Abschlussbericht zur Sportentwicklungsplanung Geldern

Konzept: Volltreffer für den Gelderner Sport

Fachausschuss hört Abschlussbericht zur Sportentwicklungsplanung. Experten des Instituts für Sportmanagement und Sportmedizin der Hochschule Koblenz haben viele Empfehlungen. Rolle des Stadtsportverbandes stärken.

Professor Lutz Thieme beherrschte durchaus das Geplänkel im Mittelfeld. „Sport hat in Geldern einen hohen Stellenwert“, formulierte der Wissenschaftler vom Institut für Sportmanagement und Sportmedizin der Hochschule Koblenz. Das Angebot sei breit und vielfältig, und die Stadt unterstütze den Sport in hohem Maße. Doch um dieses Dreieck zu erhalten, müssen die Verantwortlichen im Rathaus, in der Politik und in den Vereinen einiges tun. Der Abschlussbericht zur Sportentwicklungsplanung, den das von Thieme geleitete dreiköpfige Projektteam nach einjähriger Arbeit im Sportausschuss vorlegte, enthält jede Menge Steilvorlagen für die Abteilung „Attacke“. In den beiden großen Bereichen „Sportstätten und Sporträume“ sowie „Organisationen und Strukturen“ sehen die Experten jede Menge Verbesserungsmöglichkeiten.

Infrastruktur Hauptmangel ist der Sanierungsbedarf der sanitären Einrichtungen in den städtischen Sportstätten. Auch die Leichtathletik-Anlagen sind in keinem guten Zustand. Ein Problem insbesondere für die Schulen. Thieme: „Sie sind nicht für die Abiturprüfung geeignet.“ Der Sanierungsstau bei Duschen und sanitären Einrichtungen sollte in den kommenden Jahren dringend nach und nach behoben werden. Im Gelderland-Stadion sind die Leichtathletik-Anlagen zu modernisieren. Oder man saniert die Schulsportanlage mit dem Ziel einer zentralen (Schul-)Sportanlage. Um erneute Sanierungsstaus zu verhindern, sollte eine „Planungskommission“ gebildet werden.

Verbesserungswürdig ist das Belegungsmanagement in den stark ausgelasteten Sporthallen. Die Expertengruppe plädiert für den Umstieg auf ein onlinebasiertes EDV-System, das einfach zu handhaben ist und die Transparenz bei der Sportstättenvergabe unterstützt.

Der öffentliche Raum wird nach Meinung des Projektteams von der Sportverwaltung noch zu wenig wahrgenommen. Die Empfehlung lautet: Man solle sich nicht nur auf die Vereine konzentrieren, sondern  die öffentlichen Bewegungsräume attraktiver machen.

Ein weiterer Punkt: Soll man den Sport zentral oder dezentral anbieten? Am naheliegendsten ist für Thieme und Kollegen, in den Ortschaften Schwerpunkte nach Sportarten zu bilden. Wo was ausgeübt wird, sei von den Akteuren zu entscheiden. Eine Spezialsportstätte, also eine Halle mit gehobener Ausstattung, böte sich vor allem für die Kampfsportarten wie Karate und Judo an.

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Organisation Hier fordern die Experten eine klarere Formulierung über die wichtige Rolle des Stadtsportverbands (SSV). Er sollte künftig als zentrale Anlaufstelle und „wichtigste Stimme“ für den Sport in Geldern fungieren.

Es fehle an klarer Zielsetzung für die Sportentwicklung und -förderung. Statt langfristiger Strategie gebe es eher kleinteilige und kurzfristige Förderung. Ausbaufähig ist die Kooperation zwischen den Vereinen. Dies könnte auch für das Hauptproblem der Vereine, die Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter, ein wichtiger Aspekt sein. Projekte sind in diesem Zusammenhang ratsam. Bei Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen liegt eine Schwierigkeit darin, gut ausgebildete Trainer zu finden. Eine Verknüpfung von Schul- und Vereinssport sehen die Experten über innovative Modellprojekte wie Walking Bus und Pausensport.

Reaktionen Für die Ausführungen Thiemes gab es Applaus von Politikern und Zuhörern. „Das Geld für das Gutachten ist gut angelegt, damit können wir arbeiten“, urteilte Jörg Grahl (SPD). Er kritisierte, dass das Ehrenamt zum Teil unter bürokratischen Hürden zu leiden habe. Für den SSV forderte Grahl eine personelle Verstärkung und professionelle Aufstellung. „Davon profitieren alle Sportvereine.“ Reinhard Winkler (SSV) wandte ein, es werde der Thematik nicht gerecht, alles auf den SSV „abzuwälzen“. Doch „wir helfen sicher gerne mit“.

Die Gutachter werden den Prozess der Sportentwicklungsplanung für weitere zwei Jahre begleiten.

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