Geldern: Biberfraß am Rayerssee gesichtet

Geldern: Biberfraß am Rayerssee gesichtet

Das Gelände ist für die Tiere eigentlich kein gutes Revier. Vermutlich war ein Nager auf der Durchreise.

Ziemlich eindeutig waren die Spuren, die Hannes Strücker (3) bei der Radtour mit seinem Vater Nicolas am Rayerssee entdeckt hat: Wie im Bilderbuch sah der vom Biber angefressene Baumstamm aus, eine tiefe Kerbe hatte das Tier hineingenagt. Auch, wenn Biber in der Region bekanntermaßen unterwegs sind - am Rayerssee wären sie eigentlich nicht zu erwarten.

"Es wundert mich, dass die da auftauchen", sagt Hermann-Josef Windeln, Vorsitzender der Gruppe Geldern-Issum des Naturschutzbundes (Nabu). Er vermutet, dass da ein Tier auf der Durchreise war und sich an Ort und Stelle etwas zu fressen gesucht hat. Vermutlich ein Jungtier auf der Suche nach einem neuen, eigenen Revier. Und dass es nur deshalb Gelegenheit dazu hatte, so eindrucksvolle Spuren zu hinterlassen, weil das Wetter eine Weile derart unschön war, dass nicht viele Menschen rund um den See unterwegswaren. "Das ist eigentlich kein Biotop, das einem Biber zusagt", fasst Windeln zusammen: "Publikumsverkehr mag er nicht." Er geht davon aus, dass der pelzige Nager längst weitergezogen ist: "Das wird dem da zu ungemütlich geworden sein, der ist bestimmt wieder über alle Berge."

In den Fleuthkuhlen zum Beispiel - da seien die Biber auch schon angekommen, und das sei auch ein viel passenderes Revier für sie: etwas abgeschiedener, langsam fließendes Gewässer, und es gibt sumpfiges Gebiet.

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Biber stehen unter Naturschutz. Sichtungen der seltenen Geschöpfe beziehungsweise nachweislicher Spuren von ihnen sind etwas Besonderes, auch, wenn die Tiere gerade in der Region offenbar auf dem Vormarsch sind. Umweltschützer freuen sich, wenn sie davon hören.

"Biber werden uns mal mehr beschäftigen, wenn sie sich weiter vermehren", blickt Hermann-Josef Windeln voraus. Dann könnte es unter Umständen vorkommen, dass mal ein Damm beseitigt werden muss. Dass sie ihre Zähne in Gehölze schlagen, die zur menschlichen Nutzung vorgesehen waren, wäre eher Zufall, denn eigentlich fressen sie bevorzugt Weichhölzer an. Und das in beeindruckender Geschwindigkeit, erzählt Windeln. "Zehn bis zwölf Zentimeter, das legt der in ein paar Minuten um."

Gefahren seien, allen Baumfällaktionen der Biber zum Trotz, nicht zu befürchten, meint der Fachmann. Dass zum Beispiel mal ein angefressener Baumstamm nicht ins Wasser fällt, sondern auf einen Weg kippt, sei theoretisch natürlich denkbar. "Es kann immer was passieren, im ungünstigsten Fall", sagt Windeln, aber: "Die Gefahr halte ich für minimal."

(RP)