Caritas Alkoholkonsum von Jugendlichen

Hinweise von der Caritas : Wann der Alkoholkonsum von Jugendlichen kritisch wird

Wenn Jugendliche zum ersten Mal Alkohol trinken, ist das für viele Eltern eine schwierige Situation. Diana Schüller von der Caritas erklärt, wann der Konsum kritisch wird.

Bei dem einen ist es das eine Glas Bier, bei dem anderen schon Schnaps. Irgendwann kommen die meisten Jugendlichen in das Alter, in dem sie zum ersten Mal Alkohol trinken. Der erste Alkoholkonsum findet laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) mit durchschnittlich 13,8 Jahren statt – oftmals mit dem Beginn der Pubertät.

Eltern haben häufig Probleme damit, wenn sie merken, dass ihr Kind beginnt, Alkohol zu trinken, weiß Diana Schüller. Sie leitet die Beratungsstelle für Suchtfragen des Caritasverbands Kleve. „Die Abgrenzung und das Austesten in der Pubertät sind normal“, sagt sie. „Doch Alkohol ist eine Substanz, die in einem jungen Körper eigentlich nichts zu suchen hat.“ Das Gehirn von Jugendlichen ist noch im Wachstum und kann durch das Nervengift geschädigt werden.

Zudem entwickle das Hirn ein Suchtgedächtnis. Durch den Alkohol kommt es zu einem Dopamin-Kick, der das Lustzentrum anheizt. Auf Dauer verändert dieser Reiz die Gehirnstruktur – es bildet sich ein Suchtgedächtnis. Dann reicht schon ein kleiner Anstoß, und der Wunsch nach Alkohol wird übermächtig. Das sei vor allem problematisch, wenn Alkohol als Kompensierung, als Problemlöser genutzt werde, sagt die Suchtberaterin. „Wenn ich das als Jugendlicher lerne, nutze ich es auch als Erwachsener umso schneller“, erklärt Diana Schüller.

Oft seien es Neugierde und Gruppenzwang, die Jugendliche bei all den schlechten Eigenschaften des Alkohols dennoch zum Trinken verführen. Nicht immer muss das gleich problematisch sein, sagt die Suchtberaterin. Man unterscheide zwischen vier verschiedenen Stufen. Der erste, meist unbedenkliche Schritt ist das Ausprobieren. Die Jugendlichen trinken Alkohol, oftmals Bier, Sekt oder Wein, den sie schon mit 16 Jahren selbst kaufen dürfen.

Stufe zwei ist der regelmäßige Konsum. Laut der DHS verfestigt sich bei den 16- bis 17-Jährigen der Konsum so weit, dass mehr als jeder Vierte regelmäßig mindestes einmal pro Woche trinkt. Zu Partys, Treffen, Fußballspielen gehören Bier, Wein und Schnaps dann als feste Bestandteile dazu. „Schwierig wird es, wenn man merkt, dass es nicht mehr ohne geht“, sagt Diana Schüller.

Das ist spätestens in Stufe drei der Fall, in dieser trinken die Jugendlichen so viel Alkohol, dass die Mengen auch für Erwachsene als gesundheitlich riskant gelten. Zehn Prozent aller 16- bis 17-Jährigen fallen laut DHS-Zahlen in diese Kategorie. Die vierte und letzte Stufe ist das Binge-Drinking, was sich mit Rauschtrinken übersetzen lässt. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sind es rund 13 Prozent, die mindestens einmal im Monat fünf oder mehr Gläser Alkohol zu sich nehmen. Diese Menge ist für Jugendliche gefährlich, da sie die körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigt und zu negativen psychosozialen Begleiterscheinungen führen kann. Das Rauschtrinken kann auch zur Intoxikation führen: Im Jahr 2014 kam es in Deutschland mehr als 22.600 Mal vor, dass Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten.

„Eltern sollten sich deshalb immer fragen, in welcher Stufe sich ihr Kind bewegt“, rät Diana Schüller. „Probiert es nur aus oder trinkt es schon regelmäßig?“ Anzeichen für ein problematisches Trinkverhalten seien, wenn die Jugendliche Rituale wie gemeinsames Essen oder Gespräche nicht mehr einhalten, wenn sie viel Zeit mit neuen, den Eltern unbekannten Freunden verbringen, ihre Hobbys vernachlässigen und Mutter oder Vater nicht mehr an sich heranlassen.

Wenn Eltern dann das Gespräch suchen, haben sie es nicht leicht. Denn oftmals reagieren die Jugendlichen mit Trotz, und die Distanz vergrößert sich umso mehr. Diana Schüller rät betroffenen Eltern, aufrichtiges Interesse zu zeigen und die eigenen Befürchtungen klar auszuprechen. „Allerdings nicht kontrollierend, sondern in einem vertrauensvollen Ton“, sagt die Suchtberaterin. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Kinder noch mehr zurückziehen. Wenn nötig, kann man auch eine neutrale Person ins Gespräch einbeziehen. Ob Familienmitglieder, Freunde, Sporttrainer oder eben eine Beratungsstelle, sagt Diana Schüller.

Auch wenn der Schock bei den Eltern groß ist, wenn die Kinder zum ersten Mal betrunken sind: Nicht immer rutschen sie in ein risikoreiches Trinkverhalten. Oft sei es auch so, dass Jugendliche einmal über die Stränge schlagen und daraus auch lernen, sagt Diana Schüller. „Viele gehen nach einer schlechten Erfahrung viel verantwortungsbewusster mit Alkohol um“, sagt sie.