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Angeklagter bekam eine nur geringfügig niedrigere Strafe.

Verhandlung am Landgericht : Drogen-Hilfskoch erneut verurteilt

Es gab am Dienstag ein Revisionsverfahren für einen an einem Wachtendonker Rauschgiftlabor Beteiligten. Die Strafe fiel für den Mann nur etwas niedriger aus als bei dem ersten Verfahren.

Als Spezialeinsatzkräfte und eine Hundertschaft der Polizei im April 2018 einen alten Bauernhof in Wachtendonk durchsuchten, entdeckten sie eine professionelle Drogenküche mit acht Kochstellen. Amphetaminöl, aus dem sich die pulverförmige Aufputschdroge Amphetamin (auch „Speed“ genannt) herstellen lässt, war dort in großem Stil produziert worden.

Mehrfach hat sich das Klever Landgericht seitdem mit dem aufgeflogenen Labor beschäftigt, in dem innerhalb von knapp vier Monaten wohl Amphetaminöl für einige Tonnen der fertigen Droge herstellt wurde. Auch am Dienstag landete die Sache wieder vor dem Landgericht: Einer der sechs Angeklagten, die im ersten Prozess zu Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt worden waren, war gegen sein Urteil erfolgreich in Revision gegangen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil und die Feststellungen hinsichtlich der Beteiligung des heute 23-Jährigen aus Krefeld auf, der im ersten Prozess eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten bekommen hatte.

Wesentliche Auswirkungen auf die Freiheitsstrafe hatte die erneute Verhandlung jedoch nicht: Der 23-Jährige wurde diesmal zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt, und zwar wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Damals war er noch wegen Täterschaft, nicht wegen Beihilfe verurteilt worden.

Der Angeklagte, der im Tatzeitraum in einer Hütte neben dem Vierkanthof gelebt hatte, legte am Dienstag erneut ein Geständnis ab: Er habe zunächst als Gartenbauhelfer für die Söhne der Hofbesitzerin gearbeitet und sei dann von dem älteren Sohn gefragt worden, ob er auch mit der Herstellung von Amphetamin Geld verdienen wolle. Fortan habe er zunächst Hilfsarbeiten erledigt, später dann auch unter Anleitung selbst gekocht. Dafür habe er üblicherweise 1000 Euro pro Woche erhalten. „Der Grundstoff stinkt furchtbar. Schutzkleidung hatte ich nicht wirklich“, berichtete der Angeklagte. Die Chemikalien im Drogenlabor hätten auf seine Lunge geschlagen, auch Kopfschmerzen habe er öfter gehabt. Zudem sei sein Verschleiß an Schuhen enorm hoch gewesen, da die Chemikalien die Sohlen abgelöst hätten.

Sein früherer Chef, der ältere Sohn der Hofbesitzerin, sagte am Dienstag im Zeugenstand über den ehemaligen Gehilfen: „Er ist keiner gewesen, der Nein sagt, auch auf der Baustelle. Er ist ein korrekter Junge, und es tut mir ehrlich leid, dass ich ihn da reingezogen habe“, so der bereits rechtskräftig verurteilte Zeuge.