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Das ist der Lüllinger Arbeitskreis Heimatgeschichte.

Lüllinger Arbeitskreis Heimatgeschichte : Sie halten Lüllingens Geschichte lebendig

Von der Zeit der Franken und Römer über die alte Zollsiedlung bis zur Kleinbahn und zur Heidelandschaft: Ein Kreis engagierter Männer erforscht und dokumentiert intensiv die Historie der Gelderner Ortschaft.

Da wird aus vielen Puzzle-Teilen ein abgerundetes Bild, nämlich das Porträt der Ortschaft Lüllingen. Jeder gibt sein Können und Wissen hinzu, und schon sitzen sieben Männer zusammen und beleuchten die Lüllinger Historie aus verschiedenen Winkeln. Karl Ingendae kennt sich aus in Kirchengeschichte, Walter Luyven wohnt seit Generationen an der Klus, Paul Lambert bringt sich als ehemaliger Stadtplaner und Hobby-Archäologe ein. Theo Hils weiß vieles über die erste Gärtnersiedlung Deutschlands, gegründet 1929. Er fügt hinzu, dass er sich 1974 als 834. Bürger in Lüllingen registrieren ließ. Die Männer gehören dem offenen Arbeitskreis über die Lüllinger Heimatgeschichte an.

Aktuell zählt die Ortschaft etwa 880 Einwohner. Was jedoch von größerer Bedeutung ist: „Der Zusammenhalt aller Generationen“, findet Karl Ingendae. Hils bestätigt: „Hier wird man aufgenommen, kann sich wohlfühlen und eine Heimat finden.“ Zusätzlich wird das intakte Vereinsleben in die Waagschale geworfen. Keine Worthülse, wie Aktive aller Generationen an markanten Positionen wie Dorfplatz, Heidegarten, Spielplatz, Sitzbänken, dem Waldfriedhof ihre Spuren für Gemeinwohl hinterlassen haben. Der Fleiß wurde beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2011 mit einer Goldmedaille auf Kreisebene belohnt, auf Landesebene später mit Silber ausgezeichnet.

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Das große Gemeinschaftsprojekt ist im Moment die alte Schule, nachdem die Feuerwehr dort ausgezogen ist. Das Gebäude ist jetzt vollkommen entkernt, soll aber bis zur zweiten Jahreshälfte 2022 neu hergerichtet sein. Das alte Haus soll Begegnungsstätte werden, auch eine neue Plattform für die Geschichtsfreunde, in der – so der Plan – Ausstellungen sowie Dokumentationen und eine interaktive Mediapräsentation stattfinden.

Was gibt es zu berichten aus dem Heidedorf? Wo sind die Ansätze? Da haben die Männer reichlich Material zusammengetragen. Paul Lambert gibt ein Beispiel: „Archäologisch war Lüllingen bislang ein weißer Fleck auf der Karte. Das ist jetzt vorbei. Wir Hobby-Archäologen haben zu dritt Scherben auf den Feldern gesammelt und die Funde auswerten lassen. Siehe da: Die Scherben gehen ursprünglich zurück auf die Franken und Römer.“ Einzelstücke haben die Lüllinger sorgfältig katalogisiert. Dann geben sie noch preis, dass ja der Jülicher Weg früher eine Verbindung zwischen Aachen und Nimwegen darstellte, der Jakobsweg die Ortschaft kreuzt und der Nierskanal, 250 Jahre alt, immer noch als Wasserweg zwischen Geldern und der Maas bei Arcen intakt ist. Klärungsbedarf besteht auch noch, woher die alte Glocke Anno 1668 stammt, denn die Kirche – zunächst St. Antonius – wurde erst 1747 erbaut. Themen wie die alte Zollsiedlung, Schule, Molkerei, die Kleinbahn, die Heidelandschaft und die Kartierung alter Höfe stehen noch auf der To-Do-Liste für die geschichtliche Aufarbeitung. Schließlich stellt sich noch die Frage, welcher Fantasie der Ortsnamen „Lüllingen“ entsprang, denn wer dort zu Hause ist, sagt bis heute: „Ich wohne an de Klus“.