Issum: 600 Jahre St.-Nicolai-Bruderschaft Issum

Issum : 600 Jahre St.-Nicolai-Bruderschaft Issum

Für das Jubeljahr im Altbierdorf ist ein volles Programm zusammengestellt worden. Los geht es mit einer Ausstellung, die spannende Geschichten wiederaufleben lässt und Böllerschüssen. Der Festakt mit großem Zapfenstreich ist am 30. August.

Es muss schon ein sehr kalter Abend gewesen sein, der dazu führte, dass Franzosen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf die Idee kamen, die Nikolausfigur aus dem Issumer Heiligenhäuschen als Brennholz zu nutzen. Und es ist nur dem beherzten Eingreifen des damaligen Pächters der Herrlichkeitsmühle zu verdanken, dass es nicht so weit kam. Er verhinderte das Schlimmste, indem er die französischen Soldaten, die am Nikolaushäuschen Stellung bezogen hatten, betrunken machte und die Figur in Sicherheit brachte. Und so wird der sitzende Nikolaus Teil der Ausstellung sein zum 600-jährigen Bestehen der St.-Nicolai-Bruderschaft Issum. Auch zwei Puppen in französischer Uniform werden im His-Törchen stehen und an die ereignisreiche Zeit erinnern. Wie viele Exponate es sein werden, vermag Ehrenbrudermeister Gerd Hermsen noch nicht zu sagen. Sicher ist: Es wird einiges zusammen kommen und viel zu erzählen geben.

Da ist zum Beispiel die silberne Plakette, die darüber Aufschluss gibt, dass die Bruderschaft tatsächlich 1419 ihren Ursprung hat. Wer tief in die Geschichte abtauchen will, der kommt an dem 1972 verstorbenen Heimatforscher und Volksschulrektor Felix Verhoolen nicht vorbei. In seinem Aufsatz von 1970 schreibt er über das 550-jährige Jubiläum der Bruderschaft. Deutlich wird: Der Zusammenhalt wird groß geschrieben. „So einer der Brüder Streitigkeiten anfängt und in Tätlichkeiten übergeht, soll eine halbe Tonne Bier an den Gildenmeister, zehn Stüber an die Armee sowie ein Pfund Wachs an die Kirche entrichtet werden“, heißt es in der Satzung der St.-Nicolai-Bruderschaft, die von 1660 bis 1872 galt.

Der sitzende Nikolaus hat eine bewegte Geschichte. Foto: Bruderschaft

Ehrenbrudermeister Gerd Hermsen betont, dass es sich bei der St.-Nicolai-Bruderschaft um keine wehrhafte Bruderschaft handelt, sondern eine, die ihre Wurzeln in der Kirche hat und ihren Schwerpunkt in karitativen und kirchlichen Aufgaben. Das lässt sich aus der Geschichte ablesen. „Den Hinterbliebenen eines Schützenbruders gewährten sie ein Sterbegeld von fünf Talern“, schreibt etwa die Satzung vor, die Felix Verhoolen in seinem Aufsatz über die Bruderschaft zitiert.

Dechant Stefan Keller segnete in einer feierlichen Zeremonie das Heiligenhäuschen der Bruderschaft im Jubeljahr. Foto: St.-Nicolai-Bruderschaft/Bruderschaft

Schmuckstück der Schützen ist und war nicht nur die hölzerne Nikolaus-Figur, sondern auch das Kapellchen, das dem Heiligen gewidmet ist und auf der Ecke Kapellener Straße/Mühlenstraße steht. Errichtet wurde es 1664. Es war den Wirren der Kriegszeit ausgesetzt. Die Sprengung der Fleuthbrücke am 4. März 1945, die damit verbundenen Erschütterungen und letztendlich ein englischer Armeelastwagen machten dem Häuschen den Garaus. Die Bruderschaft baute die Kapelle wieder auf. Zum 600. Bestehen bekam sie nun einen frischen Anstrich und wurde neu eingesegnet.

Ähnlich in Feierstimmung wie in diesem Jahr zum 600. Bestehen waren die Menschen zum 500. Jubiläum der Bruderschaft. Aufgrund der belgischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Feierlichkeiten allerdings auf das Jahr 1928 verschoben werden. Aber dann: Der „Schreiber dieser Zeilen kann aus eigener Anschauung von einem auswärtigen Menschenstrom berichten, wie ihn Issum in seiner Größe noch nicht erlebt hatte“, so Verhoolen in seinem Bericht.

Wie alle Bruderschaften haben sich auch die St.-Nicolai-Schützen den Grundsätzen von Glaube, Sitte, Heimat verschrieben. Einer, der von Verhoolen und Ehrenbrudermeister Hermsen gleichermaßen genannt wird, ist Theodor Schmetter. „Er war ein treuer Bewahrer des heimatlichen Brauchtums“, heißt es. In seinem Artikel zum 575. Bestehen der Issumer Katharinen-Bruderschaft macht Heinrich Geurtz deutlich, wie wichtig das ist. „Die Frage, ob der alte Bruderschaftsgedanke über den relativ kleinen Mitgliederkreis eines historischen Verbandes, über einzelne Nachbarschaften und kirchliche Ortsgemeinden hinaus für die Menschen im heutigen Alltag der Familie, des Berufes und der Gesellschaft noch eine inspirierende und prägende Bedeutung haben könne, muss entschieden bejaht werden“, schreibt Geurtz. „Gerade weil das Zusammenleben der Menschen sich tiefgreifend und keineswegs zu seinem Vorteil gewandelt hat, tut eine ernsthafte Rückbesinnung auf den Bruderschaftsgedanken gut.“

Das Fest zum 600. Bestehen der Issumer St.-Nicolai-Bruderschaft ist eine Möglichkeit zurückzublicken, das Gute zu bewahren und zu feiern. Dazu hat die Bruderschaft an einem umfangreichen Programm gefeilt.

Das Festprogramm

Ausstellung Ab Sonntag, 4. August, ist die Ausstellung mit dem Schwerpunkt „Bruderschaften am Niederrhein“ zu sehen, wobei sich die meisten Ausstellungsstücke um die 600 Jahre alte St.-Nicolai-Bruderschaft ranken werden. Die Ausstellung ist bis zum 24. November zu besichtigen. Zur Ausstellungseröffnung am 4. August werden Bürgermeister Clemens Brüx und Brudermeister Klaus Cox um 10.30 Uhr die Gäste begrüßen. Es gibt ein Fahnenschwenken und Böllern im Rathauspark. Im Laufe des Mittags findet ein Schießen der ehemaligen Könige statt. Der Sieger erhält den Titel des Schützenkaisers. Musik: Schmackes Brass Band.

Bezirksfest Am Sonntag, 25. August, wird ein Bezirksfest in Verbindung mit einem Vogelschießen im Rathauspark durchgeführt. Um 10.30 Uhr findet ein Festhochamt in der St.-Nikolaus-Kirche statt. Danach werden alle Bruderschaften des Altkreises Geldern ein Bezirksfest feiern, bei dem der Bezirksschützenkönig ausgeschossen wird. Direkt im Anschluss findet das Vogelschießen der beiden Issumer Bruderschaften statt, an dem der Jubelkönig oder die Jubelkönigin ermittelt wird. Neben Essen und Trinken wird es auch Unterhaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche geben. So wird unter anderem ein altertümliches Zelt aufgebaut sein. Es kann mit Pfeil und Bogen geschossen werden. Weiter gibt es: eine Hüpfburg, Kinderschminken, ein Geschicklichkeitsparcours, Luftballonkünstler, die holländische Juxkapelle „Mootworm“. Es wird auch ein Bürgerschießen geben.

Festakt Am Freitag, 30. August, begeht die St.-Nicolai-Bruderschaft ihren eigentlichen Festakt. Um 17.30 Uhr findet in der St.-Nikolaus-Kirche ein Pontifikalamt statt, das Bischof Felix Genn leiten wird. Der Festakt im Bürgersaal ist ab 19 Uhr. Die Eröffnungsrede hält der Ehrenbrudermeister der St.-Nicolai-Bruderschaft Gerd Hermsen. Grußworte gibt es vom Bundesmeister der historischen deutschen Schützenbruderschaften, Bürgermeisters Clemens Brüx, der Politik und Bezirkspräses Dechant Stefan Keller. Das neue Königssilber und die neuen Ministerplaketten werden an diesem Abend gesegnet und verdiente Mitglieder der Bruderschaft geehrt. Die Moderation hat Altbürgermeister Gerhard Kawaters. Gegen 22 Uhr versammeln sich alle Gäste zu einem Fackelzug zum Ehrenmal. Mit einem großen Zapfenstreich und einer Kranzniederlegung wird der Festakt beendet.

Kirmes Am zweiten Wochenende im September wird Kirmes gefeiert. Freitag, 6. September, ist im Festzelt ab 17.30 Uhr Oktoberfest. Samstag, 7. September, ab 12 Uhr: Erbsensuppenessen im Rathauspark. Ab 18 Uhr: Krönungsmesse mit anschließendem Tanzabend. Sonntag, 8. September:  Treffen der Issumer Vereine, Gastbruderschaften aus dem Bezirk Geldern und vieler geladener Gäste zum großen Umzug durch Issum ab 17 Uhr. Am Abend: Königsball im Festzelt. Montag, 9. September: ab 19 Dämmerschoppen im Festzelt. Dienstag, 10. September: Seniorennachmittag.

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