1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Tom Gerhardt: "Cusanus bekäme einen Kulturschock"

Tom Gerhardt : "Cusanus bekäme einen Kulturschock"

Der Komiker tritt am Dienstag in Straelen auf. Einer seiner Charaktere: Muhammar, der dümmste Terrorist der Welt.

Ihr Programm heißt "Nackt und in Farbe" — was erwartet die Zuschauer?

Gerhardt Sie dürfen sich auf eine durchgeknallte Show freuen, bei der ich in elf verschiedene Rollen springe. Ich zeige die dämlichste Casting-Show Deutschlands, die alle möglichen Leute anzieht. Zum Beispiel auch die etwas dümmliche Familie Krause, die am Ende natürlich alles kaputt macht. Unterstützt werde ich dabei von meinem Kollegen Detlev Redinger, der als He-He-Herbert aus Hausmeister Krause bekannt ist.

In einer Rolle treten Sie als Terrorist Muhammar auf. Haben Sie keine Angst vor negativen Reaktionen?

Gerhardt Ich habe das Programm jetzt 50 Mal gespielt, und das Publikum hat immer darüber gelacht. Es ist einfach eine ganz dämliche Figur, der dümmste Terrorist der Welt. Er ist auch keiner bestimmten Richtung zuzuordnen. Er hat nur gehört, dass er etwas Extremes machen soll, und sprengt direkt die Gäste-Toilette in die Luft.

Wären Zeitreisen möglich und Nikolaus Cusanus käme aus dem 15. Jahrhundert in die Gegenwart: Was würde er zu Ihrem Programm sagen?

Gerhardt Wahrscheinlich würde er einen Kulturschock erleiden. Dann würde er vielleicht bedächtig den Kopf hin und her wiegen und sich fragen, wie jemand, der eine Arbeit über seine Sprachphilosophie geschrieben hat, so ein Programm machen kann.

Wie bekommen Sie den Spagat zwischen Humanismus und Ballermann-Humor hin?

Gerhardt Mein Programm hat nichts mit Ballermann-Humor zu tun, da muss ich widersprechen. Es ist vielleicht chaotisch, verrückt und abgefahren, aber es gibt auch satirische und clownesque Nummern, insgesamt also eine sehr breite Mischung.

Noch mal zurück zur Zeitreise. Wenn Sie in das Jahr 1994 reisen könnten, würden Sie den Film "Voll normaaal" wieder so machen wie damals?

Gerhardt Es hat seinen Grund, warum der Film mit den Jahren zu einem Klassiker geworden ist und inzwischen auch schon mehrfach im Fernsehen gezeigt wurde. Gerade erst wurde ich von einem Kino angerufen. Die Betreiber wollen den 18. Geburtstag, die Volljährigkeit, mit einer Sondervorstellung feiern. Und vieles von dem, was wir damals gezeigt haben, ist heute noch präsent, ganz besonders in der Umgebung von Köln. Gerade hier hat der Film einen ganz besonderen Stand. Und wenn man mal sieht, wer damals alles mitgespielt hat. Veronica Ferres als meine asoziale Schwester Carmen zum Beispiel, das ist schon lustig. Insofern denke ich, wenn ich zurück gehen würde ins Jahr 1994, sollte ich nicht viel ändern.

Angesichts Mario Barth und Cindy aus Marzahn beschwören einige Zuschauer den Untergang des Abendlandes herauf. Wie bereiten Sie sich auf diesen Untergang vor?

gerhardt Ach, der wurde schon so oft propagiert. Das war auch bei mir schon so. Ich war damals eigentlich der erste, und mein Humor war ein richtiger Kulturschock. Die, die nach mir gekommen sind, hatten es da schon etwas leichter. Und Cindy wird heute sogar als Co-Moderatorin von "Wetten dass" gehandelt.

Ihnen ist der Spaß am Spaß machen also nicht vergangen?

Gerhardt Nein. Ich habe die Leute bei jedem Auftritt zum Lachen gebracht. Und das werde ich auch in Straelen machen.

Christian Breuer führte das Gespräch.

(RP/ac)