100 Tage Gesamtschule Geldern

Ambitionierte Lehrer, engagierte Eltern: 100 Tage Gesamtschule Geldern

Die ersten 100 Tage der neuen Schule. 100 Tage mit vielen Erfolgen, ambitionierten Lehrern, netten Kindern und engagierten Eltern. Zugleich die ersten 100 Tage, in denen sich Gesamt- und Realschule einen Standort teilen.

Richtig stolz ist die Gesamtschule Geldern auf eines: Die ersten 100 Tage waren 100 Tage ohne Unterrichtsausfall. Schulleiterin Tanja Rathmer-Naundorf ist begeistert von ihrem Team: „Die Kollegen sind hochmotiviert“, sagt sie. Und auch sonst freut sie die Stimmung an „ihrer“ Schule: „Es ist ein buntes Leben hier.“

Eltern sollten laut Konzept besonders intensiv eingebunden werden - wie läuft’s damit in der Praxis?

Die Idee wurde umgesetzt. An 50 Stunden in der Woche gestalten Eltern das eigenständige Lernen in den Klassen mit, durch bezahlte und auch ehrenamtliche Arbeit. Zwölf Elternteile machen auf diese Weise mit, gut die Hälfte von ihnen hat einen pädagogischen Hintergrund.

Welche Rolle spielt der Förderverein?

Der Förderverein bringt sich besonders aktiv ein.  Dazu gehört auch, dass über ihn durch Landesmittel eine Schulsozialarbeiterin, ein Sonderpädagoge und ein Inklusionshelfer eingestellt wurden. Er hat viele Sponsoren und Spender gewonnen. Durch Spendengelder konnten Schüler zum Beispiel eine „Cajon“, ein Instrument, bauen. Der Förderverein sorgte auch für ein Computerprogramm, über das bei frei gestalteten Unterrichtsformen nachgehalten wird, wo sich welches Kind aufhält. Im kommenden Jahr sollen erstmals Mitgliedsbeiträge eingeholt werden, sagt der Vorsitzende Bernd Hünekens.

Welche Ideen wurden komplett umgesetzt, was ist verändert worden oder dazugekommen?

Einiges wurde ausgeweitet, etwa beim Montessori-Konzept. Die Montessori-Lernmaterialien haben sich so bewährt, dass sie nun im gesamten Schulalltag eine Rolle spielen. Die Förderung für Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche ist weiter ausgebaut worden als ursprünglich gedacht, ebenso wie die Lese- und Sprachförderung für alle Kinder. Und es wurden „English-speaking-Stunden“ ins Leben gerufen: Unterricht, in dem nur englisch gesprochen wird. Außerdem neu: Die See-Runde. Jeden Freitag geht die ganze Schulgemeinschaft joggen.

Zwei Schulen an einem Standort: Wie läuft es mit der Raumverteilung?

Die Gesamtschulklassen sind auf dem Schul-Areal an der Königsberger Straße vorwiegend in „mobilen Klassenräumen“. Darin kann man sich wohlfühlen, findet Schulleiterin Rathmer-Naundorf. Den Begriff „Container“ findet sie daher unpassend. „Wenn Sie drin sind, merken Sie keinen Unterschied“, sagt sie. Die Klassen sind sogar besonders großzügig.

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Die Gesamtschule und die Realschule An der Fleuth teilen sich im ursprünglichen Realschul-Gebäude den Physikraum und – seltener – weitere Fachräume. Es kam zwar schon mal zu Fehlern in der Planung. „Das war unglücklich“, sagt Realschul-Rektor Wilfried Schönherr, „kriegt man aber hin.“ Der Technik-Raum ist allerdings komplett durch die Gesamtschule belegt. „Deswegen lassen wir jetzt unsere Schüler, die in Klasse 7 sind, immer zu Fuß zu unserem Standort am Westwall laufen“, erklärt Schönherr. Dabei geht natürlich Zeit verloren.

Wie klappt die Organisation von zwei Schul-Leben an einem Standort?

Gesamt- und Realschule müssen sich in vielen Punkten arrangieren, und manchmal fällt erst in der Praxis auf, wo es hakt. So haben die Schulen unterschiedliche Pausen-Zeiten. Das hat etwas Gutes: „Die Schüler können sich noch mehr entfalten, noch mehr toben“, sagt Rathmer-Naundorf. Andererseits liegen die Außentoiletten in der Nähe der Gesamtschulklassen. So kann der Unterricht gestört werden, wenn die Realschüler dort nicht leise sind. Umgekehrt lag der Unterricht in Realschul-Klassen schon mal lahm, wenn die Gesamtschüler bei der „See-Runde“ vorbeiliefen. Das seien Dinge, über die man dann eben sprechen müsse.

Wie läuft das Miteinander unter den Kindern?

Im Vorfeld gab es die Befürchtung, dass die Kinder der Realschule sich von den Gesamtschülern „verdrängt“ fühlen könnten. Und zumindest in Einzelfällen scheint das auch vorzukommen, so dass es zum Streit kommt, so die Erfahrung von Realschul-Rektor Schönherr. Aber das seien wirklich Ausnahmen.

Aus Sicht von Gesamtschul-Leiterin Rathmer-Naundorf gibt es eigentlich gar keine Schwierigkeiten zwischen Schülern, allerdings auch so gut wie keine Berühungspunkte. „Das sind einfach zwei ganz getrennte Systeme“, sagt sie. „Die Schulsozialarbeiter überlegen, mal eine gemeinsame Aktion zu machen, damit die Schüler mal zusammenkommen.“

Wie läuft das Miteinander der Kollegien?

Sehr gut, betonen beide Seiten. Man pflege partnerschaftliche Absprachen. Das eine Sekretariat hat schon mal für das andere ausgeholfen, es gibt eine kleine gemeinsame Weihnachtsfeier. „Ein positives Miteinander“, sagt Tanja Rathmer-Naundorf: „Wir sind im Gespräch, und wir sind ja Tür an Tür. Da ist ein guter Umgang.“

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