Ausstellung: Christian Paulsen, Galerie PR8, Geldern

Neue Ausstellung : Mit Kohle und Gefühl

Ganz ohne Konzept zeichnet Christian Paulsen. Was dabei herauskommt: Eine Ausstellung wie aus einem Guss, die bis Ende September in der Galerie PR8 zu sehen ist.

Wenn Christian Paulsen zeichnet, dann nur im Stehen. Das Blatt Papier hängt an einer Wand, je mehr Dellen und Furchen, umso besser. Mit einem Stück Kohle fährt er dann über das Papier und lässt sich treiben. Von der Struktur, von der Stimmung, von der Musik – meist läuft Jazz. Was am Ende dabei herauskommt, weiß der Künstler vorher nicht. „Erst durch das Tun kommt es zu Ideen“, sagt er.

Im Moment, da sind die wichtigsten Wände für Christian Paulsen die der Galerie PR8 in Geldern. Denn an den glatt verputzten weißen Mauern stellt der Essener seine Kunstwerke aus. Die kommen meist in Serien daher, manchmal ergeben 100 Zeichnungen ein Werk. Christian Paulsen steht vor einer Wand der Galerie, an der 78 Bilder hängen, Kohlezeichnungen auf naturweißem Papier. Aufgereiht wie in einem Regal erinnern sie an gesammelte Steine in einem Setzkasten.

Alle ähnlich, und doch ganz anders: In dem einen entdeckt man einen menschlichen Körper, in dem anderen einen Käfer und viele Gesichter, oft beängstigend. „Little Spooky“ heißt die Serie darum. „Meine Bilder sind immer an der Grenze des Abstrakten“, sagt der 64-Jährige. „So, dass der Betrachter immer etwas darin erkennt, aber es niemals eindeutig ist.“

Die Ausstellung "...gezeichnet" zeigt Kohle auf
Die Werke haben ihre ganz eigene Faszination. Foto: Verena Kensbock

So bleibt vieles der Fantasie überlassen. Und die Eindrücke ändern sich, wenn man die Bilder einzeln oder als Ganzes anschaut. „Je länger man davor steht, desto mehr entdeckt man auch“, sagt Christian Paulsen, der in seinen Bildern selbst immer wieder Neues sieht. „Manchmal erschrecke ich mich auch selbst“, sagt er und zeigt auf ein verzogenes Gesicht, das sich in einer der Kohlezeichnungen erahnen lässt.

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Die Ausstellung „...gezeichnet“ des Kunstvereins Gelderland ist für den Essener nicht das erste Projekt am Niederrhein. Die Gegend, sagt der 64-jährige Künstler, sei ihm nicht unbekannt. „Ich habe viele Freunde hier und bin häufig in Geldern“, sagt Paulsen.

Die Ausstellung "...gezeichnet" zeigt Kohle auf
Auch in der Kombination entfalten die Zeichnungen ihre Wirkung. Foto: Verena Kensbock

Beim Symposium im Atoll in Bedburg-Hau ist auch ein Teil seiner Arbeiten entstanden, die nun im Atelier PR8 zu sehen sind. „Zuhause habe ich kein großes Atelier. Im Atoll kann ich mich entfalten“, sagt Paulsen. „Dort habe ich zum ersten Mal die großen Motive gezeichnet. Das Atoll hat meine Entwicklung als Maler maßgeblich beeinflusst.“

So sind in der Ausstellung neben den Serien aus vielen kleinen Werken auch mehrere große Motive zu sehen. Sie erinnern oft an Landschaften in der Natur: Vulkane, Berge, Seen. Eines dieser Bilder ist in einer Zeche im Ruhrgebiet entstanden. Dort durfte sich Christian Paulsen eine Wand aussuchen und ihre Struktur mit seiner Kohle auf Papier bringen. In der Ausstellung zeigt der Essener auch Fotografien, die er selbst vor allem als Skizzenbuch sieht, in dem er Ideen sammelt. Und auch bei den Fotografien verzichtet Paulsen auf Farbe – so bleibt die Ausstellung ganz und gar schwarz-weiß.

Die Ausstellung „...gezeichnet“ des Kunstvereins Gelderland mit Werken von Christian Paulsen ist bis zum 30. September zu sehen. Die Galerie PR, Schulstraße 8, hat geöffnet: samstags 14 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr und mittwochs 17 bis 20 Uhr.