1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

31-Jähriger muss sich für Einbruchserie in Straelen verantworten

Diebstahlserie in Straelen : Die Ängste der Einbruchsopfer

Im Prozess gegen einen 31-jährigen Angeklagten kamen vor dem Landgericht Kleve weitere Zeugen aus Straelen zu Wort. Die Taten wirkten bei manchen lange nach.

Am Montagvormittag trafen sich Nachbarn aus Straelen, Herongen und Auwel-Holt auf den Gängen der Schwanenburg in Kleve. Man grüßte einander, die Anwohner kennen sich gut. Sie dürften allesamt Opfer des gleichen Einbrechers geworden sein, gegen den sie nun als Zeugen aussagen sollten. Ein 31-jähriger Pole muss sich seit der vergangenen Woche vor dem Landgericht wegen drei versuchten und 13 vollendeten Wohnungseinbruchdiebstählen verantworten. Das Gros der Taten soll der vorbestrafte Mann mit seinem jüngeren Bruder begangen haben, der gesondert verfolgt wird. Bei seiner Festnahme hatte der Angeklagte keinen festen Wohnsitz.

Eine 52-jährige Frau aus Herongen berichtete, dass sie mit ihrem Mann im August 2017 gegen 3 Uhr in der Nacht von einem Volksfest heimgekommen sei. Es fiel auf, dass die Türen des Autos und jene des Wintergartens geöffnet waren. Schnell war klar: Ein Unbekannter hatte sich kurz zuvor Zutritt verschafft. Seine Beute umfasste E-Bikes, Handys, Bargeld, Zigaretten und Lebensmittel. Zufällig dürfte sich der Einbrecher das Haus allerdings nicht ausgesucht haben. Immerhin wohnt das Paar abgeschieden in Herongen im Wald. Reifenspuren von Fahrrädern stellten die Polizeibeamten im Garten sicher, die zur niederländischen Grenze führten. Danach verlor sich die Spur. „Früher hatte ich nie Angst. Ich hatte auch überhaupt keine Probleme damit, abends spät mit dem Hund zu gehen. Jetzt dreht man sich häufiger um, man ist vorsichtiger“, sagte das Opfer vor Gericht aus.

  • Am Landgericht Kleve ging der Prozess
    Kriminalität im Gelderland : Einbruchsopfer: „Ich konnte wochenlang nicht schlafen“
  • Der spiritueller Führer bei einem Termin
    Prozess vor dem Landgericht Duisburg : „Spiritueller Führer“ aus Wesel hat offenbar keine psychische Störung
  • Viele Straelener packten mit an, um
    Aktion an der Maas : Straelen kämpft gegen Flut in der Maas

Eine 56-Jährige aus Auwel-Holt berichtete, dass sie und ihr Mann – ebenfalls im August 2017 – erst nach dem Aufstehen den Einbruch entdeckten. In der Nacht hatten sie nichts Verdächtiges gehört. Der Täter hatte ein Bürofenster aufgehebelt und Beute im Wert von mehreren Tausend Euro gemacht. Der Einbrecher entwendete Laptops, Handys, ein Tablet, eine Handtasche und eine Kamera. „Ich hatte für den Notfall immer 50 Euro in der Küche hinterlegt. Ich dachte: Wenn der Einbrecher schon mal was hat, macht er nichts kaputt. Die 50 Euro aber hat er nicht mitgenommen, er hatte schon genug“, sagte die Zeugin, die ihre Papiere in Arcen wiederfand.

Die Folgen des Einbruchs sind weitreichend. Nicht nur, dass das Ehepaar die Sicherheitsvorkehrungen am Haus deutlich verschärft hat. Auch emotional wirkt die Tat bis heute nach: „Es ging uns nicht gut. Ich bin zwar froh, dass allen nichts passiert ist. Aber wir schliefen nach dem Einbruch monatelang schlecht. Heute rennt man fünf Mal abends durchs Haus und macht alles zu“, sagte die Frau.

Am Donnerstag, 22. Juli, wird der Prozess fortgesetzt.