart. Trotz aller Schrecknisse empfinde sie auch eine tiefe Dankbarkeit. „Es ist meine Existenz und die von 132 Mitarbeitern, die wir haben. Mein Plan ist, dass wir da gut durchkommen.“ Damit spricht sie nicht nur für sich sondern auch den anderen Kollegen aus dem Herzen, die ebenfalls in diesen Tagen alles geben, damit die Kunden gut mit frischen und regionalen Produkten versorgt sind.