Bremkens Orchids aus Geldern-Walbeck im Porträt.

Serie Gelderner Unternehmen im Porträt : Orchideen aus Walbeck weltweit gefragt

Das Familienunternehmen Bremkens Orchids widmet sich der Anzucht von Phalaenopsis-Produkten.

Der Rundgang durch die riesigen Gewächshäuser ist beeindruckend. Auf 30.000 Quadratmetern wachsen an der Walbecker Straße bei angenehmen 19 Grad oder etwas wärmeren 26 Grad Orchideen (Phalaenopsis) in allen Farben. Matthias Bremkens führte Bürgermeister Sven Kaiser und Wirtschaftsförderer Lucas van Stephoudt bei ihrem Betriebsbesuch durch die Produktion, stellte die Maschinen und die eigene Energietechnik vor. Und berichtet, dass die Pflanzen vom Niederrhein – zumindest was die Jungpflanzen angeht – nur zu einem kleinen Teil in Deutschland bleiben. 97 Prozent werden international vermarktet. Orchideen aus Walbeck blühen überall auf der Welt.

Bis dahin war es ein weiter Weg für das Familienunternehmen. 1955 begannen Johannes und Gerta Bremkens an ihrem Kotten am heutigen Firmenstandort zunächst mit dem Gemüseanbau. Salat, Tomaten, Blumenkohl und Gurken wurden angebaut. Johannes Bremkens, gelernter Holzschuhmacher, traute sich das zunächst ohne Fachausbildung, machte aber an der Abendschule seinen Weg zum Gemüsebaumeister. 1200 Quadratmeter unter Glas entstanden. Vom Gemüse ging es zu Schnittblumen, darunter auch erstmals Orchideen. Die wurden als Schnittblumen immer mehr das wichtigste Produkt, bis 1988 der Wechsel zu Orchideen-Topfpflanzen begann. Bremkens, mittlerweile war auch Sohn Matthias im Betrieb, wurde zum Orchideenzüchter. Es folgten Jahre voller Wachstum. 1992 übernahmen Matthias und Maria Bremkens bei 13.000 Quadratmetern Gewächshausfläche die Verantwortung, 2016, als er die Geschäftsführung an die nächste Generation mit Christian und Daniela Bremkens weitergab, waren es 30.000 Quadratmeter. Seine Geschwister Peter als Betriebsleiter und Anne, Leitung des Jungpflanzenverkaufs, sind ebenfalls im Unternehmen in führender Position tätig.

Seit der Jahrtausendwende hatte sich Bremkens vor allem auf die Jungpflanzen spezialisiert. Der Markt jedoch bleibt in Bewegung. Seit dem vergangenen Jahr ist Bremkens Orchids Kooperationspartner von Dümmen Orange. Das Unternehmen ist Marktführer in der Züchtung von Zierpflanzen. Die Firma Bremkens ist exklusiver Partner für die Anzucht von Phalaenopsis-Produkten für den europäischen und weltweiten Markt. Die Partnerschaft beinhaltet auch die Zusammenarbeit zwischen den Vertriebsteams beider Unternehmen. Beide Unternehmen wollen auch eine mögliche intensivere Zusammenarbeit im Hinblick auf gemeinsame Werbeaktionen, Versuchsreihen und verbesserte Dienstleistungen für Produzenten prüfen. Matthias Bremkens: „Als Spezialist und Dienstleister gehen wir so einen guten Weg in schwieriger Marktlage.“

Sieben Millionen Jungpflanzen werde mit Hilfe der gut 110 Mitarbeiter in Walbeck produziert, dazu kommen etwa eine Million Stück an Fertigware und gut 150.000 Stück Rohware. Personalprobleme kennt man bei Bremkens noch nicht, was neben den guten Arbeitsbedingungen sicherlich auch, trotz der Größe, am familiären Charakter des Unternehmens liegt. Bei der Ausbildung arbeitet man mit anderen Gartenbaubetrieben zusammen, um den angehenden Gärtnern verschieden Kulturen nahe zu bringen.

Ein großer Kostenfaktor im Gartenbau sind die Energiekosten. Bremkens hat sie mit vielen Maßnahmen gesenkt, schaut aber mit kritischem Blick auf die geplante Kohlendioxid-Abgabe. Matthias Bremkens: „Das wird uns ab 2021 zusätzlich 123.000 Euro kosten, ab 2025 dann sogar 280.000 Euro pro Jahr.“

Matthias Bremkens (Mitte) führte Lucas van Stephoudt (li.) und Sven Kaiser durch die Gewächshäuser. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Im Gespräch mit Gelderns Bürgermeister und dem Wirtschaftsförderer war auch die Rückbauverpflichtung ein Thema. Matthias Bremkens, der sich auch in Fachverbänden engagiert, hat nichts gegen die grundsätzliche Rückbauverpflichtung von Gewächshäusern bei Betriebsaufgabe. Es ist tragbar, dass bei neuen Bauvorhaben hier im Kreis Kleve nur Rücklagen oder eine Bürgschaft in Höhe eines konkreten Rückbau-Angebots hinterlegt werden müssen.