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Geldern: 125 Jahre Haus Eyckmann in Walbeck

Geldern : 125 Jahre Haus Eyckmann in Walbeck

An diesem Wochenende startet die Gaststätte mit einem Familientag in ihr Jubiläumsjahr. Es hätte anders kommen können, denn eigentlich sollte an gleicher Stelle eine Schuhfabrik entstehen. Gastronom Josef Eyckmann erinnert sich.

Wer das Haus Eyckmann in Walbeck betritt, atmet nicht den Geruch der Geschichte, sondern den Duft gut bürgerlicher Küche ein. Aus der Küche der Gaststätte, die ihr 125-Jähriges Bestehen feiert, dringen die zischenden Geräusche von Fleisch, das in der Pfanne bruzzelt. Der Lieferant bringt frische Tomaten herein.

 Großvater Heinrich und Mutter Helene in den Anfängen hinter der Theke (li.). Heute steht Josef Eyckmann hinter dem Zapfhahn.
Großvater Heinrich und Mutter Helene in den Anfängen hinter der Theke (li.). Heute steht Josef Eyckmann hinter dem Zapfhahn. Foto: privat/ RP-Foto: Gerhard Seybert

Eigentümer Josef Eyckmann genießt die letzten ruhigen Minuten des Tages, bevor das Tagesgeschäft so richtig losgeht. Ein Leben ohne Gastronomie kennt er nicht. Dabei hätte alles so ganz anders kommen können. "Eigentlich sollte das eine Schuhfabrik werden", erinnert sich Josef Eyckmann an das Vorhaben seiner Ahnen. 1888 erwarb sein Urgroßvater Peter das Haus. Der Großvater Bartholomäus hatte schon alles für eine Schuhfabrik gekauft. Bevor die Idee in die Tat umgesetzt werden konnte, verstarb der Großvater. 1892 dann der Schock: Das Haus brannte bei einem Großfeuer nieder, wurde wieder aufgebaut.

Zunächst lebte die Familie dann vom Schuhgeschäft, dem Verkauf und dem Ausbessern von Schuhen. "Mein Vater hat noch das Schusterhandwerk gelernt. Ich weiß noch, wie der auf dem Söller geschustert hat", erzählt Josef Eyckmann aus seiner Kindheit. Eine kleine Gaststätte war aber auch dabei, und Landwirtschaft. Als Junge arbeitete Josef Eyckmann auf dem Feld mit. "Ich weiß, wie dicke Bohnen gepflückt und Schwarzwurzeln geerntet werden", sagt der 57-Jährige. "Da war der riesige Karren mit Schwarzwurzeln, der zu putzen war. Als kleines Kind sieht man da kein Ende."

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Das Gemüse aus der eigenen Landwirtschaft wurde verkauft oder in der Gaststätte verarbeitet. "Früher hatte man keine Dosen", sagt Eyckmann lachend. Obst gab es zwar in Gläsern, aber das war dann selbst eingemacht. Koch war dann auch der Beruf, den Josef Eyckmann wählte. Die Rückkehr in den heimischen Betrieb kam schneller, als er dachte. Der Vater starb, als er 18 Jahre alt war. Dass er nach der Lehre zurück nach Hause ging, war halt so, auch wenn er gerne noch die Hotelfachschule besucht hätte.

Seitdem arbeitet er zu Zeiten, wenn andere frei haben. "Aber dadurch habe ich viel erlebt, was andere nicht erlebt haben", sagt Josef Eyckmann. Bei vielen Feiern war er dabei, zum Beispiel wenn die Fußballmannschaft des SV Walbeck ihren Aufstieg bejubelte. Denn die Gaststätte an der Walbecker Straße 3 ist von jeher ein Ort, an dem gefeiert wird. "Es bleibt immer ein bisschen hängen, egal welches Fest es ist", sagt der Gastronom. Obwohl manche sind ihm doch besonders in Erinnerung. Zum Beispiel eine Hochzeit, bei der es statt opulenten Braten den guten Walbecker Spargel und Erdbeeren zum Nachtisch gab. Oder die Beerdigung, bei der statt der 70 bestellten Gäste plötzlich 140 kamen. Hungrig musste keiner aufstehen. "Irgendwie funktioniert es immer", sagt Eyckmann. Bestes Vorbild ist seine Mutter Helene "Leni", die früh Witwe wurde und die Gastronomie unter ihre Fittiche nahm. "Den großen Teil haben wir unserer Mutter zu verdanken", sagt Josef Eyckmann. Auch die Zukunft ist gesichert. Von seinen vier Kindern wird Sohn Peter den Betrieb von Josef Eyckmann übernehmen. "Dann habe ich vielleicht ein bisschen mehr Zeit für meine drei Enkelkinder", sagt der Gastronom nachdenklich. Das Tagesgeschäft ruft schon wieder. Am Wochenende startet außerdem der Festreigen zum 125-Jährigen Bestehen der Gastronomie von Haus Eyckmann. Am Sonntag gibt es einen Familientag, an dem gegrillt wird. Im Laufe des Jahres sollen weitere Aktionen stattfinden. Zum Beispiel dürfen sich alle Daheimgebliebenen in den Sommerferien am Sonntag über ein Abendbuffet in der Traditions-Gaststätte freuen. Geplant ist außerdem noch ein Galadinner.

Und Josef Eyckmann? Der geht dahin, wo er sich zu Hause fühlt. In seine Küche. Persönlich mag er gutbürgerliches Essen, Grünkohl und Sauerkraut mit gebratenen Rippchen. Aber er kann auch anders. So ein Mehr-Gänge-Menü, am Tisch serviert, das ist schon ein Highlight, auf das er sich richtig freut. Aber erst einmal wird gefeiert.

(bimo)