Geldern: Da lachen ja die Kirchenglocken

Geldern: Da lachen ja die Kirchenglocken

In der evangelischen Kirchengemeinde Bielefeld tönt statt Glockengeläut Lachen vom Kirchturm. Die RP hat evangelische Geistliche der Region gefragt, was sie von der Aktion halten und ob sie hier möglich wäre.

Statt Glockengeläut schallt vom Kirchturm der evangelischen Kirche in Bielefeld Lachen aus Lautsprechern. Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher hat sich für diese Kunstaktion entschieden. Die dauert von Ostersonntag bis zum Weltlachtag am 7. Mai.

"Es ist eine spannende Sache", sagt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde in Issum, Yvonne Brück, dazu. "Mit einem fröhlichen, frohmachendem Lachen in die Welt hinauszugehen, finde ich was Schönes." Sie würde sich durchaus wünschen, wenn die Kirche innen mit mehr Lachen erfüllt wäre. "Aber ob ich finde, dass das Lachen ein Ersatz für die Glocken sein kann, da bin ich mir nicht so sicher." Immerhin erfüllten die Glocken zahlreiche Funktionen. "Kirchenglocken haben auch ganz viel mit Heimat zu tun. Das würde ich den Menschen nicht nehmen wollen", sagt sie auf die Frage, ob so ein Projekt auch in Issum vorstellbar wäre. "Als Kunstprojekt mag das in Bielefeld gehen, auf dem Land geht man da an Grenzen, auch an meine eigenen."

Für das Lachen in der Kirche, statt vom Kirchturm herunter, spricht sich auch der evangelische Pfarrer Christian Werner aus Straelen aus. "Das Glockengeläut ist ein Ruf zum Gottesdienst, eine hörbare Präsenz der Kirche in der Stadt. Wenn die Leute dann kommen und das Evangelium hören, können sie auch lachen", lautet seine Überzeugung. "Das Evangelium, die gute Botschaft von Jesus Christus, macht einen fröhlich, das gilt es zu erleben."

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Karin Dembek von der evangelischen Kirche in Kevelaer hat bei der Bielefelder Aktion spontan an Lachsäcke denken müssen. "Interessant, aber nicht wirklich eine gute Idee", lautet ihre persönliche Einschätzung der Aktion. "Ich würde nicht unsere Glocken ersetzen wollen", sagt sie. Für sie bringt das Motto "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit", das die Evangelische Kirche im Rheinland zum Reformationsjubiläum ausgerufen hat, besser zum Ausdruck, worum es beim Evangelium geht, als Lacher vom Band.

Sowohl Karin Dembek als auch die Gelderner Pfarrerin Sabine Heimann erinnert die Aktion an die alte Tradition des Osterlachens. "Es gab eine Zeit, als die Predigt zu Ostern mit einem Witz anfing", erklärt Heimann, oder zumindest etwas, über das die Gemeinde schmunzeln konnte. "Früher gab es diesen Gedanken, der Osterfreude dadurch Ausdruck zu geben", sagt Heimann. Und dann habe es die Zeit gegeben, als sich keiner traute, in der Kirche zu lachen, als Zeichen des Respekts, erinnert sich die Gelderner Pfarrerin. Für sie sei die Aktion der evangelischen Kirche in Bielefeld nicht völlig aus der Luft gegriffen. "Es passt in die Kirchenjahreszeit, und es gibt dazu auch verschiedene Veranstaltungen zu dem Thema." Eingebettet in die Erwachsenenbildung und Gemeindepädagogik finde sie das eine gute Idee. Das heißt nicht, dass sie so eine Aktion nach Geldern holen würde. "So etwas muss organisch wachsen." Und natürlich sei es nicht allein die Entscheidung der Pfarrerin, sondern des Presbyteriums.

(RP)