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Andreas und Renate Janicke laden zu Herbst-Art nach Geldern ein

Herbst-Art 2020 : Ein Garten voller Kunst und Kuchen

Das Ehepaar Janicke aus Geldern lädt am Wochenende zur Herbst-Art ein. 20 Künstler aus Deutschland und den Niederlanden stellen in ihrem Garten ihre Arbeiten aus — und müssen jeweils zwei Kuchen mitbringen.

Tiere mit Hörnern haben es ihm angetan – ganz besonders Stiere. „Die haben so schöne Augen“, sagt Christoph Goldberg, der für seine Arbeiten am liebsten Stahl oder Edelstahl verwendet. Ein paar seiner tonnenschweren Skulpturen sind am Wochenende in Geldern zu sehen. Renate und Andreas Janicke laden wieder zu ihrer privaten Kunstausstellung bei sich zu Hause in ihrem Garten ein.

Immer am letzten Septemberwochenende findet seit 2012 die „Herbst-Art“ statt. Goldberg ist einer von 20 Künstlern unterschiedlichster Genre, die ihre Arbeiten präsentieren dürfen. Es ist sein mittlerweile dritter Besuch. „Ich liebe die Veranstalter und ich liebe die Ruhe, die an diesem Ort herrscht“, erzählt er. Genau der richtige Platz für seine meditativ anmutenden Werke.

Das Ehepaar Janicke ist das, was man kunstaffin nennen kann. Beide sammeln Kunst – ob fürs Haus oder für den Garten. Zufällig war das erste Kunstwerk, das sich Janicke angeschafft hat ein stilisierter Stier, allerdings von der Künstlerin Sandra Geruschkat. Er selbst sei mache auch Kunst, baut meterhohe Steinmänner. Doch um ihn soll es bei der Ausstellung nicht gehen, sagt er, sondern um die Künstler, die er und seine Frau kuratieren und die sich auf rund 6000 Quadratmetern ausbreiten dürfen. Janicke versteht sich als Mäzen, der andere an seiner Leidenschaft teilhaben lassen möchte. „Wir wollen Künstler und ihre Kunst fördern, ohne dass sie dafür etwas geben müssen“, sagt Janicke. Deshalb erhebe er weder eine Standgebühr noch erwarte er eine Provision. „Das einzige, was alle Künstler mitbringen müssen, ist ein Kuchen pro Tag.“ Das hat er sich bei einem befreundeten Künstler abgeschaut. Macht bei 20 Künstlern 40 Kuchen, die sich die Besucher an dem Wochenende schmecken lassen können. Bezahlen soll jeder das, was er für anständig hält. Es gibt auch keine Wertmarken oder Preislisten, lediglich Empfehlungen. Auch das ist Teil des Konzepts. Zum Abschied treffen sich alle Künstler noch zu einem gemeinsamen Essen, das das Ehepaar Janicke mit ihren Freunde für sie vorbereitet. „Kein Künstler soll bei uns hungrig nach Hause gehen.“

Jedes Jahr versuchen die beiden, neue Künstler für die Ausstellung zu gewinnen. Manchmal gelinge das nur mit Hartnäckigkeit. Zwei Jahre hat er gebraucht, um die Düsseldorferin Felicitas Lensing-Hebben von einem Besuch zu überzeugen. Für ihre figürlichen Arbeiten verwendet sie vornehmlich hoch gebrannte Tonerde, vereinzelt auch Bronzeguss. Thematisch geht es meistens um Schein und Sein, um die innere Haltung und wie sich Menschlichkeit bewahren lässt. „Das ist ein geradezu mystischer Ort hier“, sagt sie, als sie im Garten ihre Skulpturen aufstellt.

Janicke kann nicht verhehlen, dass er sich vor allem Künstler einlädt, die ihn persönlich ansprechen. Ein Freund meinte mal zu ihm: „Der Wein ist gut, der dir schmeckt.“ Das Motto habe er übernommen: „Die Kunst ist gut, die dir gefällt.“ Und anscheinend gefällt sie auch anderen. Im vergangenen kamen etwa 400 Besucher pro Tag. Ob es in der Corona-Zeit genauso viele sein werden, kann Janicke nicht sagen. Der Frauenchor „Art & Weise“ wird diesmal jedenfalls nicht auftreten. „Wegen der Abstandsregeln konnten sie nicht proben“, erzählt Janicke. Stattdessen wird Ludger Wirsig aus Potsdam die Besucher mit Klavier, Hang und Gubal verzaubern.