Geldern: 25 100 Überstunden im Rathaus

Geldern: 25 100 Überstunden im Rathaus

Mitarbeiter der Stadt Geldern sind überlastet: Das NKF und zusätzliche Aufgaben sorgen für mehr Arbeit als sonst. Bürgermeister Janssen setzt darauf, dass nicht zusätzliche Anfragen durch die Ratsmitglieder produziert werden.

Das Stundenkonto der Stadtverwaltungsmitarbeiter ist übervoll. 25 100 zu viel geleistete Arbeitsstunden haben sich in den Jahren darauf angesammelt, berichtet Bürgermeister Ulrich Janssen. "Wenn man diese einem Mitarbeiter geben würde, dann könnte er 16 Jahre lang zu Hause bleiben." Derzeit ist viel zu tun im Gelderner Rathaus – vor allem die Haushaltsberatungen und das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) haben die Anforderungen an die Beamten hochgedreht.

"Kollegen sind mit Arbeit zu"

"Die Kollegen sind mit Arbeit zu", sagt Hauptamtsleiter Achim Ingenillem. Und genau das sei auch der Grund, weshalb Bürgermeister Ulrich Janssen in vergangenen Ausschusssitzungen heftig auf Anfragen aus den Fraktionen reagiert habe.

Alexander Alberts hatte für die FDP nach einer detaillierten Aufschlüsselung freier Gewerbeflächen gefragt und wurde harsch angegangen. "Die Verwaltung will nicht den Informationsanspruch des Rates torpedieren", sagt Ulrich Janssen dazu.

Es könne aber nicht sein, dass ständig Anfragen kämen, die auch anderweitig geklärt werden könnten. Die verfügbaren Grundstücke beispielsweise seien alle online einzusehen. Die Anfrage an die Stadtverwaltung hingegen produziere in den entsprechenden Ämtern enorm viel Arbeit. "So was passiert laufend. Das liegt ja nicht genauso zusammengestellt in irgendeiner Schublade bei uns und wir ziehen es nur raus", sagt Janssen. "Dafür habe ich wenig Verständnis." Um die Mitarbeiter zu entlasten, will Janssen derartige Anfragen künftig, sofern machbar, nur noch mündlich beantworten und in Einzelfällen den Rest des Ausschusses abstimmen lassen, ob die Frage wirklich so dringend ist, dass sie einer Antwort bedarf. In den vergangenen Wochen seien mehrere Rathaus-Mitarbeiter wegen Stress ausgefallen, berichtet Achim Ingenillem.

Mehr Beratungen, mehr Fälle

Seit 2004 wurde der Personalbestand um 14 Mitarbeiter reduziert. Die Arbeit sei aber mehr geworden. Beispielsweise müsse sich das Jugendamt nun auch um Unterhaltsberatungen kümmern, das Sozialamt habe eine "Flut" von Hartz-IV-Prozessen zu Heiz- und Unterhaltskosten zu bewältigen. Und im Rahmen der Umstellung auf NKF seien viele Arbeiten doppelt zu leisten – weil das Land noch mit einem anderen System arbeitet. Allein in der Kämmerei fallen dadurch 8400 Buchungen pro Jahr an. Vor der Umstellung waren es 3300.

Achim Ingenillem berichtet, dass es auch schon Überlastungsanzeigen von Kollegen gebe. "Dann sind die Vorgesetzten gefordert", sagt Janssen. "Wie gehen wir damit um, welche zu bearbeitenden Aufträge bleiben dann eben mal etwas liegen?" Generell sei der Stadtverwaltung die Gesundheit ihrer Mitarbeiter wichtig. So bietet sie kostenlose Rückenkurse und verschiedene Zeitmodelle an. Bei andauernden Schwierigkeiten in einzelnen Abteilungen gibt es Coachings.

(RP)