19. Turmstipendium in Geldern findet statt

In Geldern: Drei Stipendiaten im Wasserturm

Daniela Baumann, Jelke Reems und Christian Krieter setzen ihre kreativen Ideen in dem alten Bauwerk am Gelderner Bahnhof um. Die Arbeitsphase dauert bis zum 25. August. Danach werden die Werke in einer Ausstellung präsentiert.

Mit einem Auto voller Material kam Daniela Baumann nach Geldern. „Und dann habe ich die ungefähre Idee, die ich hatte, nach einer Stunde in die Ecke gelegt“, sagt die Frau aus Solingen. Sie gehört zu den drei Teilnehmern am 19. Gelderner Turmstipendium. Und dass sie ihr Konzept komplett über den Haufen geworfen hat, ist durchaus im Sinne der Erfinder.

„Von uns gibt es keine Vorgabe. Der Künstler hat die absolute Freiheit, auch Scheitern ist zugelassen.“ Spricht Peter Busch, der Vorsitzende des Vereins „Kuhnst Turm Niederrhein“, der gemeinsam mit dem Kunstverein Gelderland und den Freizeit-Künstlern Geldern das Turmstipendium veranstaltet. Wichtig sei, dass die Teilnehmer über ihr Schaffen redeten, dass die Entstehung von Kunst vermittelt werde.

„Ich freue mich über die Kunst“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Rolf Pennings, der die drei Teilnehmer im Namen der Stadt begrüßte. Dominic Michels, Gelderner Geschäftsstellenleiter des Sponsors Sparkasse Krefeld, wies darauf hin, dass der Freiraum des Stipendiums neue Energie für Produktivität gebe. Roger Bruns vom dritten Sponsor, den Stadtwerken Geldern, findet es „immer wieder spannend“, was sich im Wasserturm tut.

  • Geldern : Kunst im Wasserturm - und außerhalb

Was genau während der Arbeitsphase entsteht, die bis zum 25. August dauert, wissen die drei Stipendiaten bis ins letzte Detail selber noch nicht. „Ich finde den Aufenthalt außerhalb meines Ateliers sehr inspirierend“, bekennt Daniela Baumann, die zudem den Austausch mit den anderen beiden Künstlern als bereichernd empfindet. Auf Deutsch, Englisch und Niederländisch verständigt sich das Trio. Die Solingerin hat ihr Atelier auf Zeit in den obersten beiden Etagen des Turms eingerichtet, begibt sich aber immer wieder auch nach draußen. „Dort arbeite ich mit Tusche“, erklärt die 57-Jährige. In dem Turm näht sie Seiten zusammen, die sie sowohl mit Tusche als auch mit Nadeln flächendeckend und linienförmig gestaltet hat. Über einem der alten Rohre des Turms hängt Goldfolie, die aus dem Schwarz-Weiß der anderen Werke heraus sticht. „Mal sehen, wo sie noch landet“, meint die Künstlerin, die „interdisziplinär“ arbeitet und in der Umgebung des Wasserturms auch auf Entdeckungsreise geht.

Jelke Reems aus Arnheim kam ohne Plan und will sich vom Ort inspirieren lassen. Sie baut ihre Installation in der ersten Etage des Turms auf, verwendet dafür Holz und Eisen, das sie mit Schraubzwingen und Klebeband fixiert. „Aber nicht mit Nägeln, damit ich schnell etwas ändern kann“, betont die 37-jährige Niederländerin. Sie ist interessiert an gesellschaftlichen Systemen und ihren Konflikten, will soziale Komponenten im Material ausdrücken. Aber, so sagt sie, „vielleicht mache ich auch noch was ganz anderes.“

Einige Bilder im Format 50 mal 50 Zentimeter hat Christian Krieter bereits fertig. Der 32-Jährige aus Alpen übernachtet bei seiner Familie und genießt über Tag die Ruhe und den Freiraum im alten Wasserturm. „Es klappt besser als erhofft“, sagt er über seine Produktivität. Alles passiere auf der Leinwand, umschreibt er seine Acrylbilder. Darauf ist zum Beispiel ein schemenhaft dargestellter Mann in einer Art Kirchenraum zu sehen. Ein anderes Motiv zeigt eine zusammengekauerte nackte Person auf einer Bank in Rückenansicht. Krieter probiert sich während des Stipendiums am figurativen Malen. Und er versucht, die Zeit optimal auszunutzen. „Ich male durch.“

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