Straelen: Auf du und du mit dem Pferd an der Seite

Straelen : Auf du und du mit dem Pferd an der Seite

Die Straelenerin Chris Wolf hat ein Buch geschrieben. Die amüsanten Zwiegespräche ermuntern zu einer guten Beziehungsarbeit.

Die Straelenerin Chris Wolf hat Neuland betreten. Damit ist nicht das Schreiben von Büchern gemeint. Das kennt sie schon. Allerdings drehten ihre Bücher sich bisher ums Business. Denn die Diplom-Psychologin arbeitet als Unternehmensberaterin, europaweit. Bis nach Nizza und Lissabon führte sie die Arbeit.

"Nur was erreicht, kann auch bewegen"heißt eines ihrer Bücher, das sich mit dem Thema Feedback beschäftigt, "Überzeugend leise", ist ein anderes. "Fachbücher, schwer zu lesen", lautet ihr Urteil. Das Buch, das sie zuletzt veröffentlicht hat, schrieb sich wie von selbst, sagt die 50-Jährige. Auf den ersten Blick beschäftigt es sich mit einer völlig anderen Materie, nämlich mit Pferden. "Die Luke-Chroniken" sind mit Fotografien verschiedener Fotografen und Illustrationen der Pferde-Zeichnerin Jean Abernathy gespickt. In dem Buch entspinnt die Autorin einen Dialog mit ihrem Pferd Luke. "Lukes Gedanken und Träume kann ich nur ahnen, fasse sie dennoch in Worte", schreibt Chris Wolf in ihrem Vorwort.

Der Leser begleitet die Straelenerin und ihren vierbeinigen Freund in ihren Alltag und nimmt am Gedankenspiel teil. "Die Luke-Chroniken ist da ein anderes Buch. Eines, das ganz ohne Happy End auskommt - wir sind stattdessen einfach im ganzen Verlauf glücklich", erklärt sie eingangs. Und es ist tatsächlich anders. Schnell wird deutlich, da geht es nicht um irgendein Pferdebuch, sondern um Beziehungsarbeit. "Luke darf auch sagen, was er nicht will", lautet eine Aussage von Chris Wolf. "Was will der Mensch, was will das Pferd, da eine Balance finden, wie das funktionieren kann", erklärt die Autorin anhand der Dialoge.

Die Reaktionen auf ihr Buch seien zwiespältig, sagt die Autorin. "Die eine Hälfte ist begeistert, die ähnlich denken wie ich." Die andere Hälfte sind die Leute, denen die Idee des Pferdes als "equine Person" zu provokant erscheint.

Für Chris Wolf ist ihr Pferd Luke weder Sportgerät noch Therapeut, sondern gleichwertiges Familienmitglied. "Die Frage, welches Bild ich vom Pferd habe, ist ganz wichtig", sagt die Autorin. Und auch, wenn sie immer Pferde um sich hatte, so muss sie nicht reiten, stellt sie klar. "Die Idee ist letztlich, dass Pferde unglaublich offene Tiere sind, die den Tag damit verbringen, den Menschen eine Verbindung anzubieten", erklärt die Straelenerin. Vorstellen könne man sich das wie bei Kindern, die zwar eine unterschiedliche Sprache sprechen, aber eben doch miteinander kommunizieren.

Das Thema ist in der Pferdeszene nicht neu. Der amerikanische Trainer Mark Rashid prägte den Begriff der "Softness". Dabei komme es darauf an, zu erkennen und zu respektieren, was der andere will, in diesem Fall: das Pferd. Der Russe Alexander Nevzorov geht sogar so weit, dass er das Reiten von Pferden generell ablehnt. "Wenn man sich das geschichtlich anschaut, ist es für die Pferde am schönsten, wenn sie auf der Wiese sind, in der Herde", erklärt Chris Wolf. Dennoch würde sie das Reiten nie verteufeln. "Das Buch ist nicht mit erhobenem Zeigefinger geschrieben", sagt die Autorin. Stattdessen will sie ermutigen, Dinge anders zu sehen und Neues auszuprobieren. Mit Luke klappt ihr Ansatz auf jeden Fall sehr gut. Beide sind glücklich. Und dieses wohlwollende Miteinander, dass lasse sich auch prima auf menschliche Beziehungen übertragen und funktioniere auch im Business.

(RP)
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