Bomben sollen an Grenze zum Kreis Kleve lagern Die Atomwaffen vor der Haustür

Niederrhein · Gleich hinter der Grenze sollen nukleare Bomben stationiert sein: auf der niederländischen Airbase Volkel. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht, doch es gibt eine Reihe von Hinweisen dafür.

 Eine F 16 über der Airbase in Volkel, noch in diesem Jahr sollen auch F-35-Maschinen nach Volkel kommen.

Eine F 16 über der Airbase in Volkel, noch in diesem Jahr sollen auch F-35-Maschinen nach Volkel kommen.

Foto: Roos/Maartje Roos

Der Krieg in der Ukraine und die unverhohlenen Drohungen von Wladimir Putin haben bei vielen die Angst geschürt, dass es zu einem Einsatz von Atomwaffen kommen könnte. Und das Thema ist in der Region besonders aktuell. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auf dem früheren RAF-Stützpunkt Laarbruch Atomwaffen gelagert worden sind. Spätestens, als The Sunday Telegraph 1998 enthüllte, dass 1974 eine Atombombe aus der Halterung gefallen sei, als sie auf dem RAF-Flugplatz in den Bombenschacht eines Kampfflugzeugs vom Typ Buccaneer geladen werden sollte, und beim Aufprall auf den Beton der konventionelle Teil der Bombe explodiert sei, war das kaum mehr zu verheimlichen.

Folgerichtig befindet sich im RAF-Museum am Airport auch heute noch eine Atombombe. Seit 2019 wird dort eine Nachbildung der Atombombe WE177 ausgestellt. Die Briten hatten während des Kalten Kriegs ihre nukleare Bewaffnung als geheim eingestuft. So wurde grundsätzlich keine Information gegeben, ob in den damals zahlreichen Stützpunkten am linken Niederrhein Nuklearwaffen gelagert wurden.

 Die Airbase ist nur 30 Kilometer von der Grenze entfernt.

Die Airbase ist nur 30 Kilometer von der Grenze entfernt.

Foto: GRAFIK: OSM, FERL

An dieser Geheimhaltung hat sich bis heute nichts geändert. Dabei gibt es Hinweise, dass ganz in der Nähe auch jetzt Atomwaffen stationiert sind. In der Region gibt es eine Reihe von Leuten, die davon überzeugt sind, dass im niederländischen Grenzgebiet Nuklearwaffen lagern. Konkret geht es dabei um die Militärbasis Volkel, die etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt idyllisch an einem Tierpark liegt. Selbst in dem Wikipedia-Eintrag zu dem Flughafen ist zu lesen, dass die USA dort taktische Atombomben vom Typ B61 lagern sollen.

Auf Anfrage beim Bundesverteidigungsministerium heißt es dazu: „Die Informationspolitik der Bundesregierung hinsichtlich der Nuklearstreitkräfte der Nato richtet sich aus Sicherheitsgründen an den Geheimhaltungsregeln des Bündnisses aus. Detaillierte Informationen zur nuklearen Teilhabe unterliegen der Geheimhaltung. Daher können wir zu den von Ihnen angefragten Details keine Angaben machen“, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Er verweist auf die offiziellen Verlautbarungen des Ministeriums zu Nuklearwaffen: „So lange nukleare Waffen ein Mittel militärischer Auseinandersetzungen sein können, besteht die Notwendigkeit zu nuklearer Abschreckung nach Überzeugung der Bundesregierung fort. Die Fähigkeit der Nato zur glaubwürdigen Abschreckung und Verteidigung bewahrt die politische Handlungsfreiheit, indem sie vor militärischer Erpressung schützt.“

Auf Geheimhaltung berufen sich auch die niederländischen Streitkräfte. Aufgrund der Absprachen innerhalb der Nato mache man grundsätzlich keine Angaben über die Stationierung von Nuklearwaffen, so der Presseoffizier der Airbase Volkel. Immerhin teilt der Presseoffizier mit, dass aktuell F-16-Jagdbomber auf dem Gelände stationiert sind. Die sollen im Juni durch F-35-Flugzeuge abgelöst werden. Und eben diese F 35 sind gerade in der Diskussion, weil auch Deutschland dieses Flugzeug anschafft, um künftig im Kriegsfall Atombomben ins Ziel fliegen zu können.

In einem BBC-Beitrag von 2013 spricht der frühere niederländische Ministerpräsident Ruud Lubbers davon, dass 22 Nuklearwaffen in den Niederlanden stationiert seien. Auch er nennt die Airbase Volkel. Die Waffen seien unterirdisch auf dem Luftwaffenstützpunkt gelagert worden. Die Zeitung Telegraaf zitierte Experten mit der Aussage, dass es sich bei den in Volkel befindlichen Waffen um B61-Bomben handele, die in den 1960er Jahren in den USA entwickelt worden seien. Mit 50 Kilotonnen sind sie viermal so stark wie Atombomben, die am Ende des Zweiten Weltkriegs auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki geworfen wurden.

 Hier ist die Atombombe zu sehen, die im RAF Museum am Airport Weeze ausgestellt wird.

Hier ist die Atombombe zu sehen, die im RAF Museum am Airport Weeze ausgestellt wird.

Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)

Dass früher Atombomben auf dem Militärflughafen gelagert wurden, ist für Heinz Willi Knechten keine Frage. „Von 1960 bis 1990 hatten die Briten hier Nuklearwaffen“, erzählt der Mann, der das RAF-Museum am Flughafen betreut. Nach dem Golfkrieg seien die Tornados von Weeze abgezogen worden und damit auch die Atombomben.

Zwei Flugzeuge hätten immer komplett ausgerüstet mit zwei WE177-Atombomben auf der Basis gestanden. Innerhalb von zehn Minuten hätten die Maschinen zu einem nuklearen Gegenschlag starten können. Mit Transportflugzeugen seien die Bomben nach Weeze gebracht worden. Die hätten in etwa dort gelagert, wo heute die Photovoltaik-Anlage am Flughafen steht. Die Piloten hätten dort dann quasi rund um die Uhr Dienst gehabt, um sofort starten zu können, und seien in regelmäßigem Turnus abgelöst worden.

 Flugplatz Volkel in den Niederlanden, hier sollen Atomwaffen stationiert sein.

Flugplatz Volkel in den Niederlanden, hier sollen Atomwaffen stationiert sein.

Foto: grafik

Da die Atombombe auch mit zur Geschichte des Flughafens Laarbruch gehöre, habe man sich auch darum bemüht, ein Exemplar für die Ausstellung im Museum zu bekommen. 2019 bekam Weeze tatsächlich über die Royal Air Force eine Nachbildung der WE177. Die Bombe wurde im Stützpunkt in England als Sitzgelegenheit genutzt. Der Sprengkörper wiegt 300 Kilogramm und ist drei Meter lang.