Bildende Kunst : Ein schönes Spiel aus Licht und Glas

In der Ausstellung „Ganz klar 3“ sind Arbeiten von Jörg Hanowski und Paul Jansen-Sprenger zu sehen. Die Vernissage in der Veerter Galerie PR 8 von Peter Rademacher findet am Freitag, 12. April, statt. Die Schau dauert bis Mitte Mai.

Besser nicht daran stoßen. Was da in dem Saal leuchtet, zieht an. Es ist zart, fragil, nahezu ätherisch. In der Natur ist es nur Millimeter groß, höchstens unter dem Mikroskop zu sehen. Hier, in der Veerter Galerie PR 8, ist es zu metergroßen Objekten mutiert. Sie senden farbiges Licht, fast so wie die Fische der Tiefsee, die im Dunkeln ihre Opfer anlocken. Doch hier geht es nicht um das Überleben im Ozean. Hier fasziniert ein schönes Spiel aus Licht und Glas. Die Quelle dafür sind die Arbeiten von Jörg Hanowski und Paul Jansen-Sprenger, die Peter Rademacher in der Ausstellung „Ganz klar 3“ präsentiert.

Für die filigranen Glasobjekte zeichnet Jörg Hanowski verantwortlich. Der Wittener ist gelernter Glasmacher, Leuchtröhrenglasbläser und Glasapparatebauer. Er zeigt in Veert drei Werkserien. Die Inspiration zu „Phytoplankton“ bekam er durch die Natur, durch das Phytoplankton als Basis der Nahrungspyramide und als großer Sauerstoffproduzent. „Durch den Einsatz von Borosilikatglas ist es mir möglich, zum Beispiel transparente Algen darzustellen.“ Dass er die Winzlinge aus dem Mikrokosmos überdimensional werden lässt, will er auch als Fingerzeig auf den Stellenwert verstanden wissen, den sie in der Natur einnehmen.

Die zweite Serie nennt Hanowski „Paperweight“ (Briefbeschwerer). Silberoxid-Pulver träufelt er auf das Glas, um Muster und Strukturen zu erhalten.

Von ähnlicher Machart wie Phytoplankton sind Hanowkis Leuchtobjekte, die dritte seiner Werkserien in der Ausstellung. In den geschwungenen Kreationen sind die Abschnitte aus Murano-Glas mit Gas beleuchtet. Argon erscheint blau und Neon rot. „Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Strom gesehen habe“, erklärt Galerist Rademacher. Auch wenn die Elektrizität ausgeschaltet ist, bleiben die Objekte farbig, wechseln allerdings die Farbe.

Filigran sind die Glasobjekte von Jörg Hanowski. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Paul Jansen-Sprenger arbeitet seit 42 Jahren bei der Glasmalerei Derix in Kevelaer. „Aus meinem Beruf habe ich die Kreativität für meine Kunst geschöpft“, erklärt der 60-jährige Walbecker. „Aufglasmalerei“ nennt er die Wandbilder, bei denen er die Farbe auf die Vorderseite verschiedener Glassorten wie Schwarzglas oder Satinatoglas, das ist mattiertes Weißglas, aufträgt. Jansen-Sprenger verwendet ausschließlich Silberoxid, das ins Glas eindringt, sich jeweils anders verteilt und bei 600 bis 640 Grad Celsius gebrannt wird. Je nach Glasart entstehen unebene Untergründe und Reflektionen. „Aus Erfahrung weiß ich, wie intensiv die Farbe wird“, sagt der Künstler. Auch das Verdünnen mit Wasser hat Einfluss auf die Farbgebung. Mitunter legt Jansen-Sprenger mehrere Farbschichten übereinander, was dann entsprechend viele Brennvorgänge erfordert.

Die Aufglasmalerei hat der Walbecker in den vergangenen fünf Jahren intensiviert. Zuvor lebte er seine Kreativität in Ölmalereien, Aquarellen und Zeichnungen aus. „Jetzt male ich auch nur noch abstrakt“, betont er. Wobei es im Auge des Betrachters liege, darin etwas Figürliches zu sehen. Seine in der Veerter Ausstellung gezeigten Ölgemälde stammen aus den Jahren 2018 und 2019. Die Aufglasmalereien, 56 an der Zahl, reichen bei den Formaten von jackentaschen- bis kofferraumgroß.

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