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34 Jahre lang führte Katarina Babic den Imbiss „Marktstube Walbeck“

Nach 34 Jahren in der „Marktstube Walbeck“ : „Kat“ verabschiedet sich aus Walbeck

Seit 1985 versorgte Katarina Babic ihre Gäste im Imbiss „Marktstube Walbeck“ mit Pommes, Schnitzel und Hähnchen.

Eine Metzgerei am Markt, daran können sich nur noch die älteren Walbecker erinnern. Es ist inzwischen auch schon 50 Jahre her, als sich der damalige Besitzer Walter Tenhaef mit seiner Frau Brigitte dazu entschloss, den Metzgerladen zu schließen und dort die „Marktstube“ zu eröffnen. Schon damals, bei der Eröffnung im April 1969, waren im Angebot Balkanspezialitäten und Hähnchen vom Grill. Es war das erste Restaurant dieser Art im Spargeldorf, das in den folgenden Jahren von mehreren Pächtern betrieben wurde. Da gab es in den Anfangsjahren noch die große Tüte Pommes-Schranke für 30-10-10 Pfennige und den Senf, wer es mochte, gratis dazu. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich vieles verändert, und dafür steht auch der Name der jetzigen Besitzerin, Katarina Babic.

 1979 kam sie aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland und führte mit ihrem damaligen Freund die Gaststätte „Drei Musketiere“ in Kevelaer, sammelte dort schon Erfahrungen in der Gastronomie. Als sie dann im Jahr 1985 als Pächterin die „Marktstube Walbeck“ übernahm, war es zunächst kein leichter Start. Das lag allerdings mehr an ihrem Vorpächter Milan N., der in einer Nacht- und Nebelaktion das Spargeldorf in Richtung heimatliches Jugoslawien verlassen, dabei allerdings einen Haufen Schulden bei einigen Walbecker Geschäftsleuten hinterlassen hatte. Das hatte in Walbeck schnell seine Runde gemacht und war natürlich Dorfgesprächsthema Nummer 1. „In der ersten Zeit musste ich alle Lieferungen bar bezahlen, das hat sich aber dann doch schnell gegeben“, so die damals 30-jährige Jungunternehmerin.

Die Walbecker Bevölkerung hatte sie indes schnell ins Herz geschlossen und bot ihr auch Hilfe an. „Da kam auch Walbecks damaliger Ortsvorsteher Helmut Schopmans und bot mir bei Problemen Hilfe an, alle waren damals hilfsbereit und nett“, erinnert sich Katarina Babic. Aber es hatte natürlich auch seine Gründe, warum Katarina bei den Walbeckern schnell so beliebt wurde. Blieb mal die heimische Küche kalt, speiste man gerne bei ihr oder man nahm die Pommes einfach mit nach Hause. Ihre nette und freundliche Art, immer Zeit für ein kurzes Pläuschchen, auch wenn es stressig war, das mochten die Kunden an ihr.

Probleme hatte die Pächterin in den Marktstuben nie, auch wenn mal die Jugend in ihren Räumlichkeiten etwas lauter krakeelte. „Ich habe dann gefragt, ob die schlecht hören, und schon war Ruhe“, meinte Katarina, die dann auch durchaus resolut auftrat. Was sich schnell rumsprach, war die gute Qualität der zubereiteten Speisen, und das ist über die Jahrzehnte bis auf den heutigen Tag noch so. Schnell hatte es sich über die Grenzen des Spargeldorfes hinaus herumgesprochen, so kam die Kundschaft dann auch aus den Nachbargemeinden und aus den Niederlanden. Am Markt fühlt sich „Kat“, wie sie von den Walbeckern auch schon mal genannt wird, besonders wohl. „Wir haben hier eine tolle und hilfsbereite Nachbarschaft, die war und ist meine Ersatzfamilie.“

Aus ihrer eigenen Familie steht ihr die neun Jahre jüngere Schwester Vera Sabolic zur Seite, seit 17 Jahren ist sie die zweite Kraft in den Marktstuben. Nun ist am Ende des Monats endgültig Schluss für die 65-Jährige. Dann geht es zurück nach Kroatien, wo sie im Haus ihrer Tochter und den zwei Enkelkindern wohnen wird. Mit neun Geschwistern ist sie dort aufgewachsen.

Wenn Katharina Babic nun vom Abschied aus Walbeck spricht, merkt man ihr an, dass das Spargeldorf ihr zur Heimat geworden ist. „Ich gehe mit zwei weinenden Augen, freue mich aber auch auf die neue Zeit, wo ich viel reisen kann und sicher noch oft in Walbeck vorbeischauen werde, wenn mich das Heimweh packt. Urlaub habe ich in den vielen Jahren ja nur wenig gemacht.“ Wenn Katarina nun am kommenden Samstag um 15 Uhr zum letzten Mal die Tür der Marktstuben öffnet, werden nicht nur viele Walbecker zum Abschied kommen und die Räumlichkeiten aus allen Nähten platzen.

Ein kleiner Trost bleibt, denn die „Marktstube“ bleibt den Walbeckern erhalten, auch wenn viele ihre „Kat“ hinter der Theke vermissen werden. Ab dem 1. Dezember bleiben die Türen erst einmal verschlossen, bis voraussichtlich Mitte Februar. Unter der neuen Betreiberin Deana Theiler aus Kevelaer steht eine komplette Renovierung bevor, die Markstube wird sich dann mit einem neuen Gesicht präsentieren. Doch ein vertrautes Gesicht wird bleiben, denn Katarinas Schwester Vera wird auch unter der neuen Führung wie gewohnt leckere Pommes, Schnitzel und Co. servieren