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Am Berufskolleg in Geldern herrschen besondere Bedingungen.

Wegen Corona-Regeln : Für die Prüfung in die Sporthalle

Acrylscheiben, Laufmarkierungen, Sitzordnungen: Mit viel Aufwand nimmt das Berufskolleg in Geldern sukzessiv den Schulalltag wieder auf. So können auch die Abschlussprüfungen durchgeführt werden – in besonderer Atmosphäre.

Als Christina Masthoff am Dienstag um 8.40 Uhr am Berufskolleg in Geldern ankommt, trägt sie noch keine Maske. Sie ist angehende Fachabiturientin im Bereich Maschinenbautechnik. In 20 Minuten soll sie ihre dritte Abiturprüfung schreiben. Deutsch steht auf dem Programm. Bevor es gleich losgeht, steht die 19-Jährige mit ihren Mitschülern in einem großen Kreis vor der Sporthalle. Ein großer Kreis, weil so der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Und vor der Sporthalle, weil hier in diesem Jahr die Abitur- und Abschlussprüfungen des Berufskollegs durchgeführt werden. Was sonst in der Aula oder den sonst dafür gedachten Räumen funktioniert, muss aufgrund der Corona-Regeln in der Sporthalle geschehen.

Innen sind die Sprossenwände eingefahren, die Weichbodenmatten im Geräteraum verstaut und der gesamte Boden mit grau-rotem Filzteppich ausgelegt. Wenig erinnert momentan an die eigentliche Nutzung der Sporthalle.

Beim Betreten der Halle müssen alle angehenden Abiturienten ihre Maske aufsetzen. Christina natürlich auch. Erst wenn sie ihren nach Sitzordnung festgeschriebenen Platz, der in diesem Jahr nicht nur zum Schutz vor Täuschungsversuchen besonders weit weg von den anderen Tischen steht, gefunden und eingenommen hat, darf sie die Maske abnehmen. Zum Glück, wie sie erzählt: „Meine Vorabiklausur in Mathe habe ich noch komplett mit Maske schreiben müssen. So war es mit der ganzen Atmosphäre am Anfang schon auch noch komisch, aber es hat besser funktioniert, als ich es erwartet hatte“, erklärt Christina.

Während der 3,5-stündigen Prüfung fühlt es sich für die Schülerin dann fast schon wie eine Abiturprüfung unter ganz normalen Bedingungen an. „Nur beim Aufstehen – also für Fragen oder um auf Toilette zu gehen – durfte man natürlich nicht vergessen, seine Maske aufzusetzen. Das war aber alles machbar.“ Für Schüler, die der Risikogruppe angehören, hat das Berufskolleg die Kabinen und Räume der Schiedsrichter eingerichtet. Durch die Glasscheibe können die Schüler beobachtet werden, kommen aber mit niemand anderem in Kontakt.

Schulleiter Andreas Boland freut sich, dass der Schulbetrieb trotz der widrigen Umstände sukzessiv wieder aufgenommen werden kann – und auch die Abschlussprüfungen in allen Bereichen des Berufskolleg absolviert werden können: „Dazu gehören die Abiturklausuren, aber natürlich zum Beispiel auch die Abschlussprüfungen der dualen Berufsausbildungen“, erklärt Boland. Für 120 Personen ist die umfunktionierte Sporthalle momentan geeignet. Genug Platz, um im Juni auch die Prüfungen der IHK oder der Handwerkskammer durchzuführen. „Jeder von uns würde gerne zurück zur Normalität, das ist klar. Aber ich bin sehr froh, dass sich alle bei uns am Berufskolleg so weit wie möglich an die Regeln halten und unser Konzept so gut annehmen“, ergänzt der Schulleiter.

Natürlich musste das Berufskolleg auch im Schulalltag – außerhalb der Sporthalle – weitreichende Maßnahmen ergreifen, um einen Teil seiner Schüler wieder unterrichten zu können. Alle Lehrer und Räume sind mit Desinfektionsmittel ausgestattet, im gesamten Gebäude gilt die Maskenpflicht, auf dem Boden weisen Markierungen auf die Laufrichtung in den Gängen hin, und an einigen Pulten sind Schutzscheiben angebracht worden. So könne man aktuell 350 Schülern von sonst gewöhnlich etwa 1000 Schülern pro Tag den Unterricht vor Ort gewähren. Alle weiteren Schüler befinden sich momentan noch im Home Schooling. „Durch unsere technische Infrastruktur mit Programmen wie Moodle und Logineo hat das – mit Startschwierigkeiten in der ersten Woche – bislang super funktioniert.“

Es gebe in dem Bereich „Home Schooling“ aber auch Probleme. Zum einen bräuchten viele Schüler den direkten Umgang mit den Lehrern vor Ort, und zum anderen hätten nicht alle den technischen Standard — wie Laptops, Wlan oder gar Internet – zu Hause zur Verfügung: „Wir planen schon länger, neue digitale Ausstattungen für unsere Schüler zu kaufen und sie mit den nötigen Geräten zu versorgen – die Pläne dafür gab es bereits vor Corona“, erklärt Boland. „Das Vorhaben wird nun aber sicherlich nochmal an Fahrt aufnehmen.“