Was Macht Eigentlich...? Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern: Christel Sagers Kalender ist weiter voll

Was Macht Eigentlich...? Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern: Christel Sagers Kalender ist weiter voll

Acht Jahre lang war die Kapellenerin mit "Leib und Seele" stellvertretende Bürgermeisterin. Heute ist sie Vorsitzende der Senioren Union und engagiert sich im Historischen Verein. Und sie fährt weiterhin unglaublich gern mit dem Auto.

Geldern Das markante "Woll" ist ihr sprachliches Markenzeichen. In jedem zweiten Satz ist es zu hören. Mindestens. Christel Sager ist in Lüdenscheid geboren, Westfälin und ein Kind des Sauerlandes. Heimisch ist sie aber 1975 in Kapellen. Und mit ihrem Engagement prägte sie auch ein stückweit die politische Entwicklung in Geldern. Zehn Jahre lang war sie stellvertretende Bürgermeisterin. Nach 32 Jahren hat sie sich aber aus den politischen Gremien zurückgezogen. Heute ist sie unter anderem Vorsitzende der Senioren Union.

Die Realschule war der Kompromiss zwischen der jugendlichen Christel Sager und ihrer Lehrerin. Letztere wollte sie aufs Gymnasium schicken, ihr hätte die Volksschule gereicht, denn sie wollte Friseurin werden. Doch dann entdeckte sie das "Spiel mit den Zahlen", wie sie sagt. Die kaufmännische Ausbildung machte ihr ausgesprochen Spaß. Und später widmete sie sich mit Freude Aufgaben wie der Rechnungsprüfung im Kreistag. Auf ihre Börsen-App schaut sie auch heute noch mehrfach täglich. Mit 21 heiratete sie ihren Mann Henning und mit 22 wurde sie erstmals Mutter. Die junge Familie wohnte zunächst in Rüdesheim, denn Henning Sager war Entwicklungsingenieur bei Opel. Bald lockte ihn jedoch die Dekra, die ihn zum Gutachter für große Fahrzeuge machen wollte. Eine Zwischenstation bei Fendt-Traktoren führte die Familie nach Kaufbeuren, mit dem Eintritt bei der Dekra ging es zum Niederrhein - zunächst nach Rumeln-Kaldenhausen und dann 1975 nach Kapellen. Zugleich war ganz Deutschland der Einsatzort. "Mein Mann hatte Schlafanzug und Zahnbürste sozusagen immer im Auto", erinnert sie sich, denn bei Großschäden war sein Fachwissen gefragt. Und so ging es oft durch die Republik, auch mit Christel Sager am Steuer, die bis heute mit großer Begeisterung Auto fährt.

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Wie kam sie dann zur CDU? "Ganz doof", lacht sie. Der Grillplatz nahe des eigenen Hauses wurde von den Christdemokraten gern für Sommerfeste genutzt. Und natürlich warb man auch um die Neu-Kapellener. So trat erst Henning ein, Christel dann 1985. Und war zwei Jahre später unter Uli Janssen schon stellvertretende Stadtverbands-Vorsitzende. In den Rat kam sie 1994 - und da die Ortschaften einen Stellvertreterposten forderten, wurde sie zweite stellvertretende Bürgermeisterin. "Da kam ich zu wie die Jungfrau zum Kinde", erinnert sie sich. Als Paul Heßler dann zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, war sie auf einmal die erste Stellvertreterin. "Ich weiß noch, wie nervös ich war, als ich damals erstmals offiziell auftrat - beim Segelverein. Ich habe gezittert, das vergisst man nie." Aber schnell wurde sie sicherer, auch wenn sie sagt, dass sie bis heute lieber schreibt als redet. Bürgermeisterin von Geldern war sie jedenfalls, das betont sie, mit "Leib und Seele".

Gern denkt sie an die Zeit in der Politik zurück "Es war eine schöne Zeit. Auch wenn Paul Heßler und ich uns oft gestritten haben. Am gleichen Abend haben wir dann wieder telefoniert." Das ganze politische Engagement überstand sie vor allem Dank ihres Mannes. "Ich hatte Riesenglück, dass ich einen Mann hatte, mit dem ich über alles reden konnte und der mir eine große Stütze war." Immer wieder ist ihr anzumerken, wie sehr ihr der verstorbene Gatte fehlt. Ihr Engagement ist ungebremst. Es gilt der Familie, besonders den Enkelkindern, dem Haus mit dem Garten und dem Teich, aber auch der Senioren Union, deren Vorsitzende sie ist. Und mit Begeisterung engagiert sie sich im Beirat des Historischen Vereins. Gern auch handfest und aktiv, wie gerade bei den Dreharbeiten für den Film über Gelderns Geschichte. Und natürlich ist sie auch weiter in Kapellen aktiv, organisiert mit weiteren Frauen das Seniorenfrühstück und ist Helferin. Wie man sie kennt, auch ganz unproblematisch undogmatisch. Wenn sich jemand wundert, dass sie den katholischen Pfarrbrief verteilt, obwohl sie evangelisch ist - für sie einfach eine Selbstverständlichkeit. "Woll"!

(RP)
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