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Geldern: Anwohner fühlen sich von Stadt übergangen

Geldern : Anwohner fühlen sich von Stadt übergangen

An der Kettelerstraße in Geldern sollen Bäume gepflanzt werden. Einige Nachbarn hätten das gerne verhindert. Stadt sieht sich im Recht.

Jürgen Varsbutter ist sauer. Wegen der Bäume, die er nicht wollte. Die Nachbarschaft übrigens auch nicht, sagt der Anwohner der Kettelerstraße in Geldern.

Alles begann mit einem Brief, den Varsbutter Mitte Februar bekam. "Wir beabsichtigen, in Ihrer Straße die Gas- und Wasserversorgungsleitungen zu erneuern", schrieben die Stadtwerke. In einer Woche solle es losgehen. Bauzeit: vier Monate. Es wurden acht.

Denn wenig später meldete sich Bürgermeister Ulrich Janssen per Post: Jetzt, wo die Stadtwerke eh bauten, habe die Verwaltung beschlossen, die Fahrbahndecke zu erneuern. Im Zuge der Arbeiten würden zudem sieben Bäume gepflanzt. "Gerne lade ich Sie im Spätsommer zu einer Anliegerveranstaltung ein, damit gemeinsam die Baumart festgelegt werden kann", schrieb Janssen in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt.

Doch die Einladung kam nie. Stattdessen meldete sich Janssen vor zwei Wochen erneut. Die Arbeiten seien Ende Oktober erledigt. Die Anwohner sollen sich doch bitte per Briefwahl zwischen Eisenholzbaum und Scharlach-Kirsche entscheiden. Varsbutter traute seinen Augen nicht.

Die Kettelerstraße ist ein beschauliches Fleckchen am ruhigen Rand des Barbaraviertels. Die Reihenhäuser sind niedrig, der Platz vorm Haus großzügig. Jürgen Varsbutter wohnt an der Einmündung zur Lutherstraße. Genau hier, vor seiner Haustür, soll einer der sieben Bäume stehen. "Die setzen uns hier einfach so ein Ding hin", sagt er. Das Beet ist schon in die Straßendecke eingelassen. Über den Baum wird noch bis November abgestimmt.

Zum Ortstermin warten seine Frau Kirsten sowie Günter Claßen und Willi Beinhoff vorm Haus. Die Baumbeete nehmen wichtigen Parkraum, klagen sie. Und: "Wer macht denn die Blätter weg?", fragt Varsbutter.

Und wenn die Bäume erstmal ausgewachsen seien, "dann sehen Sie von dem Haus nichts mehr" - die Krone eines Eisenholzbaums kann bis zu sieben Meter breit werden. Nicht zuletzt geht es darum, dass sie das Gefühl haben, nicht gefragt worden zu sein, was vor ihrer Haustür passieren soll. "Das geht doch nicht", sagt Günter Claßen, "die müssen uns doch einbinden."

Letzterem möchte die Stadt keinesfalls widersprechen. Stadtsprecher Herbert van Stephoudt räumt ein: "In der Tat ging das alles sehr plötzlich." Die Stadt habe, als die Stadtwerke ihre Pläne offenlegten, beschlossen, gleichfalls zu handeln, wenn doch die Straße ohnehin aufgerissen werde. Das spare Kosten. Die Baumbeete seien eingerichtet worden, um "mehr Grün in die Stadt zu bringen", so van Stephoudt. Man folge einem Ratsbeschluss.

"Wir haben hunderte Bäume in Straßen stehen", sagt Frank Hackstein, der das Tiefbauamt leitet. "in der Kettelerstraße ist das keine besondere Situation, nur eine neue." Zum Parken sei noch Platz genug, sagt Hackstein. "Natürlich hat niemand den Anspruch auf einen Stellplatz unmittelbar vor seiner Tür."

Richtig sei, dass die Anwohner künftig die Blätter vor den Haustüren wegfegen müssten. Dafür zahlten sie aber auch keine Gebühren für die Straßenreinigung. Und besonders hoch oder breit würden die Bäume ohnehin nicht, beschwichtigt Hackstein. Dafür fehle in den engen Beeten der Raum.

Dass es zur angekündigten Anliegerversammlung nie kam, bestätigt die Stadt. Die Briefwahl habe sich als profunderes Mittel erwiesen. 20 Rückläufer gebe es schon. "Das zeigt, dass das Konzept angenommen wird", meint Hackstein. Jürgen Varsbutter sieht das anders: Eisenholz oder Kirsche - abstimmen werde er nicht.

(RP)