Literatur auf der Bühne Merle Ohlenkamp ist Gelderns Stadtmeisterin im Poetry Slam

Geldern · Zum zehnten Mal veranstaltete der Kunstverein Gelderland den Slammer-Wettstreit. In der ausverkauften Tonhalle war das Publikum die Jury.

Merle Ohlenkamp siegte beim Poetry Slam 2022.

Merle Ohlenkamp siegte beim Poetry Slam 2022.

Foto: Terhorst

Nach zwei Jahren Corona-Pause hat der Kunstverein Gelderland jetzt in Geldern die 10. Poetry-Stadtmeisterschaft ausgetragen. Vor ausverkaufter Tonhalle standen erneut erfahrene Texter und Neulinge im Bereich Slammen gemeinsam auf der Bühne. Sie alle eint das Lampenfieber, ob sie mit ihren selbstverfassten Texten auf der Bühne bestehen können. Nicht zu vergessen sind die Freunde und Bekannte der Slammer, die natürlich mitfiebern. Malte Küppers übernahm die Moderation des Abends und erklärte witzig und unterhaltsam die Spielregeln des Abends, denn das Publikum ist die Jury und vergibt die Punkte.

Das „Warmup“ gestaltete Slammer Abdul Chahin, NRW-Vizemeister 2021 aus Duisburg, mit seinem humoristisch-nachdenklichen Text aus dem „Dialog-Marketing“, auch Call-Center genannt. Dort musste er sich als „Herr Schein“ mit nationalistischem Ideengut seiner Gesprächspartner auseinandersetzen.

In einem ersten Block traten vier Slammer gegeneinander an. Alterssenior Günther Schmitz aus Geldern sprach im freien Vortrag mit gereimten Humoresken und Sprachspielen im Stile Eugen Roths zu verschiedenen Meerestieren wie Stör und Aal. „Eigentlich wollte ich nur als Zuschauerin gekommen sein“, merkte die junge Melina Schepers an, entschied sich aber spontan doch zum Mitmachen und räsonierte über die Kostbarkeit der verrinnenden Zeit.Den Zungenschlag seiner rheinlandpfälzischen Heimat konnte man bei Thomas Klump aus Veert noch gut heraushören, als er in teils makaberem Ton seine Gedanken zum Totensonntag zu Gehör brachte. Neuling Beate Spira aus Rheinberg versuchte sich an einem kunstvoll umgestalteten Märchentext „Duo Infernale mit Katze“.

Den zweiten Block eröffnete Martin Huylmans, Gewinner des Jahres 2016, mit einem sehr persönlichen Text zum Umgang mit Beziehungsproblemen, gefolgt von einem (selbst)-ironischen Text des ehemaligen Studienrats Erich Carl mit Schmunzeleffekt zum Thema Schule. Auch der sprachlich und gestisch sehr gekonnt vorgetragenen Lyrik der Abiturientin Merle Ohlenkamp vom Lise-Meitner-Gymnasium Geldern zum Thema „Depression“ merkte man die persönliche Betroffenheit an. Die Finalrunde nach der Pause eröffnete wiederum Abdul Charin mit seinem Text „Die Gedanken sind frei“.

Goldschmied Martin Link überreichte am Ende die von ihm gesponserten Preise. Das bronzene Mikrofon ging an Martin Huylmans für „Viva la Depression“, das silberne Mikrofon bekam Günter Schmitz für seine witzigen Beschreibungen verschiedener Berufe wie Tiertransporteur und Gerüstbauer. Mit ihrem Text zum „Perfektionismus“ wurde Merle Ohlenkamp Siegerin und damit Gewinnerin der zehnten Stadtmeisterschaft im Poetry Slam in Geldern und erhielt das vergoldete Mikrofon.

Die musikalische Umrahmung des Abends gestalteten gewohnt souverän die jungen Musiker der Straelener Big Band „Director’s Cut“, bestehend aus Richard und Hendrik Steltzer nebst Freundin Corinna.

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