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Achterhoek: Judith Schelbergen lebt mit ihrer Familie auf einem alten Hof

Serie „So wohnt das Gelderland“ : Lebensaufgabe Hofumbau

Judith Schelbergen lebt mit ihrer Familie auf einem alten Hof im Achterhoek. Da, wo in früherer Zeit Schweine und Kühe standen, sind in jahrelanger Arbeit Wohnhaus und Atelier entstanden.

Das Backsteinhaus am Hungerwolfsweg, zwischen Rapsfeldern und wilden Wiesen, in dem Judith Schelbergen lebt, ist ihre Lebensaufgabe. „Und nicht nur meine“, sagt sie. „Dieses Haus war schon die Lebensaufgabe von vielen Menschen vor mir.“ Wie alt die Gebäude des alten Bauernhofs sind, ist nicht bekannt. In Familienbesitz ist das Grundstück seit 1909. Schon Judith Schelbergens Urgroßonkel hat dort gelebt und Landwirtschaft betrieben, Äcker bestellt, Schweine und Kühe gehalten.

Seit 15 Jahren ist es nun die Heimat von Judith Schelbergen, ihrem Mann Mario und Sohn Aaron. Und seitdem ist hier viel passiert. Das heutige Wohnhaus der drei war früher einmal eine offene Scheune. Im Jahr 2000 haben sie mit dem Umbau begonnen. Sie mussten Bäume aus dem Boden ziehen, das Dach abdecken und neu wieder aufbauen, eine komplette Wand um einen Meter nach hinten versetzen, weil sich das Nachbarschaftsrecht geändert hatte. „Also haben wir alle Steine einzeln abgetragen, geputzt, wieder aufgebaut“, sagt Judtih Schelbergen. „Ich war damals hochschwanger und habe jeden Tag Steine geschrubbt.“

Der weitläufige Garten auf dem Grundstück der Schelbergens bietet die Gelegenheit, sich hinzusetzen und die Landschaft zu genießen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Mühe hat sich gelohnt: Nach drei Jahren Bauzeit ist hier ein Wohnhaus entstanden voller Besonderheiten und Erinnerungsstücke. Gleich hinter der Eingangstür liegt ein besonderer Boden: Rostrote Klinkersteine, die beim Umbau übrig geblieben waren, haben die Schelbergens hier verlegt. „Ich habe eigentlich immer von einem alten Dielenboden geträumt“, sagt Judith Schelbergen. „Aber nach zwei Jahren Bauzeit gingen unsere Mittel zu Ende, und aus der Not haben wir dann etwas Tolles gezaubert.“

Viele schöne Details sind zu entdecken. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Eine besondere Geschichte hat auch die Tür, die den Flur vom Wohnbereich trennt. Das schmiedeeiserne Tor mit buntem Glas und dem Schriftzug „Van Issum“ ist schon lange im Besitz der Familie Schelbergen. Zwischenzeitlich war die Tür verschollen und in einem Gebäude auf der Issumer Straße in Geldern eingebaut. Irgendwann stand die Tür aber wieder zum Verkauf, und Mario Schelbergen holte das Erbstück zurück in die Familie.

Auch die Einrichtung passt zum alten Gebäude. Die Küche ist im Landhausstil gehalten: weiße Fronten, ein hölzernes Buffet für Geschirr. Im Wohnzimmer stehen neben Perserteppich und weißen Sofas alte Schränke, die Judith Schelbergen fast alle in Antiquitätenläden und auf Flohmärkten entdeckt hat. Im Gäste-WC verwirklicht Judith Schelbergen sich den Traum von einer Bilderwand, mit Fotografien von den Beatles, David Bowie und Queen.

In dem alten Backsteinhaus kommt es zu einer ganz besonderen Wohnatmosphäre. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Im Schlafzimmer von Judith und Mario Schelbergen gibt es zudem ein Fenster, rund mit buntem Glas, mit spezieller Geschichte. Die Familie hatte es günstig bei einem antiken Baustoffhändler gekauft. Doch um das runde Fenster einzuarbeiten, wollten Maurer und Verputzer einen Aufschlag. Am Ende, sagt Judith Schelbergen, war es ein ziemlich teures Fenster.

Der dreijährige Umbau der Scheune zum Wohnhaus war aber noch lange nicht das Ende. 2013 haben die Schelbergens die zweite Scheune, in der früher mal Kühe und ein Ackergaul standen, zu einem Atelier umgebaut – die Kreativschmiede. Die gelernte Zahntechnikerin hat sich nämlich vor einigen Jahren mit ihrer Kunst selbstständig gemacht, unterrichtet an einer Schule und gibt in ihrem eigenen Atelier Kurse.

Fertig sind die Schelbergens aber noch immer nicht. Das eigentliche Wohnhaus, in dem früher Judith Schelbergens Familie gelebt hat, dient derzeit nämlich als Lager für ihre Kunstmaterialien. Nach und nach wollen sie das alte Haus umbauen, unterm Dach haben sie bereits begonnen. Vielleicht wird Sohn Aaron hier eines Tages einziehen. Denn der will, wie er selbst sagt, gar nicht weg von zu Hause.

Das kann Judith Schelbergen gut verstehen. Wenn sie mal eine ruhige Minute hat, setzt sie sich am liebsten nach draußen auf die Terrasse oder in den Garten, zwischen Feldern und Wiesen, und bewundert ihr Haus, ihre Lebensaufgabe.