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Geldern: "Bühnenwelten" im Rathaus-Foyer

Geldern : "Bühnenwelten" im Rathaus-Foyer

Eine Ausstellung in der Gelderner Stadtverwaltung dokumentiert die Arbeit am Rheinischen Landestheater Neuss. Björn Hickmann fängt Glücksmomente aus sieben Jahren ein. Neuer Ansatz mit dem "Klassenzimmer-Stück".

Ein Paar wälzt sich am Boden, im Hintergrund bekämpfen sich drei Männer mit Stangen. Eine langhaarige Frau versprüht Tropfen, nachdem sie ihren Kopf aus einem mit Wasser gefüllten Eimer gezogen hat. In einem gekachelten Raum sitzen und stehen sechs Personen und nehmen voneinander keine Notiz. Diese und andere Bilder sind derzeit im Foyer der Gelderner Stadtverwaltung zu sehen. Sie gehören zur Ausstellung "Bühnenwelten" des Rheinischen Landestheaters (RLT) Neuss, die Aufnahmen von Björn Hickmann aus den Jahren 2009 bis 2016 versammelt.

Sie ist, ungeplant, zugleich eine Retrospektive auf die Amtszeit von Intendantin Bettina Jahnke geworden. Die erhielt ihre Berufung nach Potsdam, kurz nachdem die Ausstellung im Januar 2017 in Neuss eröffnet worden war. Geldern ist nun die zweite Station. Und das nicht ohne Grund. Regelmäßig gastiert das RLT für die Theaterreihe in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums. Außerdem ist die Stadt Mitglied im Trägerverein des RLT und Bürgermeister Sven Kaiser der 2. Vorsitzende des Vereins.

Der Gelderner Rathaus-Chef lobte bei der Präsentation der Ausstellung die Leistungen des RLT-Ensembles, das aus 17 Schauspielern und insgesamt rund 100 Beschäftigen besteht. Allerdings erforderten die Abmessungen der Lise-Meitner-Aula Improvisationen beim Ablauf der Stücke, so Kaiser. Denn die Bühne in Neuss, das lassen auch die Fotos im Foyer erahnen, hat natürlich ganz andere Dimensionen aufzuweisen und viel mehr technische Möglichkeiten. Hin und wieder werden die Gelderner aus dem Süden unterstützt. "Das RLT steht uns mit Rat und Tat zur Seite, etwa bei der Beleuchtung der Vorbühne", berichtet Rainer Niersmann, der Kulturverantwortliche der Gelderner Stadtverwaltung. So sorgt ein alter 1000-Watt-Scheinwerfer für angenehmes Bühnenlicht in der Aula.

Das nächste RLT-Gastspiel am 14. Februar, eine Aufführung von "Das kalte Herz", ist, wie die übrigen Termine der Reihe, ausverkauft. Zwölf Premieren haben die Neusser pro Jahr. "Wir versuchen den Brückenschlag zwischen den Stoffen", betont Reinar Ortmann, der künftige Intendant. Klassiker sind dabei, Kinder- und Jugendtheater und auch neuere Sachen noch lebender Autoren. Die Fotos von "Bühnenwelten" geben einen Eindruck von der Arbeit der Akteure, dienen als Archiv und Werbung. Sie wurden während der Hauptproben gemacht mit Originalkostümen, -bühnenbild und -beleuchtung. "Da ist nichts gestellt", versichert RLT-Pressesprecher Frank Orbons. Die Bilder entstanden aus dem Ablauf heraus, um den momentanen Eindruck der Szene einzufangen. "Der Fotograf muss eine große Wachheit und Sensibilität haben, um die Glücksmomente einzufangen", so Ortmann. Das ist offensichtlich gelungen. Niersmann lobt die "Ausdrucksstärke" der Schauspieler.

Die Mimen agieren jetzt auch abseits der großen Bühne. Vor einigen Tagen hatten die Neusser in Kaarst die Premiere eines "Klassenzimmer-Stücks". Ein Schauspieler und 30 Zuschauer, lautet die Formel der neuen Form, mit dem das RLT in die Schulen gehen will. "So entsteht der direkte Kontakt", verspricht der künftige Intendant. Gegeben wird das Stück "Tawle" der Autorin und Regisseurin Julia-Huda Nahas. Sie hat syrische Wurzeln und thematisiert die Flucht aus diesem von Krieg und Gewalt gemarterten Land in die Sicherheit. Eine Stunde dauert die Aufführung, die für Jugendliche ab 15 Jahren geeignet ist. Danach gibt es Gelegenheit zum Gespräch. Bürgermeister Kaiser hörte das mit Interesse. "Das ist ein guter Ansatz, um junge Menschen ins Theater zu bekommen", meint er.

(RP)