Chronologie der Beratungen über das Friedrich-Spee-Gymnasium Geldern

Schulanmeldungen in Geldern : Verzögerter Antrag auf Überhangklasse

Gelderner Eltern wünschen sich eine zusätzliche Gymnasialklasse. Der Bürgermeister sagte am vergangenen Donnerstag, man warte auf eine Entscheidung der Bezirksregierung. Den konkreten Antrag hat die Stadt aber erst am Dienstag gestellt.

„Ich hoffe, dass wir am Montag Klarkeit haben“, sagte Bürgermeister Sven Kaiser am Donnerstagabend vor einem gefüllten Saal mit Eltern. Es ging um eine mögliche Überhangklasse für Friedrich-Spee-Gymansium (FSG) und Lise-Meitner-Gymnasium (LMG). Die zusätzliche Parallelklasse sollte nach Elternwunsch dafür sorgen, dass in den Klassen nicht bis zu 31 Kinder sitzen, sonder lediglich 27 Schüler. Und an diesem Infoabend am vergangenen Donnerstag im FSG verwiesen Sven Kaiser und Schuldezernent Helmut Holla immer wieder auf eine Entscheidung der Bezirksregierung. Dort sollte geprüft werden, ob eine zusätzliche Klasse möglich sei.

Kaisers Aussage nahmen die Eltern beim Wort, unter anderem Peter Brune, Schulpflegschaftsvorsitzender des LMG. Und sie fragten bei der Bezirksregierung nach, ob es bereits eine Entscheidung gebe. Die Antwort am Montag: Die Stadt Geldern hat gar keinen Antrag auf eine Überhangklasse gestellt.

Verantwortlich für die Prüfung eines Antrags und die Entscheidung ist das Dezernat 48 für Schulrecht und Schulverwaltung. „Das Dezernat 48 hat noch nichts entschieden, weil die Stadt Geldern bislang keinen entsprechenden Antrag gestellt hat“, schrieb Wilfried Bentgens, schulfachlicher Dezernent, der für die Gelderner Gymnasien zuständig ist. Er hatte der Stadtverwaltung empfohlen, eine siebte Klasse zu ermöglichen.

Die genaue Stellungnahme des zuständigen Abteilungsleiters Thomas Hartmann: „Entgegen Ihrer Auffassung hat die Bezirksregierung keine Mehrklassenbildung an einem der Gymnasien abgelehnt. Dies kann sie auch gar nicht, da es bisher keinen dementsprechenden Antrag der Stadt Geldern gibt. Diesen Antrag müsste die Stadt Geldern als Schulträger stellen, die Stadt Geldern ist als Schulträger für die Gestaltung ihrer Schullandschaft verantwortlich. Ein eventueller Antrag würde hier ergebnisoffen geprüft werden.“

Bürgermeister Sven Kaiser klärte die Situation am Dienstag: „Dass kein Antrag gestellt wurde, ist so nicht korrekt“, sagt er. „Das haben wir heute gemacht.“ Am Dienstagmittag habe man die Unterlagen eingereicht. Das bestätigte eine Sprecherin der Bezirksregierung in Düsseldorf unserer Redaktion.

Bereits am Freitag habe man sich mit den Zuständigen bei der Bezirksregierung beraten, sagt der Bürgermeister. „Dabei haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns mit den Fraktionsvorsitzenden besprechen.“ Dass er den Eltern eine Entscheidung bereits in Aussicht gestellt habe, sei korrekt. „Mir war aber wichtig, vorher mit den Fraktionsvorsitzenden zu reden.“

Bei dem Treffen mit den Politikern am Montagabend habe sich dann eine mehrheitliche Zustimmung abgezeichnet. „Wir brauchen ohnehin noch den politischen Beschluss, aber um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, haben wir den Antrag nun eingereicht“, so Kaiser. Der Bürgermeister stellt aber auch klar: „Eigentlich wurde der Antrag im Schulausschuss bereits abgelehnt. Wir stellen ihn nur neu, weil die Fraktionen angedeutet haben, dass sie den Vorschlag mittragen.“

Seit dem Schulausschuss am 12. März brodelt das Thema an Schulen, unter den Eltern und in der Politik. Die Politiker hatten in der Sitzung mehrheitlich beschlossen, keine Überhangklasse für die beiden Gymnasien zu beantragen, sondern bei der geplanten Sechszügigkeit zu bleiben. Das würde bedeuten, dass bis zu 31 Kinder im Klassenraum sitzen. Viele Eltern zeigten kein Verständnis für die Entscheidung – denn genügend Kapazitäten für eine weitere Klasse am FSG gäbe es, das bestätigte Schulleiter Karl Kirchhart. Die endgültige Entscheidung über eine Überhangklasse trifft der Rat der Stadt Geldern am 9. April.