Geldern Bau-Pfusch: Haus zerbricht

Geldern · Weil ihr Bauingenieur das Fundament nicht fachgerecht baute, bricht das Haus der Familie Huth langsam auseinander. Das Gericht gab ihnen Recht. Doch Geld für die Sanierung bekommen sie kaum.

Kapellen Familie Huth hat auf Torf gebaut. Etwa 240 000 Euro hat das die Huths nun gekostet, weil der Bauingenieur, der ihr Haus Im Torfbruch aufstellte, das Fundament falsch konstruiert hat. Vor dem Oberlandesgericht bekamen sie Recht: Die 240 000 Euro stehen ihnen zu. Bekommen haben sie nur 25 000. Und dabei wird es wohl bleiben.

1999 waren die Huths in ihr Haus eingezogen. Bereits nach einem halben Jahr zog sich ein Riss durch die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer. Der Bauingenieur erklärte ihnen, das sei ein normaler Setzriss. Inzwischen kann Nicola Huth mit der Hand in den Riss heinein fassen. Die Spalte geht vom Boden durch die Decke. Ihm folgten Risse an allen vier Hausseiten, die täglich größer werden. Das Haus bricht langsam auseinander.

"Zuerst haben wir unserem Bauingenieur noch vertraut, hofften auf eine gütliche Einigung", erklärt Nicola Huth. Erst als ein Bodengeologe ihnen 2003 mitteilte, die Spalten rührten von der Bodenbeschaffenheit her, schalteten sie einen Anwalt ein. Denn den Boden hatte der Bauingenieur zu verantworten.

Schlacke quillt auf

Unter seiner Regie war Schlacke verwendet worden, die aufquillt. Demzufolge hebt sich das Haus in der Mitte, während es zu den Seiten hin bis zu 13 Zentimeter in den Torfboden einsinkt. Das alles erkannte das Oberlandesgericht Düsseldorf in letzter Instanz an. 2007 wurde dann auch die Schadenssumme gerichtlich festgesetzt: genau 237 491 Euro.

Nicola Huth, ihr Mann Stephan und ihre beiden Kinder dachten nun, es werde alles gut. Doch weit gefehlt. Die Haftpflichtversicherung des Bauingenieurs lehnte die Kostenübernahme ab, weil der Mann grob fahrlässig gehandelt habe. Und dann kam der Brief vom Rechtsanwalt des Unternehmers: Aufgrund der "knappen Ressourcen" bot er einen "sinnvollen, wenngleich mageren Vergleich" an. Entweder die Huths nähmen die etwa 25 000 Euro an, oder sein Mandant gehe in die Privatinsolvenz. "Dann hätten wir vermutlich überhaupt kein Geld mehr gesehen", sagt Nicola Huth, deren Gesicht nach fünf Jahren Rechtsstreit Resignation ausdrückt. Auch ihr Anwalt riet der Familie zu dem Vergleich. "Mit 100 000 Euro wären wir im Grunde schon zufrieden gewesen", meint die 40-Jährige. So viel nämlich kosten die dringendsten Sanierungen.

"Haus nichts mehr wert"

Wie sie das Geld dafür aufbringen sollen, weiß Nicola Huth nicht. Einen neuen Kredit können die Familie kaum aufnehmen. "Das Haus ist ja auch für die Bank nichts mehr wert." Und abbezahlt ist ihr Eigenheim auch noch nicht. Der Bauingenieur wollte sich nicht äußern.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort