Ausstellung in Geldern in leer stehendem Ladenlokal.

Bildende Kunst : Gelderns Grazien zeigen ihre Kunst

Zwei Wochen lang haben Monika Bänsch, Ursula Dambrowski und Nanni Wagner in einem leer stehenden Ladenlokal gearbeitet. Was sie in dieser Zeit geschaffen haben, präsentieren sie ab heute in einer Ausstellung.

Ursula Dambrowski spricht von einem „Brückenschlag“. Das sei ein Begriff, der „die Arbeit von uns Dreien sehr gut kennzeichnet“. Mit dem Trio meint sie außer sich selbst noch Monika Bänsch und Nanni Wagner. Als Gruppe nennen sich die Künstlerinnen „Die drei Grazien“. Wie kreativ sie sind, lässt sich jetzt in Geldern in einem ansonsten leer stehenden Ladenlokal direkt neben der Heilig-Geist-Kirche anschauen.

Dort haben Monika Bänsch, die Bildhauerin, Ursula Dambrowski, die Keramikerin, und Nanni Wagner, die Malerin, in den vergangenen zwei Wochen gearbeitet. Seit 2013 treffen sie sich alle zwei Jahre, um an einem besonderen Ort ihre kreativen Ideen umzusetzen. Im Schloss Greifenhorst in Krefeld waren sie, im alten Wasserwerk Wachtendonk und im Wasserturm in Geldern. Jetzt also dieser von zwei Glaswänden umfasste Raum an der Ecke Markt/Heilig-Geist-Gasse.

„Mich nerven leere Ladenlokale“, begründet Nanni Wagner ihre Wahl. Sie findet es spannend zu zeigen, dass „man da was machen kann“. Und die Resonanz der Menschen, die den Künstlerinnen über die Schulter schauten, sei gewaltig und durchgehend positiv gewesen. Dabei wollten viele Gelderner weniger über Kunst reden. Vielmehr seien sie froh gewesen, dass in dem Leerstand etwas passiert. Und den „drei Grazien“ wurde vorgeschlagen, doch immer dort zu bleiben.

Die Idee, die Immobilie als Kunstraum zu nutzen, finden die drei Frauen nicht schlecht. Doch, so gibt Ursula Dambrowski zu bedenken: „Jede von uns hat ein eigenes Atelier, um dort zu arbeiten.“ Das Agieren als Gruppe gibt es eben nur alle zwei Jahre. Aus Sicht von Nanni Wagner wäre der Vorschlag allerdings für die GWS als Eigentümerin des Gebäudes überlegenswert.

Doch waren die Kunstwerke der drei Frauen natürlich auch ein Thema der Gespräche. Gerade während der Fahrradbörse strömten viele Auswärtige in das Atelier auf Zeit, beobachteten die Hammerschläge der Bildhauerin und die leisen Arbeiten der beiden anderen Künstlerinnen. Oft wurden die Arbeiten gelobt. Und es gab Fragen wie „Was soll das?“ oder „Wie haben Sie das gemacht?“.

Monika Bänsch modellierte aus Tuffsteinbrocken Köpfe. Sie sind größer als bei Menschen üblich. Wesentlich kleiner hingegen sind die Keramik-Exemplare, die zu einer Wandinstallation zusammengefügt werden.

Ursula Dambrowski hat Ton mit Knochen und Holz kombiniert. Die Krefelderin lebt seit fünf Jahren in Geldern und kennt ihre beiden Mitstreiterinnen, die seit langem in Geldern wohnen, durch künstlerische Kontakte. Bei den Knochen handelt es sich um ausgekochte und von ihrem Hund angeknabberte Suppenknochen. Beim Holz verwendet sie Schwemmholz, der wundervollen Oberfläche wegen. Der Ton reagiert und wird geformt, während die beiden anderen Materialien unverändert bleiben.

Wie die beiden anderen kann sich auch Nanni Wagner künstlerisch vielfältig ausdrücken, doch bleibt auch sie, dem „Grazien“-Konzept gehorchend, bei ihrem Gewerk. Und das ist die Malerei. Die Geldernerin schafft mit Tusche und Pigment abstrakte, großformatige Bilder. Wobei sie mit der ersten Hälfte der zweiwöchigen Arbeitsphase alles andere als zufrieden war. „Da sind die Bilder alle zu brav und zu schön geworden, ohne Reibung, ohne Ecken und Kanten“, blickt sie auf die Tage zurück.

Sie entschloss sich zu einem radikalen Schritt. „Ich habe die sechs Arbeiten komplett weggeräumt.“ Danach suchte sie mindestens zehn Jahre alte Arbeiten heraus und „holte die Vergangenheit in die Gegenwart“. Sie griff das Thema der „schwarzen Gesten“ auf und ergänzte sie durch neue Gesten in anderen Farben. Die weggehängten Bilder jedoch sind nicht gänzlich ohne Sinn und Zweck. Sie dienen jetzt als mögliche „Ideenspeicher“ für künftige Arbeiten.

Jetzt freuen sich die „drei Grazien“, die sich auch außerhalb der Gruppen-Arbeiten einmal wöchentlich treffen, auf die Reaktionen der Ausstellungsbesucher. Der Zuspruch der vergangenen zwei Wochen stimmt sie optimistisch.

Und in zwei Jahren wird das Trio wieder an die Öffentlichkeit gehen. Der Ort ist noch offen. „Das“, so Nanni Wagner, „entscheidet sich im Herbst 2020.“

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