Gelderland: Caritas wehrt sich gegen Discount-Mentalität bei Pflege

Gelderland : Caritas wehrt sich gegen Discount-Mentalität bei Pflege

Noch ist die Lage auf dem Pflegesektor im Südkreis Kleve nicht bedrohlich. Das wird sich nach Einschätzung des Caritasverbands Geldern-Kevelaer aber in absehbarer Zeit ändern, wenn nicht seitens der Bundes- und Landespolitik geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, um eine menschenwürdige Qualität in der Pflege zu gewährleisten.

Der Caritasverband Geldern-Kevelaer schließt sich daher einer landesweiten Aktion der Freien Wohlfahrtspflege an, die bessere Rahmenbedingungen für die Pflege fordert. Dabei geht es um mehr Qualität, mehr Zeit und mehr Anerkennung für die Pflegekräfte. "Es geht hier um hilfebedürftige Menschen. Deshalb darf es in der Pflege keine Discount-Mentalität geben, wo Pflegekräfte immer mehr leisten sollen in weniger Zeit und für weniger Geld", sagt Regina Schüren, Leiterin des Bereichs für ambulante Pflege beim Caritasverband Geldern-Kevelaer.

Zur gesellschaftlichen Anerkennung der Pflegekräfte gehöre auch, ihnen vernünftige Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. "Es gibt ohnehin zu wenig Pflegenachwuchs. Aber mittlerweile geben auch immer mehr gestandene Pflegekräfte ihren Job auf, weil sie nicht mehr so für ihre Patienten da sein können, wie sie es gerne möchten", sagt Schüren. Sie nennt Beispiele: Für das Setzen einer Insulinspritze hat eine Pflegekraft gerade acht Minuten Zeit inklusive Anfahrt und Dokumentationsarbeiten. Auch die Finanzierung der Pflege sei kaum noch auskömmlich: Verschreibt ein Arzt einem Patienten eine Blutzuckermessung, kann der Pflegedienst dafür 9,12 Euro abrechnen. Verschreibt der Arzt aber zusätzlich noch Medikamentengabe und das Anziehen von Kompressionsstrümpfen, erhält der Pflegedienst trotz ebenfalls nur 9,12 Euro. Menschliche Zuwendung wird gar nicht honoriert.

Eine angemessene Vergütung der Pflegekräfte lässt das Gesundheitssystem ebenfalls kaum zu. "Die Caritas gehört zu den letzten Anbietern, die in der ambulanten Pflege noch Tariflöhne bezahlen", sagt Schüren. Obwohl in den vergangenen zehn Jahren die Personalkosten um 20 Prozent gestiegen sind, haben die Krankenkassen ihre Vergütung gerade einmal um sieben Prozent angehoben. Zwar bemühe sich die Caritas, für ihre Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen möglichst positiv zu gestalten, zum Beispiel durch kostenlose Rückenfit-Kurse, regelmäßige Fortbildungen und eine gute Arbeitsausstattung. Schwierige Rahmenbedingungen schafften Unzufriedenheit auf allen Seiten: Bei den Pflegekräften, die nicht so viel Zeit für einen Patienten haben, wie sie bräuchten, bei den Patienten, weil auch sie den Zeitdruck der Pflegenden spüren, und bei der Caritas, weil sie ihrem Auftrag, für Menschen in Not da zu sein, vielleicht nicht mehr lange nachkommen kann. Hier sei die Politik gefragt, endlich zu handeln.

(RP)
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