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Ausstellung in Straelen: Den Verlust der Geselligkeit verarbeitet

Ausstellung in Straelen : Den Verlust der Geselligkeit verarbeitet

Das Kännchen als Symbol der gemütlichen Runde haben Künstlerinnen für die neue Ausstellung in der Straelener Atelier-Galerie „Arn!ko+“ in kreative Werke umgesetzt. Und dabei auch zärtliche Gefühle entwickelt.

Arnhild Koppel hat einen Gefühlswandel durchgemacht. Nachdem im Herbst 2021 in einer ersten Vorbesprechung für die neue Ausstellung in ihrer Atelier-Galerie „Arn!ko+“ mit „Draußen nur Kännchen“ der Titel und das Thema gefunden waren, empfand sie Unwohlsein über die Vorschrift „Draußen nur“. Sie habe ihre Kännchen in Käfige sperren wollen, erzählt die in Straelen ansässige Künstlerin. „Dann wurde ich immer zärtlicher zu den Kännchen.“

Diese Regung wird am deutlichsten in ihrer Kissen-Serie, die in der Ausstellung zu sehen ist. Mit Acryl je nach Jahreszeit bemalte weiße Kannen sind auf Spitzendeckchen platziert, die wiederum auf weichen Kissen ruhen. Auf vier großformatigen Acrylbildern hat sie, ebenfalls nach Jahreszeiten unterteilt, Kännchen wie Tapetenmuster verteilt. „Ich wollte die Monotonie der Corona-Zeit spiegeln“, erklärt Arnhild Koppel. Es sollte auch Mitgefühl für die durch die Pandemie leidende Gastronomie ausgedrückt werden.

Das Kännchen als Symbol der gemütlichen Runden, die so lange nicht mehr möglich waren: Das spielt auch eine wichtige Rolle in den Werken von Martina Erkes aus Brüggen, Klaudia Hummen aus Kempen und Elke Schrey aus Brüggen, deren Arbeiten ebenfalls unter den 36 Exponaten zu finden sind. Sie haben sich mit ihren Verlustgefühlen an Geselligkeit, Farbigkeit und Abwechslung während der Pandemie auseinandergesetzt.

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Martina Erkes ließ sich für ihre Plastiken sowie Collagen in Mischtechnik auch durch das Kännchen ihrer Oma inspirieren, das im Wintergarten gehegt und gepflegt wurde. Zuerst entstanden drei Bleistiftzeichnungen, die Kännchen an Maisstängeln zeigen. Die Regelhaftigkeit der Maisfelder sah sie analog zu dem kleinkarierten Denken, das mit der Vorschrift „Draußen nur Kännchen“ verbunden sei. Später versah sie Zeichnungen mit knalligen Sprayfarben. Aus keramischer Masse formt sie Kannenscherben. „Die sind befreit, die bewegen sich“, erläutert die Frau aus Brüggen.

Bewegung will auch Klaudia Hummen zum Ausdruck bringen. Ihre auf normales und dann farblich verwandeltes Fensterglas gebrachten Kannen wandern. Ein leuchtend rotes Exemplar etwa bricht aus dem Rahmen aus und strebt einem lieblichen Garten zu. Die Vorschrift „Draußen nur“ sei für sie ein Ärgernis, so die Kempenerin. Es gehe ihr um den Ausbruch aus der geordneten Gesellschaft. „Ich liebe Fortschritt und Entwicklung, ich liebe es, Neuem zuzulächeln.“

Elke Schrey sieht in der „Draußen“-Regel eine eng gefasste, begrenzende Vorgabe. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem typischen Porzellandekor auf Kaffeekannen, die dadurch stattfindende Loslösung des Dekors von der Oberfläche und die anschließende freie Gestaltung in Form von vergrößerten Teilansichten und gemalten Collagen in Acryl auf Leinwand oder Pastellmalerei eröffneten der Malerin die Möglichkeit, sich von der vermeintlich strengen Vorgabe des Themas zu lösen. Dekor-Motive erhalten auf diese Weise ihre Eigenständigkeit, indem sie zum Beispiel als Schachbrettmuster zerstückelt werden.

Zerstückelt hat schließlich auch Arnhild Koppel einige ihrer Kännchen. Und zwar für ihre dreiteilige Objektreihe „Einigung – ein hilfloser Versuch?“ Aus glasiertem Ton sowie lackierter und unlackierter Modelliermasse hat sie Scherben versammelt. Ursprünglich wollte sie damit die Uneinigkeit der Deutschen über die Corona-Schutzmaßnahmen versinnbildlichen. Doch der Krieg in der Ukraine hat eine größere Bedeutungs-Dimension gebracht. Nun beziehen sich die Objekte nicht nur auf Brüche in unserer Gesellschaft, sondern auf den Frieden in Europa und der ganzen Welt.