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Geldern: Anklage: Mutter als Dealerin

Geldern : Anklage: Mutter als Dealerin

Am Dienstag vor dem Amtsgericht: Einer mehrfachen Mutter wird vorgeworfen, Marihuana an Jugendliche, Heranwachsende und möglicherweise an die eigenen Kinder verkauft zu haben. Sie selbst konsumiert aber nicht.

Erst streitet die Angeklagte alles ab. Dann kommt Aussage auf Aussage, Zeuge auf Zeuge: Polizisten, eine Nachbarin, junge Konsumenten aus der Kifferszene — mit höchst unterschiedlichen Beobachtungen. Darunter auch solche, die laut eigener Aussage nicht mehr konsumieren. Was übrig bleibt nach fünfstündiger Verhandlung vor dem Gelderner Amtsgericht ist neben dem noch ausstehenden Urteil (siehe "info") die Tatsache, dass ein Teil der Zeugen während des Tatzeitraumes entweder komplett dauer-benebelt war. Probleme mit der Wahrheit hat. Oder die Angeklagte schützen will.

Denn um die geht es. In der Gelderner Innenstadt soll die Endvierzigerin laut Anklage von Mai 2009 bis März 2011 einen schwunghaften Handel mit Marihuana betrieben haben. Dabei wird ihr vorgeworfen, die Droge an Jugendliche, Heranwachsende und sogar die eigenen Kinder verkauft zu haben. Das glaubt jedenfalls die Staatsanwaltschaft, die deshalb die Anklage wegen Abgabe, Verabreichung und Überlassung von Betäubungsmitteln aufgesetzt hat. Zwei Zeugen haben gestern sogar den Verkauf an einen der Söhne bestätigt.

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Die Angeklagte selbst kifft übrigens nicht.

Was zwischenzeitlich an Aussagen der (Ex-)Konsumenten zu hören ist, lässt die Zustände in der vermüllten Innenstadt-Mietwohnung zu jener Zeit erahnen. Teilweise ist von einem "Taubenschlag" die Rede, weil der Nachwuchs sich hier nicht nur mit "Gras" eindeckte. Sondern vor allem am Wochenende auch tüchtig und derbe gefeiert haben soll. Und zwar so laut, dass eine Nachbarin, die ständig Marihuana-Geruch im Treppenhaus hatte, letztendlich die Polizei verständigte. Und die hatte die Frau später dann an der NL-Grenze mit der Droge geschnappt.

Die Angeklagte gab schließlich unter dem Druck der Zeugen nach einer Verhandlungspause zumindest zu, dass sie in einigen wenigen Fällen zum Marihuana-Kauf in die Niederlande — und nach dem Polizei-Aufgriff nach Krefeld — gefahren sei. Hunderte solcher Trips, die ihr die Staatsanwaltschaft vorwirft, stritt sie aber ab. Die Drogen habe sie dann an den Freundeskreis eines ihrer Söhne verkauft, gab sie zu. An die eignen Kinder aber nicht.

Als Motiv dürfen wohl Geldnöte angenommen werden, da die mehrfache Mutter öfter den Job wechselte und nicht immer in Vollzeit arbeitete. Mit Arbeitslosen- und Kindergeld hat sie laut Befragung durchs Gericht nur etwas mehr als 1000 Euro im Monat netto gehabt. 700 Euro seien für Miete oder Strom aber direkt wieder draufgegangen.

(RP)