Arna Aley ist "Translator in residence" in Straelen

Literatur in Straelen : Arbeiten an einem „utopischen Ort“

Arna Aley ist im ersten Quartal 2020 „Translator in residence“ im von ihr geliebten Europäischen Übersetzer-Kollegium. Die Frau aus Litauen ist Wahl-Berlinerin. Sie ist in dem Haus in Straelen mit gleich drei Projekten beschäftigt.

Die Litauerin Arna Aley, verfügt über viele Talente. In den ersten drei Monaten dieses Jahres arbeitet die Wahl-Berlinerin als „Translator in Residence“ im Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen an der Kuhstraße an ihren aktuellen Projekten „Antidepressiva“ (Roman), „Teritorija“ (Drehbuch) und an der Übersetzung von „Mütter und Söhne“ von Matas Vildžius für den Heidelberger Stückemarkt 2020. Für Aley ist es der zweite Aufenthalt in Straelen.

Geboren und aufgewachsen ist sie in Panevežys in Litauen, einer Stadt, die vor allem durch zwei Extreme geprägt war. Auf der einen Seite gab es sehr viel Industrie, auf der anderen Seite das Juozas-Miltinis-Dramatheater, das weit über die Grenzen Litauens bekannt war. Durch ihre Mutter, die das Kulturamt der Stadt leitete, das im selben Gebäude wie das Theater untergebracht war, entwickelte Arna Aley eine große Liebe zum Theater. „Auf ganz natürliche Weise“, wie sie betont. „Daher wollte ich mich lieber in Richtung Kultur entwickeln als in Richtung Industrie.“

Sie wechselte mit 15 Jahren an das Musikkonservatorium und studierte später sehr erfolgreich Violoncello an der Akademie für Musik und Theater in Litauens Hauptstadt Vilnius. Als sie 25 war, besuchte Arna Aley zwei Wochen lang einen Freund in Berlin und blieb für immer: „Ich sah die Universität der Künste und dachte: Das hier ist mein Platz! Und das, obwohl ich kaum ein Wort deutsch gesprochen habe.“

Sie lernte die fremde Sprache in nur einem Jahr und holte ihr Fachabitur nach. Danach bewarb sie sich an der Universität der Künste für den Studiengang Szenisches Schreiben: „Ich hatte einen Monat Zeit, um ein Theaterstück zu analysieren und drei Szenen zu schreiben. Ich wählte eine Kunstsprache. Schon im Januar zu meinem Geburtstag bekam ich einen Anruf, dass ich angenommen worden war. Ohne mündliche Prüfung.“

Arna Aley lebt heute als Autorin, Übersetzerin und Regisseurin in Berlin. Ihre Theaterstücke werden durch den Verlag Felix Bloch Erben vertreten.

An ihrem Aufenthalt im EÜK an der Kuhstraße in Straelen schätzt die Litaurerin nicht nur die besonderen Arbeitsmöglichkeiten, sondern vor allem auch den Kontakt zu den Übersetzern aus aller Welt. „Übersetzer sind Menschen, die sich zurücknehmen können, ihr Ego zurückfahren, um nicht die eigenen Ambitionen, sondern die Sache – den Text – in den Vordergrund zu stellen. Sie haben zwei Kulturen verinnerlicht und denken in zwei Sprachen. Für mich ist das der Prototyp der modernen Zukunftsgesellschaft, weil hier im Haus keine Konflikte entstehen. Wenn Politiker das könnten, könnte man die Welt verändern. Deshalb ist das Übersetzer-Kollegium für mich ein utopischer Ort.“