Geldern: Als im Kino konfirmiert wurde

Geldern : Als im Kino konfirmiert wurde

Frauen erzählen von Geldern direkt nach dem Krieg. Auswendiglernen beim Religionsunterricht und strenge Pfarrer. Doch es gab auch viele gemeinsame Erlebnisse beim Wechsel ins Erwachsenenalter.

Die Konfirmation ist einer der wichtigsten religiösen Momente im Leben eines evangelischen Christen. Aber haben sich innerhalb der Jahre die Anforderungen an die Jugendlichen geändert, die an diesem wichtigen Prozess teilnehmen? Und wenn ja, auf welche Weise? All dies wurde beim Abend "Frau trifft Kirche" diskutiert.

Pfarrerin Sabine Heimann begann mit einer Worterklärung: "Konfirmation, das kommt von dem lateinischen 'confirmare', etwas festigen. Es könnte auch bedeuten 'sich festigen'. Denn wir nennen die Konfirmation auch 'nachgeholten Taufunterricht'. Denn jetzt, wo der Jugendliche erwachsen wird, kann er sich selbst mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen, Fragen stellen und soll auch selber die Antworten darauf finden, wie er zur Religion steht." Die Teilnehmerinnen erinnerten sich in der kleinen, aber sehr engagierten Diskussionsrunde an ihre Erlebnisse.

"Es war kurz vor der Währungsreform Ende der 40er Jahre", erzählte Inge Böttinger. "Es war eine sehr schlechte Zeit, man konnte nichts kaufen." Durch Zufall kam sie an einen Bezugsschein für Stoff. "Eine Bekannte machte mir dann ein wunderschönes Kleid daraus. Bei der eigentlichen Konfirmation wurden wir noch extrem geprüft, ob wir denn auch alles auswendig gelernt hatten, denn man musste Texte, Lieder und noch einiges mehr kennen. Es war alles sehr strikt, und wenn man mal wegen etwas lachte, musste man zur Strafe einige Seiten abschreiben." Eine Teilnehmerin berichtete von einem Moment, der ihr als Wechsel ins Erwachsenenalter in Erinnerung blieb: "Damals bei der Konfirmation durfte ich zum ersten Mal fleischfarbene Seidenstrümpfe tragen. Es war auch das erste Mal, dass man beim Abendmahl dann mit dem Wein einen Schluck Alkohol trinken durfte."

In den 40er Jahren war in Geldern noch viel zerstört, weshalb es eine kleine Notkirche auf dem Ostwall gab. Die war aber für viele Veranstaltungen zu klein, weshalb die Konfirmation im Kino durchgeführt wurde, das damals schon stand. Es wurden in der Themen-Runde noch mehr Erinnerungen zu Tage gefördert: "Damals wurde gerade die evangelische Kirche hier gebaut. Als zum ersten Mal dort die Konfirmation stattfand, haben die Frauen Buchsbaumkränze gebunden, damit der Rohbau schöner aussah. Alles war improvisiert."

Im Gegensatz zu den strengen christlichen Lehrmethoden der 40er bis 60er Jahre hatte Pfarrerin Sabine Heimann bei ihrem "nachgeholten Taufunterricht" eine ganz andere Erfahrung: "Wir hatten einen Pfarrer, der war frisch von der Uni. Bei dem mussten wir nichts auswendig lernen, und es wurde auch nichts geprüft. Es ging mehr um das gemeinsame Erleben des Glaubens, als ich 1973 in Essen konfirmiert wurde."

Eine ähnliche Richtung schlagen laut Heimann auch die aktuellen Methoden ein: "Wir bemühen uns nicht nur, viel zusammen zu machen, sondern auch bereits Konfirmierte einzubinden. Die angehenden ,Konfis' mögen es, wenn Jugendliche Gruppen leiten und mit ihnen zusammen arbeiten. Das ist für alle gut: Die Jüngeren sehen, dass es für sie ein Übergang in eine neue Zeit ist, und die Älteren machen so den Schritt in eine neue Rolle und tragen nun mehr Verantwortung."

Zum Abschluss beschäftigte sich jeder bei einer kurzen Präsentation mit seinem Konfirmationsspruch, den er anschließend den anderen vorstellte. "Ich fand es sehr schön, so die eigenen Erlebnisse mit der Konfirmation zu vertiefen", lobte Teilnehmerin Elisabeth Streck den Abend. "Der Glauben wird im Leben viel mehr verankert, wenn man sich öfter damit beschäftigt."

(cnk)
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