Das alte Theaterstück "Grenzvolk" wurde in Walbeck neu aufgelegt.

Theater : Wenn Profi-Schauspieler zu Schmugglern werden

Walbecks Heimatroman „Grenzvolk“ wurde in neu arrangierter Fassung und unter neuem Titel auf die Bühne gebracht. Viel Spaß gab es schon bei der Generalprobe.

Schmuggler, Schießereien und Tote waren im 19. Jahrhundert in der Grenzregion des Niederrheins keine Ausnahme. Die Grenzpolizei hatte zu jener Zeit allerhand zu tun. Der Heimat-Roman „Grenzvolk“ aus dem Jahr 1929 thematisiert genau diese Zeit des „Wilden Westens“ am Niederrhein. 20 Jahre später, vor genau 70 Jahren, wurde erstmals die als Theaterstück umgeschriebene Schmuggler-Geschichte aufgeführt. Am Wochenende wurde das historische Stück mit Bezug zur Region wieder ausgegraben. Ein neues Arrangement der Geschichte fand den Weg zurück auf die Walbecker Bühne.

Über zwei Jahre hinweg haben sich sechs professionelle Schauspieler zusammen mit ihrem Regisseur Wolfram Lenssen auf das Stück vorbereitet. Eigentlich sollte die neue Inszenierung des historischen Theaterstücks mit dem Titel „Grenze, Grips und viel Genever“ bereits im vergangenen Jahr aufgeführt werden. Leider wurde der Veranstaltungsort kurzfristig für Besucher unzugänglich gemacht, da die gefährlichen Eichen-Prozessionsspinner ihr Unwesen trieben. Somit mussten die eingeübten Textpassagen auch noch ein Jahr später in den Köpfen der Theaterschauspieler sitzen.

Bei der Generalprobe beäugte Regisseur Lenssen seine Schauspiel-Kollegen äußerst kritisch. Für das Auge eines Laien war die insgesamt 80-minütige Aufführung nahezu fehlerlos. Regisseur Lenssen hatte aber nach der Generalprobe noch ein paar Verbesserungsvorschläge und trieb die Schauspieler zu Höchstleistungen an. Bis ins kleinste Detail besprach Lenssen mit seinem Schauspieler-Team, mit dem er bereits seit mehr als zehn Jahren in unterschiedlichen Projekten zusammenarbeitet, nach der Generalprobe, was noch bis zur Aufführung auf der großen Bühne am Walbecker Schulhof zu ändern war. Die sechs professionellen Schauspieler besetzten jeweils zwei bis drei Rollen in dem Stück. Zügig zogen sie sich nach den Szenen hinter der Bühne um und schlüpften gekonnt in ihre neue Rolle.

Die Dramaturgin Stephanie Knoblich kreierte aus dem ursprünglichen Theaterstück das neue Arrangement. „Die Urfassung des Stücks geht insgesamt fünf Stunden und endet in einer Tragödie mit Mord und Selbstmord“, erklärte Knoblich. Sie hat nicht nur Passagen aus der Urfassung von „Grenzvolk“ gestrichen und somit das Stück auf ein kurzweiliges Maß gebracht. Vielmehr recherchierte sie über Stunden, sogar Tage, die Region und verlieh dem Stück ein weniger tragisches und dramatisches Ende. „Wenn wir den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann haben wir alles richtig gemacht“, freute sich Knoblich. Mit dem neuen „Happy End“ des Arrangements „Grenze, Grips und viel Genever“ ist der Dramaturgin dies auch gelungen.

Der kräftige Applaus und die fröhlichen Gesichter der Zuschauer bestätigten dies bei der Generalprobe.

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